BayWa vor 2030: Trägt das Sanierungskonzept bis zum Verkauf von BayWa r.e.?

BayWa-Aktie bleibt vom Verkaufserlös der Erneuerbaren-Tochter abhängig. Ein Preisrutsch könnte das Sanierungskonzept bis 2030 gefährden.

Die Kernpunkte:
  • Aktie 62 Prozent unter Jahreshoch
  • Schuldenstreckung bis 2030 geplant
  • BayWa-r.e.-Verkauf bringt zentrale Erlöse
  • Australische Behörde prüft Solarverkauf

Ausgangslage

Die BayWa-Aktie notiert bei 9,02 Euro und damit rund 62 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 23,90 Euro aus dem Dezember. Der Kurs hat sich zuletzt stabilisiert, doch die fundamentale Lage bleibt fragil. Anfang Juli verständigten sich BayWa AG und die übrigen Beteiligten grundsätzlich auf ein neues Sanierungskonzept, das die Laufzeit bestehender Verbindlichkeiten bis 2030 verlängern und den Konzern von Zinszahlungen entlasten soll.

Parallel dazu soll BayWa seine 51-Prozent-Beteiligung an BayWa r.e. an einen bislang nicht benannten „Transformations-Gesellschafter“ übertragen. Diese beiden Stränge – Schuldenstreckung und Verkauf der Erneuerbaren-Sparte – bilden das Rückgrat der gesamten Sanierungslogik.

Warum das jetzt zählt: Ohne den geplanten Erlös aus dem BayWa-r.e.-Verkauf, der nach früheren Erwartungen rund 900 Millionen Euro einbringen könnte, fehlt dem Konzern ein zentraler Baustein zur Entschuldung.

Gleichzeitig zeigen operative Baustellen wie die Sanierung der insolventen Baumarktkette Hellweg und der BayWa Bau- & Gartenmärkte, dass der Konzernumbau auch jenseits der Erneuerbaren-Sparte Substanz kostet – dort drohen Hunderten Beschäftigten in Dortmund und Garching Stellenverluste.

Die entscheidende Frage

Für Anleger läuft alles auf eine Frage zu: Findet sich der „Transformations-Gesellschafter“ für BayWa r.e. zu Konditionen, die den kalkulierten Erlös von rund 900 Millionen Euro auch nur annähernd erreichen?

Ein Schweizer Investor hat mit seinem Engagement in BayWa r.e. binnen eines Jahres laut Bericht 87 Prozent verloren – ein Indiz dafür, wie stark sich die Bewertung der Sparte bereits verschlechtert hat.

Sollte der finale Verkaufspreis deutlich unter den früheren Erwartungen liegen, würde das gesamte Sanierungskonzept ins Wanken geraten, weil die Entschuldung des Konzerns dann auf einer schwächeren Basis stünde.

Bullisches Szenario

Gelingt es, einen zahlungskräftigen neuen Gesellschafter für BayWa r.e. zu finden, der sich dem in Aussicht gestellten Bewertungsrahmen annähert, würde der Konzern über frisches Kapital verfügen, um die bis 2030 gestreckten Verbindlichkeiten tatsächlich zu bedienen. Das jüngst angekündigte Re-Branding von BayWa r.e. könnte in diesem Fall als Signal einer beginnenden Neuaufstellung unter neuer Führung gelesen werden, auch wenn der Bericht dazu keine operativen Details nennt.

Zudem würde ein Verzicht von BayWa AG und dem weiteren Beteiligten EIP auf ausstehende Forderungen gegen BayWa r.e. die Bilanz der Erneuerbaren-Tochter entlasten und sie für einen Käufer attraktiver machen. Ein Abschluss zu tragfähigen Konditionen würde den Kapitalmarkt beruhigen und dem Aktienkurs, der sich zuletzt über sieben Tage um 6,1 Prozent erholt hat, weiteren Rückenwind geben.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Kombination aus sinkender Bewertung und operativem Druck an mehreren Fronten gleichzeitig. Der drastische Wertverlust, den der Schweizer Investor bei BayWa r.e. erlitten hat, deutet darauf hin, dass potenzielle Käufer den Anteil heute deutlich günstiger einpreisen als noch vor einem Jahr kalkuliert.

Fällt der tatsächliche Verkaufserlös spürbar unter die früher genannten 900 Millionen Euro, bliebe eine Finanzierungslücke, die das bis 2030 angelegte Sanierungskonzept belasten würde. Hinzu kommt Belastung im Kerngeschäft: Der Stellenabbau bei Hellweg und den BayWa Bau- & Gartenmärkten zeigt, dass auch außerhalb der Energie-Sparte Restrukturierungskosten anfallen, während der Investorenprozess für einzelne Standorte noch offen ist.

International prüft zudem die australische Wettbewerbsbehörde den Verkauf von Geschäftsteilen von BayWa Solar Systems an Metal Manufactures – ein weiteres Signal, dass der Konzern sich in mehreren Regionen gleichzeitig von Randaktivitäten trennt, was operativ Kapazität bindet und den Ausgang der Kernfrage zusätzlich verzögern könnte.

Ausblick

Solange die Verhandlungen um den „Transformations-Gesellschafter“ für BayWa r.e. laufen, ohne dass ein Käufer und ein Preis feststehen, bleibt die Aktie ein Wette auf den Ausgang eines einzelnen, noch offenen Deals.

Hält sich der letztlich erzielte Erlös in der Nähe der früher genannten Größenordnung, dürfte das bis 2030 angelegte Sanierungskonzept tragfähig bleiben und der Kurs Spielraum nach oben behalten – die Erholung um 6,1 Prozent auf Wochensicht wäre dann ein erster Vorbote.

Kippt der Preis dagegen deutlich niedriger aus, wie es der Wertverlust bei früheren Investoren in BayWa r.e. nahelegt, drohen erneut Zweifel an der Finanzierbarkeit der gesamten Restrukturierung.

Der nächste konkrete Prüfpunkt liegt in Australien: Die dortige Wettbewerbsbehörde hat bis zum 24. August um Rückmeldungen zum Verkauf von BayWa-Solar-Systems-Geschäftsteilen an Metal Manufactures gebeten – ein kleiner, aber terminierter Zwischenschritt, an dem sich ablesen lässt, wie zügig BayWa ihre internationalen Randaktivitäten abwickeln kann, während die Grundsatzfrage um BayWa r.e. weiter offen bleibt.

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