Bertrandt Aktie: 28,9 Millionen Euro Neunmonats-Verlust

Bertrandt rutscht wegen schwacher Autoaufträge in die Verlustzone und setzt nun verstärkt auf Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung.

Die Kernpunkte:
  • Verlust von 28,9 Millionen Euro
  • Sparprogramm und Stellenabbau gestartet
  • Neue Geschäftsführer bei Bertrandt Medical
  • Montega bestätigt Kaufempfehlung für Aktie

Der Dienstleister Bertrandt spürt die Krise der großen deutschen Automobilkonzerne mit voller Härte. Gestern wurde durch Berichte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bekannt, dass wegbrechende Aufträge von Herstellern wie Volkswagen, Mercedes-Benz und Porsche das Unternehmen massiv belasten.

Finanzvorstand Markus Ruf bestätigte anlässlich der jüngsten Neunmonatszahlen ein Marktumfeld, das weiterhin anspruchsvoll und von hoher Volatilität geprägt bleibe.

Die wirtschaftliche Eintrübung spiegelt sich deutlich in den Bilanzen wider: Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/26 verzeichnete das Unternehmen zum Stichtag Ende Juni einen Verlust vor Steuern in Höhe von 28,9 Millionen Euro.

Strategiewechsel und personelle Neuaufstellung

Um die Abhängigkeit von der schwächelnden Automobilindustrie zu verringern, forciert Bertrandt die Erschließung neuer Geschäftsfelder. Im Fokus stehen dabei insbesondere die Bereiche Verteidigung und Luftfahrt. Laut einer Quartalsmitteilung profitiert das Unternehmen bereits von einer dynamischen Entwicklung in den Segmenten Aerospace und Defence.

Parallel zur strategischen Neuausrichtung reagiert das Management mit dem Sparprogramm „Fit-for-Future“, das auch Stellenstreichungen umfasst, um auf die gesunkene Gesamtleistung zu reagieren. Diese ging im dritten Quartal um 4,7 Prozent auf 214,9 Millionen Euro zurück.

Auch auf personeller Ebene gibt es Veränderungen in der Unternehmensgruppe. In der Tochtergesellschaft Bertrandt Medical GmbH wurde ein Wechsel in der Führungsebene vollzogen. Während Thomas Helmut Holder als Geschäftsführer ausschied, wurden Dr. Shahnam Afshar und Florian Heinrich Fuest zu neuen Geschäftsführern bestellt.

Dieser Umbau unterstreicht die Bemühungen, die Strukturen des Konzerns an die veränderten Marktbedingungen anzupassen und die Effizienz innerhalb der verschiedenen Dienstleistungsbereiche zu steigern.

Analysten sehen Potenzial bei niedriger Bewertung

Trotz der operativen Schwierigkeiten gibt es von Seiten der Experten auch optimistische Signale. Die Analysten von Montega bekräftigten am 5. August ihre Einstufung „Kaufen“, setzten das Kursziel jedoch auf 18,00 Euro fest.

Die Experten Bastian Brach und Mustafa Hidir wiesen darauf hin, dass trotz der schwachen Umsätze im dritten Quartal bereits eine ergebnisseitige Verbesserung auf niedrigem Niveau erkennbar sei. Das Erreichen dieser Ziele hänge jedoch maßgeblich davon ab, wie schnell die eingeleiteten Kostensenkungen und die Diversifizierung in neue Industriezweige Früchte tragen.

An der Börse spiegelt sich die angespannte Lage derzeit in einer historisch niedrigen Bewertung wider. Die Aktie von Bertrandt notiert aktuell bei 8,68 Euro und hat damit seit Jahresbeginn 53 Prozent an Wert verloren. Auch charttechnisch bleibt das Bild getrübt: Am Montag kreuzte das Papier die 38-Tage-Linie nach unten und bestätigte damit den bereits seit Februar bestehenden Abwärtstrend.

Der enorme Rückschlag der vergangenen Monate wird besonders beim Blick auf das 52-Wochen-Hoch deutlich, das bei 21,95 Euro liegt und von dem der Titel aktuell 60 Prozent entfernt ist. Anleger warten nun auf konkrete Anzeichen für eine Stabilisierung der Auftragslage im Kerngeschäft.

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