BayWa: Aktie verliert 2,2 Prozent nach Sanierungsbeschluss

267 von 268 Finanzierungspartnern und beide Großaktionäre billigten das Term Sheet; die endgültige Umsetzung benötigt noch Genehmigungen.

Die Kernpunkte:
  • BayWa-Aktie verliert 2,2 Prozent
  • 267 Finanzierungspartner billigen Term Sheet
  • Sanierungszeitraum soll bis 2030 reichen
  • Gläubiger sollen rund 1,5 Milliarden Euro erlassen

Die Aktie von BayWa steht am heutigen Freitag unter Abgabedruck. Das Papier verliert 2,2 Prozent auf 8,12 Euro, nachdem der Schlusskurs gestern noch bei 8,30 Euro gelegen hatte.

Hintergrund der anhaltenden Nervosität unter den Anlegern ist die finanzielle Restrukturierung des Konzerns. Die Tragfähigkeit des Sanierungskonzepts entscheidet über die mittelfristige Zukunft des traditionsreichen Handelsunternehmens.

Hohe Zustimmung für das Term Sheet

Bei den Verhandlungen über eine angepasste Sanierungsvereinbarung gelang dem Unternehmen ein wichtiger Zwischenschritt. Das ausgehandelte Term Sheet fand die Zustimmung von 267 der 268 beteiligten Finanzierungspartner sowie der beiden Großaktionäre.

Die zustimmenden Gläubiger repräsentieren rund 99,98 Prozent der von der Vereinbarung erfassten Finanzverbindlichkeiten. Der Entwurf sieht vor, den Sanierungszeitraum bis zum Jahresende 2030 zu verlängern.

Damit verschafft sich der Konzern die notwendige Zeit für eine geordnete Neuausrichtung. Die finale Umsetzung der getroffenen Vereinbarungen ist allerdings noch an erforderliche Genehmigungen gebunden.

Harte Einschnitte für Gläubiger

Die Sanierung verlangt den Kapitalgebern erhebliche Zugeständnisse ab. Laut Reuters sollen die Gläubiger im Rahmen des Rettungskonzepts auf rund 1,5 Milliarden Euro verzichten. Besonders drastisch fällt der Schnitt bei der Hybridanleihe über 100 Millionen Euro aus, deren Halter lediglich zwei Prozent des Kapitals zurückerhalten und auf Zinsansprüche verzichten sollen.

Diese Einschnitte belasten insbesondere das Hybridpapier schwer. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern erklärt dieser erwartete Forderungsverzicht zugleich einen wesentlichen Teil des Verkaufsdrucks auf die Aktie.

Klare Trennung zum Baumarktgeschäft

Für zusätzliche Verunsicherung im Marktumfeld sorgten Berichte über Baumärkte, die unter dem Traditionsnamen firmieren. Die BayWa Bau- & Gartenmärkte GmbH & Co. KG ist jedoch keine Tochtergesellschaft der börsennotierten BayWa AG.

Der Konzern veräußerte sein gesamtes Baumarktgeschäft an den Eigentümer der Hellweg-Gruppe, die Semer Beteiligungsgesellschaft. Der Betriebsübergang erfolgte im Januar 2012. Seither nutzt die Kette den Namen lediglich auf Lizenzbasis. Die Hellweg-Gruppe agiert als eigenständiges Familienunternehmen im Besitz der Familie Semer.

Verfahren, Filialverkäufe oder Schließungen dieser Baumarktkette stellen somit keine Konzernmaßnahmen der BayWa AG dar. Das operative Geschehen dieser Märkte ist vollständig vom börsennotierten Agrar- und Energiekonzern getrennt.

Gleichwohl sorgen die Entwicklungen im Einzelhandel für Aufmerksamkeit. Medienberichten zufolge laufen in Bayern Räumungsverkäufe in 30 Filialen von BayWa Bau & Garten. Mehrere Hagebau-Gesellschafter planen zudem zum Stichtag am 1. Dezember 2026 die Übernahme von fünf Standorten der Ketten BayWa Bau & Garten sowie Hellweg. Betroffen von diesen Plänen sind die Standorte Bad Tölz, Pfarrkirchen, Viechtach und Weil der Stadt.

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