BayWa Aktie: Hellweg geht in Eigenverwaltung
Die BayWa-Baumärkte melden Insolvenz an. Der Mutterkonzern kämpft derweil mit einem eigenen Sanierungskurs und bangt um die Zukunft.

- Hellweg und BayWa-Märkte in Eigenverwaltung
- 4.300 Mitarbeiter von Insolvenz betroffen
- Mutterkonzern verkaufte Märkte bereits 2012
- Eigene Sanierung bis Herbst 2026 befristet
Der Münchner Agrarkonzern kämpft ohnehin ums Überleben. Jetzt meldet auch das direkte Umfeld Insolvenz an. Die Baumarktkette Hellweg und ihre Schwestergesellschaft BayWa Bau- und Gartenmärkte flüchten in die Eigenverwaltung. Für die ohnehin gebeutelte BayWa-Aktie bedeutet das neue Unruhe. Der Kurs rutschte seit Jahresbeginn bereits um gut 35 Prozent ab und schloss am Freitag bei 10,80 Euro.
100 Standorte auf dem Prüfstand
Die finanzielle Schieflage trifft mehr als 4.300 Beschäftigte. Allein die BayWa-Baumärkte zählen rund 1.300 Mitarbeiter in Deutschland und Österreich. Das zuständige Gericht hat den Anträgen auf Eigenverwaltung bereits zugestimmt. Zwei Sanierungsexperten der Kanzlei Görg übernehmen nun die Geschäftsführung.
Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst uneingeschränkt weiter. Die Bundesagentur für Arbeit sichert die Löhne für die ersten Monate über das Insolvenzgeld ab. Parallel dazu steht das gesamte Filialnetz auf dem Prüfstand. Hohe Mieten, steigende Einkaufspreise und die schwache Baukonjunktur belasten das operative Geschäft massiv.
Begrenzter Schaden für den Konzern
Für die börsennotierte BayWa AG ist der direkte finanzielle Schaden überschaubar. Der Agrarkonzern verkaufte die Baumärkte bereits 2012 an die Hellweg-Gruppe. Die Käufer durften den bekannten Namen lediglich weiter nutzen. Allerdings behielt die BayWa AG einen Anteil von 15 Prozent an den Märkten.
Diese Beteiligung sowie offene Forderungen hat das Management bereits im Jahr 2024 vollständig abgeschrieben. Die Mieteinnahmen fließen vorerst weiter. Die BayWa AG besitzt einen Teil der Immobilien und Hellweg will die Märkte offen halten.
Eigene Sanierung als Dauerbaustelle
Unabhängig von den Baumärkten ringt die BayWa AG selbst um ihre Zukunft. Der Vorstand musste das eigene Sanierungskonzept frühzeitig anpassen. Die Probleme der Tochtergesellschaft BayWa r.e. AG zwangen das Management zu diesem Schritt. Die finanzierenden Banken gewähren dem Konzern nun eine Atempause.
Eine neue Stillhaltevereinbarung sichert die Finanzierung bis Herbst 2026. Parallel schließt das Unternehmen weitere eigene Standorte in Bayern, darunter Regen und Hersbruck. Die Folge: Der Konzern streicht 1.300 Stellen.
Das überarbeitete Konzept fordert außerdem harte Einschnitte von den Gläubigern. Sie sollen auf rund eine Milliarde Euro verzichten. Am Aktienmarkt spiegelt sich diese tiefe Krise wider. Der Kurs notiert aktuell rund 17 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt.
Bis zum Ablauf der Frist im Herbst 2026 muss das Management drei harte Bedingungen erfüllen. Der testierte Jahresabschluss für 2025 muss vorliegen. Die Banken müssen ihr Stillhalteabkommen verlängern. Außerdem verlangen die Geldgeber den abgeschlossenen Verkauf der neuseeländischen Tochter T&G Global. Scheitert einer dieser Punkte, droht dem Agrarkonzern das endgültige Aus.
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