BayWa Aktie: 700 Millionen Euro in nachrangige Instrumente

Die Gläubigerbanken retten den Agrarriesen BayWa, entmachten aber die Großaktionäre und erzwingen eine tiefgreifende Sanierung bis 2030.

Die Kernpunkte:
  • Gläubiger verlängern Sanierungszeitraum bis 2030
  • Großaktionäre verlieren Stimmrechte an Treuhänder
  • Führungsposition des Vorstandsvorsitzenden unbesetzt
  • Kriselnde Tochter BayWa r.e. soll verkauft werden

BayWa kämpft ums Überleben. Die Gläubigerbanken lenken zwar ein. Allerdings ist der Preis für die Sanierung historisch hoch. Das Münchner Traditionsunternehmen muss sich fast vollständig neu erfinden.

Systemrelevanz als Joker

Warum retten die Banken den hochverschuldeten Konzern? Die Antwort lautet Systemrelevanz. Ohne BayWa droht der deutschen Landwirtschaft in weiten Teilen der Stillstand. Bayerns Genossenschaftspräsident Stefan Müller spricht sogar von einem drohenden Totalschaden für die heimischen Bauern.

In Süd- und Ostdeutschland beherrscht das Unternehmen den Getreidehandel und die Techniklieferungen. Dieser Druck auf die Beteiligten zeigt Wirkung. Die Finanzpartner wollen den Sanierungszeitraum bis Ende 2030 verlängern. Parallel dazu wandeln sie Kredite über 700 Millionen Euro in nachrangige Instrumente um.

Hoher Preis für die Großaktionäre

Die bisherigen Eigentümer zahlen einen hohen Preis für die Rettung. Die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und die Raiffeisen Agrar Invest AG verlieren vorerst die Macht. Ihre Anteile von insgesamt 67,1 Prozent wandern zu einem Treuhänder. Erst im Jahr 2029 dürfen sie wieder selbst entscheiden.

Dafür knüpfen die Geldgeber harte Bedingungen an die Rückgabe. Die Ankeraktionäre müssen dann mindestens 220 Millionen Euro frisches Eigenkapital bereitstellen. Bis zu dieser Kapitalerhöhung hält der Treuhänder die Stimmrechte. So soll die Handlungsfähigkeit während der gesamten Restrukturierung gesichert bleiben.

Baustelle im Vorstand

Operativ bleibt der Konzern vorerst führungslos. Der Posten des Vorstandsvorsitzenden ist weiterhin vakant. Branchenkenner fordern eine schnelle Besetzung durch einen erfahrenen Sanierer. Dieser muss gleichzeitig das Kerngeschäft mit Agrarprodukten und Baustoffen verstehen.

Das Ziel lautet: Zurück zu den Wurzeln. Ein Treuhänder soll die kriselnde Tochter BayWa r.e. nun verwerten. Dieser Schritt belastet die Bilanz schwer. Der erhoffte Erlös für die Ökostromsparte schrumpfte zuletzt massiv auf rund 900 Millionen Euro.

Die Aktie stabilisierte sich zuletzt bei 11,10 Euro. Der langfristige Abwärtstrend bleibt allerdings mit einem Minus von rund 34 Prozent seit Jahresbeginn bestehen. Anleger warten nun auf den Herbst 2026. Dann soll die rechtsverbindliche Sanierungsvereinbarung endgültig stehen.

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