BayWa Aktie: 6,9-Prozent-Rutsch auf 8,40 Euro

Ohne konkreten Anlass verliert die BayWa-Aktie deutlich an Wert. Der Sanierungsprozess und die ungelöste Restrukturierung im Konzernumfeld sorgen weiterhin für hohe Nervosität am Markt.

Die Kernpunkte:
  • Kursrutsch ohne konkreten Auslöser
  • Sanierungsprozess belastet weiterhin
  • Übernahmeangebote für insolvente Baumarktketten
  • Herbst als entscheidende Wegmarke

Die BayWa-Aktie hat heute deutlich nachgegeben und notiert bei 8,40 Euro – ein Minus von 6,9 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 9,02 Euro. Einen konkreten Auslöser für den erneuten Kursrutsch gibt es nicht.

Weder eine Ad-hoc-Mitteilung noch eine sonstige Unternehmensnachricht vom heutigen Tag erklärt die Bewegung. Die Aktie bewegt sich damit in einem Umfeld, das seit Monaten von Gewinnmitnahmen, Nervosität und der ungelösten Sanierungslage geprägt ist.

Sanierung bleibt zentrales Thema

Der eigentliche Belastungsfaktor für BayWa-Anleger liegt weiter tiefer: im laufenden Sanierungsprozess des Agrarhandels- und Energiekonzerns. Erst am Montag wurde bekannt, dass die insolventen Baumarktketten HELLWEG und BayWa Bau & Garten im Rahmen ihres Eigenverwaltungsverfahrens konkrete Übernahmeangebote für wesentliche Teile ihres Filialportfolios erhalten haben.

Die Eröffnung des Verfahrens wird demnach Ende August erwartet. Die BayWa AG ist davon nicht betroffen: Sie hat ihr Baumarktgeschäft bereits 2012 an den Eigentümer der Hellweg-Gruppe verkauft, die Kette führt den Namen seither auf Lizenzbasis. Wie tief die Krise im Konzern sitzt, zeigen andere Baustellen.

Hintergrund ist die im Sommer erzielte Grundsatzverständigung mit Gläubigern und Großaktionären: Der Sanierungszeitraum wurde bis Ende 2030 verlängert, Finanzverbindlichkeiten von bis zu 700 Millionen Euro sollen in ein nachrangiges Instrument umgewandelt werden. Die Großaktionäre BRB und RAI, die zusammen rund 67,1 Prozent der Aktien halten, übertragen ihre Anteile an einen Treuhänder. Eine rechtsverbindliche Vereinbarung soll im Herbst stehen.

Parallel läuft die Restrukturierung der Ökostromtochter BayWa r.e. Dort sollen die Anteile von BayWa AG und dem Partner Energy Infrastructure Partners an einen Transformations-Gesellschafter übertragen werden.

Aus erwarteten Verkaufserlösen sollen Finanzverbindlichkeiten von bis zu 900 Millionen Euro getilgt werden – ein Verzicht auf Forderungen gegen BayWa r.e. steht dabei vorbehaltlich eines Besserungsscheins im Raum.

Bereits im März hatte BayWa in einer Ad-hoc-Mitteilung eingeräumt, dass die ursprünglich geplanten Erlöse von 1,7 Milliarden Euro aus dem r.e.-Bereich nicht realistisch seien – eine Anpassung des gesamten Sanierungskonzepts wurde damit unumgänglich.

Zahlen zeigen schrumpfenden Konzern

Die Quartalsmitteilung zum ersten Quartal hatte bereits gezeigt, wie stark sich der Konzern verkleinert: Der Umsatz brach von 3,6 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 2,3 Milliarden Euro ein. Immerhin lag das bereinigte EBITDA über den Vorgaben des Sanierungsplans. Mit den Banken besteht zudem eine Standstill-Vereinbarung, die bis in den Herbst hinein Zeit für die Überarbeitung des Sanierungskonzepts verschaffen soll.

Ausblick: Herbst als entscheidende Wegmarke

Für Anleger bleibt der Herbst der entscheidende Termin: Dann sollen sowohl die rechtsverbindliche Vereinbarung mit Gläubigern und Großaktionären als auch weitere Schritte bei BayWa r.e. konkret werden. Bis dahin dürfte die Aktie volatil bleiben – der heutige Kursrutsch ohne erkennbaren Nachrichtenanlass unterstreicht, wie nervös der Markt auf jede neue Wendung im langwierigen Sanierungsprozess reagiert.

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