BayWa Aktie: Q1-Umsatz um 34 Prozent eingebrochen
BayWa kämpft mit Klagen, Ermittlungen und einem massiven Umsatzeinbruch. Das Sanierungskonzept soll bis Mitte 2026 stehen.

- Schadensersatzklagen durch Aktionäre geplant
- Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Chef
- Umsatz im ersten Quartal um 34 Prozent gesunken
- Sanierungsziel: vier Milliarden Euro Schuldenabbau
Ein Kursanstieg vom Vortag, der sich heute wieder auflöst — das ist das Bild bei BayWa. Die Aktie notiert aktuell bei 10,55 Euro, rund 37 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau. Wer das Gesamtbild kennt, wundert sich nicht.
Klagen, Ermittlungen, Prüfer-Affäre
Die Tübinger Kanzlei TILP bereitet Schadensersatzklagen für Aktionäre vor, die zwischen Januar 2022 und Januar 2026 BayWa-Papiere gekauft haben. Grundlage ist ein BaFin-Bescheid: BayWa hatte im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit und den Refinanzierungsrisiken einer 500-Millionen-Euro-Anleihe verschwiegen.
Parallel ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen Untreue gegen den früheren Vorstandschef Klaus Josef Lutz. Im Januar 2026 durchsuchten Ermittler seine Privaträume. Lutz kooperiere vollumfänglich mit den Behörden, ließ ein Sprecher mitteilen. Die Unschuldsvermutung gilt.
Hinzu kommt ein Verfahren der Abschlussprüferaufsichtsstelle Apas gegen PricewaterhouseCoopers. BayWa schreibt das Prüfermandat neu aus. Der Aufsichtsrat will den Aktionären vorschlagen, den Jahresabschluss 2026 von KPMG prüfen zu lassen.
Jahresabschluss verschoben, Banken unter Druck
Den Jahresabschluss 2025 kann BayWa nicht fristgerecht vorlegen. Das Sanierungskonzept muss erst überarbeitet werden, bevor ein Wirtschaftsprüfer seinen Bestätigungsvermerk erteilen kann.
Die genossenschaftlichen Primärbanken des Freistaats haben im Jahresabschluss 2024 bereits 60 Prozent ihres Schuldscheindarlehens abgeschrieben — eine Belastung von 132 Millionen Euro. Der Genossenschaftsverband Bayern empfiehlt inzwischen weitere Wertberichtigungen. Im Extremfall droht eine vollständige Abschreibung des Darlehens in dreistelliger Millionenhöhe.
Umsatz bricht ein, Herbst wird zum Schicksalstermin
Im ersten Quartal 2026 erzielte BayWa einen Umsatz von 2,3 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal waren es noch 3,6 Milliarden Euro — ein Rückgang von rund 34 Prozent. Einen Teil erklärt der Verkauf der Cefetra Group. Den Rest erklären schlechtes Wetter, schwache Baukonjunktur und Kundenzurückhaltung wegen der Krise.
Das Entschuldungsziel liegt bei vier Milliarden Euro bis 2028. Erreicht ist bislang etwa ein Drittel. Das neue Sanierungskonzept soll bis Mitte 2026 vorliegen. Es sieht Gläubigerverzichte von rund einer Milliarde Euro vor, den Abbau von rund 1.300 Stellen und einen Umsatzrückbau auf zehn Milliarden Euro bis 2028.
Die Standstill-Vereinbarung mit den Banken läuft bis Herbst 2026. Ein Sprecher der österreichischen RAI formulierte es klar: Es seien „sehr rasch belastbare Ergebnisse“ erforderlich. Bis dahin bleibt die Finanzierungslücke von 2,7 Milliarden Euro das bestimmende Thema — und der Kurs, der seit zwölf Monaten fast halbiert wurde, spiegelt diese Unsicherheit direkt wider.
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