BayWa Aktie: Gläubiger-Poker entscheidend?

BayWa verzeichnet Kursverluste, während die Zustimmung zur Hybridanleihe und die Umsetzung des Sanierungsplans noch ausstehen.

Die Kernpunkte:
  • Aktie verliert am Donnerstag 2,4 Prozent
  • Sanierungs-Term-Sheet vor rund zwei Wochen vereinbart
  • BayWa r.e. verkauft Solarprojekt mit 22 Megawatt-Peak
  • Gläubigerabstimmung zur Hybridanleihe steht noch aus

Am gestrigen Donnerstag verzeichnete das Papier der BayWa einen Rückgang von 2,4 Prozent auf einen Schlusskurs von 2,47 Euro. Ein einzelner unternehmensspezifischer Auslöser für diesen jüngsten Tagesverlust lag nicht vor. Für Marktteilnehmer rückt damit die Gesamtlage in den Fokus, nachdem sich der Konzern vor rund zwei Wochen auf ein Sanierungs-Term-Sheet geeinigt hatte.

Diese Vereinbarung bildet das Fundament für die Neuordnung, seither gab der Kurs jedoch um 5,9 Prozent nach. Zugleich setzt das Unternehmen im operativen Tagesgeschäft punktuelle Maßnahmen um. So veräußerte BayWa r.e. am 1. Oktober das bayerische Solarprojekt „Gresselgrund“ mit einer Leistung von 22 Megawatt-Peak an iAccess Energy.

Wenige Tage zuvor, am 28. September, modernisierten die BayWa AG und die AGRAVIS Raiffeisen AG ihre gemeinsam entwickelte Online-Auktionsplattform für Landtechnik, ab-auction.com. Investoren stehen vor der Frage, wie tragfähig der eingeleitete Kurs im laufenden Sanierungsprozess tatsächlich ist.

Tragfähigkeit der Kapitalstruktur bestimmt den Handlungsspielraum

Die zentrale Unbekannte für die weitere Bewertung bleibt das Gelingen der Restrukturierung auf der Passivseite. Nachdem das Sanierungs-Term-Sheet vor rund zwei Wochen vereinbart wurde, richtet sich der Blick auf die Umsetzung der darin vorgesehenen Schritte.

Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Gläubigerabstimmung zur Hybridanleihe. Die finanzielle Stabilität hängt maßgeblich davon ab, ob die Gläubiger den Sanierungsbeiträgen zustimmen und welche konkreten Zugeständnisse damit verbunden sind.

Für Anleger ist bei der Beurteilung der Lage zudem eine saubere gesellschaftsrechtliche Unterscheidung unerlässlich: Die BayWa Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG ist keine Tochtergesellschaft der börsennotierten BayWa AG.

Das Baumarktgeschäft wurde bereits in den Jahren 2011 und 2012 an den Eigentümer der Hellweg-Gruppe, die Semer Beteiligungsgesellschaft, verkauft. Der Betriebsübergang erfolgte im Januar 2012, und die Baumarktkette nutzt den Namen seither lediglich auf Lizenzbasis.

Die Hellweg-Gruppe ist ein eigenständiges Familienunternehmen der Familie Semer. Vorgänge, Filialschließungen oder Insolvenzen in diesem Bereich stellen somit keine Maßnahmen des börsennotierten BayWa-Konzerns dar. Entscheidend für die BayWa AG bleibt allein die Sanierung der eigenen Kernbereiche.

Fortschritte bei Verkäufen stärken die finanzielle Basis

In einem positiven Szenario gelingt es dem Konzern, operative Vermögenswerte geordnet zu verwerten und damit Liquidität zu generieren. Die Veräußerung des Solarprojekts „Gresselgrund“ an iAccess Energy zeigt, dass Transaktionen im Bereich der erneuerbaren Energien weiterhin vollzogen werden. Kann die Tochter BayWa r.e. weitere Projektverkäufe in dieser Form abschließen, fließen dem Konzern zusätzliche Mittel zu.

Parallel dazu zeigt die Modernisierung der Plattform ab-auction.com zusammen mit der AGRAVIS Raiffeisen AG, dass die Kernaktivitäten im Agrar- und Landtechnikbereich fortgeführt und digital weiterentwickelt werden.

Gelingt es der Unternehmensführung, das Vertrauen der Geschäftspartner zu festigen und die Gläubigerabstimmung zur Hybridanleihe erfolgreich abzuschließen, würde dies die finanzielle Basis stabilisieren. Auf diesem Fundament könnte die Restrukturierung schrittweise greifen und dem Titel eine Erholung von den gedrückten Bewertungsniveaus ermöglichen.

Belastungen aus Restrukturierung und Zögern der Gläubiger

Dem steht ein kritisches Szenario gegenüber, das vor allem durch Umsetzungsrisiken geprägt ist. Sollte die Gläubigerabstimmung zur Hybridanleihe auf Widerstand stoßen oder sich der Abstimmungsprozess verzögern, geriete der gesamte Sanierungsplan unter Druck. Eine Einigung auf ein Term-Sheet stellt lediglich eine Absichtserklärung dar; erst die rechtlich bindende Umsetzung beseitigt die bestehenden Unsicherheiten.

Zudem reichen punktuelle Verkäufe kleinerer Solarprojekte mit 22 Megawatt-Peak allein nicht aus, um die Verbindlichkeiten des Konzerns signifikant abzutragen. Stocken größere Desinvestitionen oder verschlechtert sich das Marktumfeld im Agrarsektor, droht die Sanierung an Dynamik zu verlieren.

Der Kurs notiert mit einem Abstand von 18 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 2,10 Euro. Sollten Zweifel am Sanierungsfortschritt zunehmen, könnte dieser Puffer schnell schmelzen.

Warten auf den Konzernfinanzbericht im Dezember

Die kommenden Wochen dürften daher von anhaltender Zurückhaltung geprägt sein. Solange die Umsetzung des Sanierungs-Term-Sheets und die Gläubigerabstimmung zur Hybridanleihe geordnet verlaufen, bleibt die Chance auf eine Stabilisierung gewahrt. Kippt jedoch die Zustimmung wichtiger Gläubigergruppen, droht der Sanierungsprozess ins Stocken zu geraten.

Als nächster wesentlicher Fixpunkt für den Kapitalmarkt steht der 22. Dezember 2026 im Finanzkalender. An diesem Tag ist die Vorlage des Konzernfinanzberichts für das Geschäftsjahr 2025 vorgesehen.

Erst mit diesen geprüften Zahlen erhalten Marktteilnehmer ein vollständiges Bild über die tatsächliche Vermögens- und Finanzlage der BayWa AG. Bis zu dieser Veröffentlichung bleiben verifizierte Fortschritte bei der Restrukturierung die maßgeblichen Wegmarken.

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