BayWa Aktie: Staatsanwaltschaft München I ermittelt

Gleich mehrere juristische und finanzielle Hürden belasten den Agrarhändler BayWa. Aktionäre klagen, die Staatsanwaltschaft ermittelt, und die Sanierung stockt.

Die Kernpunkte:
  • Schadensersatzklagen von Anlegern eingereicht
  • Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Ex-Vorstände
  • Sanierungsplan durch Banken blockiert
  • Operatives Ergebnis übertrifft Vorgaben

Schadensersatzklagen, Staatsanwaltschaft und ein blockierter Sanierungsplan gleichzeitig — BayWa kämpft an mehr Fronten als je zuvor. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 31 Prozent verloren und notiert bei 11,55 Euro, mehr als die Hälfte unter dem Dezember-Hoch.

Klagen, Ermittlungen, Prüferstreit

Den Ausgangspunkt bildet eine BaFin-Rüge: BayWa verschwieg im Lagebericht 2023 wesentliche Details zu einem Milliardenkredit und zu Refinanzierungsrisiken einer Anleihe über 500 Millionen Euro. BayWa hat Widerspruch eingelegt — das ändert nichts daran, dass Aktionäre jetzt handeln.

Die Tübinger Kanzlei TILP formiert geschädigte Anleger für Schadensersatzklagen. Betroffen sind Käufer von BayWa-Papieren zwischen Anfang 2022 und Anfang 2026. Beklagte sind BayWa selbst, frühere Vorstandsmitglieder und Wirtschaftsprüfer PwC.

Strafrechtlich ermittelt die Staatsanwaltschaft München I gegen die Ex-Vorstandschefs Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger. Der Vorwurf: Untreue und falsche Darstellung im Jahresabschluss 2023. Im Januar gab es Hausdurchsuchungen. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.

PwC gerät von zwei Seiten unter Druck. Die Prüferaufsichtsstelle Apas untersucht, ob das uneingeschränkte Testat für 2023 berechtigt war. BayWa prüft eigene Schadensersatzansprüche gegen PwC und schrieb das Prüfungsmandat ab 2026 neu aus.

Banken blockieren, Sanierung stockt

Parallel dazu herrscht Stillstand im Sanierungsausschuss. Gläubigerbanken wie DZ Bank und UniCredit fordern eine substanzielle Kapitalspritze von den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken. Die genossenschaftlichen Ankeraktionäre lehnen das ab.

Das Zeitfenster ist eng. Bis Herbst 2026 müssen die Bankverhandlungen abgeschlossen und die Jahresabschlüsse testiert sein. Scheitert das Treuhand-Modell, verliert das gesamte Sanierungskonzept seine Grundlage.

Das Sanierungsziel ist weit entfernt. Bis 2028 sollen Bankverbindlichkeiten von 5,4 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden gedrückt werden — durch den Verkauf aller Beteiligungen außerhalb des Kerngeschäfts. Von den dafür nötigen vier Milliarden Euro sind erst 1,3 Milliarden gesichert.

Operativ gemischt, Filialnetz schrumpft

Im ersten Quartal 2026 lieferte BayWa zumindest ein operatives Signal. Das bereinigte EBITDA übertraf die Vorgaben des Sanierungsplans. Der Umsatz fiel auf 2,3 Milliarden Euro nach 3,6 Milliarden im Vorjahreszeitraum — teils gewollt, weil BayWa Beteiligungen verkauft und bewusst schrumpft.

Der Umbau hinterlässt Spuren im Filialnetz. In Bayern schließen Standorte im Agrar- und Baustoffgeschäft, darunter Hersbruck zum 30. September 2026. Der Baustoffstandort Regen soll ebenfalls schließen, ein Termin steht noch nicht fest.

Potenzielle Schadensersatzzahlungen würden den ohnehin engen finanziellen Spielraum weiter einschränken. Belastbar bewerten lässt sich die Lage erst, wenn der auf das vierte Quartal 2026 verschobene Konzernabschluss 2025 vorliegt.

Anzeige

BayWa-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BayWa-Analyse vom 15. Juni liefert die Antwort:

Die neusten BayWa-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BayWa-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. Juni erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

BayWa: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu BayWa