Bertrandt Aktie: Einsparziel über 120 Millionen Euro

Bertrandt weitet sein Effizienzprogramm deutlich aus und peilt nun Einsparungen von über 120 Millionen Euro an. Das Luftfahrt- und Verteidigungsgeschäft stabilisiert die Bilanz.

Die Kernpunkte:
  • Sparprogramm massiv ausgeweitet
  • Operativer Verlust reduziert
  • Luftfahrtsegment stützt Geschäft
  • Aktie verliert über 50 Prozent

Der Ingenieurdienstleister Bertrandt reagiert mit einer deutlichen Verschärfung seiner Sparmaßnahmen auf die anhaltende Schwäche in der Automobilindustrie. Wie das Unternehmen am 3. August im Rahmen seines Berichts zum dritten Quartal 2025/2026 bekannt gab, wird das interne Optimierungsprogramm „Fit for Future“ massiv ausgeweitet. Statt der ursprünglich anvisierten 70 bis 90 Millionen Euro sollen die jährlichen Einsparungen nun ein Volumen von mehr als 120 Millionen Euro erreichen.

Operative Verluste verringert trotz schwächelnder Autonachfrage

Die Geschäftszahlen für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres spiegeln das herausfordernde Marktumfeld wider. Die Gesamtleistung sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 741,983 Millionen Euro auf 671,638 Millionen Euro. Trotz dieses Rückgangs gelang es dem Unternehmen, das operative Ergebnis (EBIT) zu verbessern. Der Fehlbetrag auf Neunmonatssicht verringerte sich von minus 38,937 Millionen Euro im Vorjahr auf nun minus 28,911 Millionen Euro.

Betrachtet man isoliert das dritte Quartal, verzeichnete Bertrandt eine Gesamtleistung von 214,935 Millionen Euro nach 225,580 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Auch hier zeigte sich eine Tendenz zur Stabilisierung beim Ergebnis: Das EBIT für das dritte Quartal belief sich auf minus 15,788 Millionen Euro, während im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch ein Verlust von 24,558 Millionen Euro verbucht werden musste. Als eine der zentralen Gegenmaßnahmen nannte der Konzern neben dem Personalabbau die konsequente Kostenkontrolle.

Luftfahrt und Verteidigung stützen das Geschäft

Während die Nachfrage aus der Automobilbranche durch niedrigere Kundenabrufe belastet wird, erweist sich ein anderes Segment als Stütze. Medienberichten zufolge verzeichnete der Bereich Aerospace & Defence einen deutlichen Zuwachs, was die Umsatzentwicklung insgesamt stabilisierte. Diese Diversifizierung gewinnt für den Dienstleister zunehmend an Bedeutung, um die zyklischen Schwankungen und die aktuelle Zurückhaltung der Fahrzeughersteller abzufedern.

Trotz der Verluste in den ersten drei Quartalen blickt das Management vorsichtig optimistisch auf den Abschluss des Geschäftsjahres. Für das vierte Quartal 2025/2026 wird eine positivere Entwicklung erwartet. Gestützt wird diese Zuversicht durch die Auftragslage: Der Auftragseingang lag im Berichtszeitraum signifikant über dem Niveau des Vorjahres und übertraf zudem die erbrachte Gesamtleistung substanziell. Dies deutet darauf hin, dass die Nachfrage nach Entwicklungsdienstleistungen grundsätzlich vorhanden ist, sofern sie sich außerhalb der kriselnden Kernbereiche bewegt.

Anlegerstimmung und Marktbewertung

An der Börse spiegeln die Kurse die operative Durststrecke der vergangenen Monate deutlich wider. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei einem Stand von 8,78 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier 52,74 Prozent an Wert verloren. Damit notiert der Titel derzeit massiv unter Druck und weist einen Abstand von 60,00 Prozent zum 52-Wochen-Hoch auf, das im Oktober des vergangenen Jahres markiert wurde.

Für Investoren steht nun die Umsetzung der angekündigten Effizienzsteigerungen im Fokus. Das Erreichen der deutlich angehobenen Einsparziele von über 120 Millionen Euro wird als zentraler Baustein angesehen, um die Profitabilität nachhaltig wiederherzustellen. Die nächsten detaillierten Finanzberichte plant das Unternehmen für den 17. Dezember zu veröffentlichen. Bis dahin wird entscheidend sein, ob die Wachstumsdynamik in den Bereichen Luftfahrt und Verteidigung die Schwäche im Automobilsektor weiterhin teilweise kompensieren kann.

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