Bertrandt Aktie: Ferchau erhöht Anteil auf 13,23 Prozent
Bertrandt-Aktie erholt sich leicht, während Investor Ferchau seinen Stimmrechtsanteil auf 13,23 Prozent erhöht.

- Aktie zeigt leichte Erholungstendenz
- Investor Ferchau stockt Beteiligung auf
- Stellenabbau von über 1400 Stellen
- Quartalszahlen am 6. August erwartet
Die Aktie des Ingenieurdienstleisters Bertrandt zeigt am heutigen Donnerstag Anzeichen einer Stabilisierung. Nachdem das Papier im Zuge eines lang anhaltenden Abwärtstrends unter erheblichen Druck geraten war, notiert der Kurs aktuell bei 8,72 Euro, was einem Zuwachs von 3,81 Prozent entspricht. Die leichte Erholung erfolgt in einem Marktumfeld, das weiterhin von strukturellen Sorgen in der Automobilbranche und einer gesenkten Jahresprognose geprägt ist.
Einstieg eines Großinvestors sorgt für Aufmerksamkeit
Mitten in der operativen Schwächephase hat der Investor Frank Ferchau sein Engagement bei dem im SDax gelisteten Unternehmen ausgebaut. Medienberichten zufolge erhöhte Ferchau über die Gesellschaften FFI First Finance Invest Objects GmbH und FERCHAU Invest GmbH seinen Stimmrechtsanteil an der Bertrandt AG auf insgesamt 13,23 Prozent. Zuvor lag die Beteiligung bei 12,86 Prozent. Als Stichtag für das Überschreiten der Meldeschwelle wurde bereits der 26. Juni angegeben, die Information wurde jedoch erst am vergangenen Samstag publik.
Dieser Schritt des Investors erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Marktkapitalisierung von Bertrandt mit 86,50 Millionen Euro auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau liegt. Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits 53,07 Prozent an Wert verloren. Marktbeobachter werten solche Zukäufe in Krisenzeiten oft als Vertrauensbeweis in die langfristige Substanz des Unternehmens, wenngleich das Papier weiterhin in der Nähe seines 52-Wochen-Tiefs von 8,02 Euro handelt.
Schwache Auslastung und massiver Stellenabbau
Die operativen Herausforderungen bleiben unterdessen immens. Bertrandt leidet unter einer anhaltend schwachen Auslastung, da viele Automobilhersteller (OEMs) ihre Projektabrufe verzögern. Diese Entwicklung führte bereits im April zu einer deutlichen Senkung der Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2025/2026. Die schwierige Transformation der Automobilindustrie spiegelt sich auch in den Finanzkennzahlen wider: Laut dpa-AFX vergrößerte sich der Nettoverlust im ersten Halbjahr 2025/2026 auf 19,18 Millionen Euro, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 14,4 Millionen Euro verzeichnet worden war. Die Gesamtleistung sank in diesem Zeitraum um 11,5 Prozent.
Um auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren, hat das Management das Effizienzprogramm „Fit for Future“ eingeleitet. Ein Kernpunkt dieses Programms ist eine deutliche Reduzierung der Kapazitäten. Bis zum Ende des ersten Halbjahres im März wurde der Personalbestand auf 11.744 Mitarbeiter verringert. Dies entspricht einem Abbau von über 1.400 Stellen innerhalb von nur zwölf Monaten. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die Kostenstruktur zu flexibilisieren und die operative Marge mittelfristig wieder zu stabilisieren.
Fokus auf den kommenden Donnerstag
Anleger blicken nun mit Spannung auf den 6. August. Am kommenden Donnerstag wird Bertrandt die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres veröffentlichen. Diese Daten werden zeigen, ob das Sparprogramm bereits erste Früchte trägt oder ob die verzögerten Projektabrufe das Ergebnis weiter belasten.
Zuletzt herrschte am Markt große Unsicherheit darüber, ob im laufenden Geschäftsjahr überhaupt noch ein positives operatives Ergebnis (EBIT) erzielt werden kann. Die Kursentwicklung der vergangenen Monate, die gestern in einem neuen Zehnjahrestief gipfelte, verdeutlicht die Skepsis der Investoren. Ob die Anteilsaufstockung durch Frank Ferchau eine dauerhafte Trendwende einleitet, dürfte maßgeblich von den konkreten Fortschritten bei der Auslastung und den kommenden Finanzberichten abhängen.
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