BayWa Aktie: EVN übernimmt Charging-Sparte komplett

BayWa AG stärkt die Entschuldung mit dem Verkauf der Ladesparte, während die eigenständige Baumarktkette Filialen aufgibt und Anleger skeptisch bleiben.

Die Kernpunkte:
  • Baumarktinsolvenz betrifft nicht die BayWa AG
  • EVN übernimmt BayWa-Ladegeschäft vollständig
  • 30 Standorte wechseln den Eigentümer
  • Aktie seit Jahresbeginn rund 49 Prozent tiefer

Inmitten der laufenden Restrukturierung des BayWa-Konzerns sorgt die Berichterstattung über Filialschließungen im Einzelhandel für Aufmerksamkeit bei Anlegern.

Während die unter dem Markennamen BayWa firmierende Baumarktkette mit massiven Einschnitten und Standortschließungen konfrontiert ist, treibt die börsennotierte BayWa AG ihre eigene Entschuldung durch den gezielten Verkauf von Geschäftsbereichen voran. Dabei gilt es für Investoren, strikt zwischen den operativen Maßnahmen des Konzerns und der Krise der rechtlich eigenständigen Baumärkte zu trennen.

Klare Trennung zwischen Konzern und Einzelhandel

Die aktuellen Meldungen über Räumungsverkäufe und Filialaufgaben betreffen die BayWa Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG. Wie Medienberichte am gestrigen Mittwoch bestätigten, wurden an Standorten in Heilbronn-Franken sowie am Dienstag in Regionen wie Bad Windsheim, Gunzenhausen und Dinkelsbühl Abverkäufe eingeleitet.

An diesen Standorten haben Gutscheine und Kundenkarten bereits ihre Gültigkeit verloren. Hintergrund ist die Abwicklung der insolventen Kette, für die laut Berichten vom 28. August lediglich für 35 von insgesamt mehr als 110 Filialen Käufer in Aussicht stehen.

Für die Aktionäre der BayWa AG ist dabei entscheidend, dass diese Insolvenz keine Konzernmaßnahme darstellt. Die BayWa AG hat ihr gesamtes Baumarktgeschäft bereits vor über zehn Jahren an den Eigentümer der Hellweg-Gruppe veräußert. Der damalige Betriebsübergang erfolgte im Januar 2012. Seither führt die Einzelhandelskette den Namen BayWa lediglich auf Basis einer Lizenzvereinbarung.

Ein Beispiel für die laufende Neuordnung ist der Standort Backnang: Hier erhielt das Unternehmen BAUHAUS am Dienstag vergangener Woche im Bieterverfahren den Zuschlag. Die Übernahme ist für den 1. Dezember geplant, wobei eine Wiedereröffnung nach Umbau im Frühjahr 2027 angestrebt wird.

Fortschritte bei der Entschuldung durch Spartenverkauf

Die tatsächliche Sanierungsstrategie der börsennotierten BayWa AG konzentriert sich auf die Veräußerung konzerneigener Randbereiche. Ein wesentlicher Schritt gelang hierbei am 2. September mit dem vollständigen Verkauf der BayWa Mobility Charging GmbH. Die Tochtergesellschaft, die zum Bereich BayWa Mobility Solutions gehört, wurde zu 100 Prozent von der österreichischen EVN Energieservices übernommen.

Mit diesem Verkauf wechseln 30 Standorte mit insgesamt 170 öffentlichen Schnellladepunkten (HPC) den Besitzer. Die EVN bestätigte die Transaktion und den damit verbundenen Markteintritt in den deutschen Schnelllademarkt.

Für die BayWa AG ist diese Veräußerung Teil einer breiteren Restrukturierung, die darauf abzielt, die Kapitalstruktur zu stärken und die Verschuldung zu reduzieren. Bereits in einem früheren Stadium der Sanierung war im März dieses Jahres über mögliche Deinvestitionen in diesem Segment berichtet worden.

Marktstimmung und Kursentwicklung

Das Marktumfeld für die BayWa-Aktie bleibt trotz der operativen Fortschritte bei der Konzern-Entschuldung herausfordernd. Das Papier notiert aktuell bei 8,64 € und verharrt damit auf dem Niveau des gestrigen Schlusskurses. Der Blick auf die langfristige Entwicklung verdeutlicht den massiven Druck, unter dem der Wert steht: Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 49 % an Wert verloren.

Die Skepsis der Marktteilnehmer zeigt sich auch im Vergleich zu längerfristigen Trendlinien. Der aktuelle Kurs notiert etwa 37 % unter dem gleitenden Durchschnitt der vergangenen 200 Tage, der bei 13,66 € liegt.

Während der Konzern durch den Verkauf von Beteiligungen wie der Ladeinfrastruktur-Sparte Liquidität generiert, belastet die negative Nachrichtenlage rund um den lizenzierten Markennamen im Einzelhandel weiterhin die Wahrnehmung am Kapitalmarkt.

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