BayWa Aktie: Mangold übernimmt Technik-Sparte

Benedikt Mangold übernimmt die Technik-Führung bei BayWa. Die Aktie bleibt unter Druck, während der Konzern seine Sanierung und Neuordnung fortsetzt.

Die Kernpunkte:
  • Benedikt Mangold führt künftig Technik
  • BayWa veräußerte Ladegeschäft an EVN
  • Aktie verlor gestern 3,1 Prozent
  • Lizenzierte Baumarktkette gehört nicht BayWa

Ein Wechsel an der Spitze des Segments Technik – mitten in der tiefsten Krise der Unternehmensgeschichte. Die BayWa AG hat Benedikt Mangold mit Wirkung zum 1. September an die Führung dieses Bereichs berufen. Für mich ist genau dieser Schritt aufschlussreicher als jede weitere Randnotiz zur Sanierung, weil er zeigt, wie das Management unter Druck operative Kontinuität zu sichern versucht.

Warum die Personalie zählt

Segmentleitungen wechseln in Konzernen ständig, meist ohne Nachhall am Kapitalmarkt. Bei BayWa liegt der Fall anders. Das Unternehmen befindet sich in einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung, hat vor gut einem Monat eine Einigung zum Sanierungskonzept erzielt und den Verkauf der BayWa r.e. eingetütet – seither hat die Aktie in beiden Fällen zweistellig nachgegeben.

Vor diesem Hintergrund ist jede Entscheidung zur operativen Führung ein Signal: Wird hier stabilisiert oder wird weiter umgebaut? Dass die bisherige Leitung intern neu besetzt wurde, statt extern zu rekrutieren, lese ich als Versuch, Know-how im Haus zu halten, während andere Konzernteile bereits verkauft oder abgewickelt werden.

Erst vor gut einer Woche hatte BayWa Mobility Solutions sein Ladeinfrastruktur-Geschäft, BayWa Mobility Charging, komplett an die EVN AG veräußert – ein Portfolio mit 30 Standorten und 170 Schnellladepunkten, das bis 2027 auf über 300 Ladepunkte hätte wachsen sollen.

Auch dieser Deal ist mittlerweile verarbeitet, der Kurs hat die Reaktion längst hinter sich. Die Personalie um Mangold reiht sich damit in ein Muster ein: BayWa stutzt sich auf ein Kerngeschäft zurecht und braucht dafür Führungspersonal, das dieses Kerngeschäft – die Technik-Sparte – auch tatsächlich verantworten will.

Verwirrung durch einen völlig anderen Namensträger

Parallel sorgen derzeit Meldungen für Verwirrung, die mit der börsennotierten BayWa AG nichts zu tun haben. Die Kette „BayWa Bau & Garten“ gehört seit einem Verkauf 2011/12 nicht mehr zum Konzern, sondern zur Hellweg-Gruppe der Familie Semer, die den Namen seither lediglich auf Lizenzbasis führt.

Wenn derzeit berichtet wird, BAUHAUS übernehme im Bieterverfahren bis zu sieben Standorte von HELLWEG und BayWa Bau & Garten zum 1. Dezember, oder OBI erhalte den Zuschlag für einen Standort in Wolfratshausen, oder in Bayern liefen Räumungsverkäufe im Zuge eines Sanierungsverfahrens – dann betrifft das ausschließlich diese lizenzierte Baumarktkette, nicht die BayWa AG.

Wer diese Schlagzeilen der Aktie zurechnet, verwechselt zwei völlig getrennte Unternehmen. Für die fundamentale Bewertung der BayWa AG sind sie irrelevant.

Was der Kurs über die Stimmung sagt

Am Aktienmarkt bleibt die Skepsis groß. Der Titel schloss gestern bei 8,72 Euro, nach einem Minus von 3,1 Prozent an diesem Handelstag – ein weiterer Beleg dafür, wie nervös Anleger auf jede Konzernnachricht reagieren, selbst wenn sie wie die Personalie um Mangold eigentlich Stabilität signalisieren soll.

Seit Jahresbeginn steht ein Verlust von 48 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es 53 Prozent. Der RSI von 43,6 deutet auf keine ausgeprägte Überverkauft-Situation hin, die Volatilität von 83 Prozent auf annualisierter Basis zeigt aber, wie stark der Titel weiterhin schwankt.

Unterm Strich sehe ich die Personalentscheidung als Versuch, im verbliebenen Kerngeschäft Kontinuität zu schaffen, während sich der Konzern von Randgeschäften trennt. Ob das reicht, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, hängt weniger von einzelnen Personalien ab als vom Fortgang der Sanierung insgesamt.

Die Chancen auf eine schnelle Kurserholung überwiegen aus meiner Sicht derzeit nicht – dafür ist die operative Neuordnung noch zu frisch und die Vertrauenskrise zu tief.

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