Best Buy und Agilent feiern Earnings-Rallye — Trade Desk nähert sich dem Abgrund

Best Buy, Agilent und Dollar Tree verzeichnen zweistellige Kursgewinne, während Synopsys und The Trade Desk stark nachgeben.

Die Kernpunkte:
  • Best Buy übertrifft Erwartungen deutlich
  • Agilent profitiert von GLP-1-Medikamentenwelle
  • Dollar Tree hebt Jahresprognose an
  • The Trade Desk mit neuem Verkaufsrating

Quartalszahlen treiben den S&P 500 auseinander wie selten zuvor. Während Best Buy, Agilent und Dollar Tree mit zweistelligen Kurssprüngen belohnt werden, rutschen Synopsys, Tyson Foods und The Trade Desk teils deutlich ab. Der breite Markt notiert zwar auf Rekordniveau — doch unter der Oberfläche zeigt sich ein erbarmungsloser Selektionsmechanismus.

Best Buy: Gaming und Computing befeuern den Kurssprung

Best Buy lieferte den überzeugendsten Quartalsbericht der Woche. Der Elektronikhändler übertraf die Erwartungen der Wall Street sowohl beim Gewinn als auch beim Umsatz und legte gestern um 17,8 % auf 65,38 € zu. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 1,28 USD über dem Konsens von 1,22 USD.

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Best Buy?

Entscheidend war die Trendwende bei den Vergleichsflächenumsätzen. Sie stiegen um 2 % — die Analysten hatten lediglich 0,9 % erwartet. Im Vorquartal waren die vergleichbaren Filialumsätze noch um 0,8 % geschrumpft. Gaming, Computing und Mobiltelefone erwiesen sich als zentrale Wachstumstreiber.

Finanzvorstand Matt Bilunas legte nach: Der Mai habe mit einem Wachstum im hohen einstelligen Bereich begonnen. Bei einem Short-Interest von rund 9 % dürfte ein Teil der gestrigen Kursgewinne auch durch Eindeckungen von Leerverkäufern verstärkt worden sein.

Strategisch steht ein Führungswechsel an. CEO Corie Barry wird das Unternehmen im Herbst verlassen, Jason Bonfig übernimmt. Der Markt bewertet sowohl die operative Stärke als auch die Neuausrichtung positiv — ein Signal, das über den reinen Earnings-Beat hinausgeht.

Agilent: Dreifach-Katalysator treibt den Kurs

Selten treffen drei positive Impulse gleichzeitig auf eine Aktie. Agilent Technologies verzeichnete gestern ein Plus von 17,1 % auf 116,60 €, befeuert durch starke Quartalszahlen, eine angehobene Prognose und ein Analysten-Upgrade.

Im zweiten Fiskalquartal stieg der Umsatz um 10 % im Jahresvergleich auf 1,83 Milliarden USD. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 1,49 USD — ein Plus von 14 % gegenüber dem Vorjahr. Die Bank of America hob die Aktie daraufhin von „Neutral“ auf „Buy“ und verwies auf die starke Ausführung trotz ungleichmäßiger Endmarkt-Bedingungen.

Ein struktureller Rückenwind verdient besondere Beachtung: CEO Padraig McDonnell nannte die GLP-1-Medikamentenwelle als dauerhaften Wachstumstreiber. Agilents Instrumente werden in Qualitätskontroll- und Entwicklungslabors der Pharmaindustrie eingesetzt, die gerade massiv in die Produktion von Abnehmmedikamenten investieren.

  • Stifel bekräftigte das Kaufrating mit Kursziel 170 USD
  • Leerink hob das Kursziel von 165 auf 170 USD an
  • Organisches Wachstum lag mit rund 6 % über den Konsensschätzungen von 5 %

Die fundamentale Neubewertung durch gleich mehrere Wall-Street-Häuser hebt Agilent aus der Masse der Earnings-Gewinner heraus.

Dollar Tree: Gewinnsprung und milliardenschwere Aktienrückkäufe

Auch Dollar Tree überraschte positiv und legte um 16,4 % auf 96,00 € zu. Der Einzelhändler erzielte ein Ergebnis je Aktie von 1,74 USD und übertraf damit die Prognose von 1,55 USD um gut 12 %. Der Umsatz wuchs um 7,2 % im Jahresvergleich, die Bruttomarge weitete sich um 120 Basispunkte aus.

Besonders positiv aufgenommen wurde die Anhebung der Jahresprognose: Das bereinigte verwässerte EPS für 2026 soll nun bei 6,70 bis 7,10 USD liegen. Gleichzeitig intensivierte das Unternehmen sein Kapitalrückgabeprogramm erheblich — allein im ersten Quartal flossen 595 Millionen USD in Aktienrückkäufe.

Der Kurssprung spiegelt damit eine Kombination aus operativer Stärke, Margenerweiterung und aktionärsfreundlicher Kapitalallokation wider. Trotz des starken Tages notiert die Aktie seit Jahresanfang noch immer knapp 12 % im Minus — Raum für weitere Aufholung scheint vorhanden.

Synopsys: Solide Zahlen, trotzdem abgestraft

Ein Paradebeispiel für „sell the news“. Synopsys verlor gestern 8,8 % und schloss bei 412,50 € — obwohl das Unternehmen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen übertraf. Der Umsatz lag mit 2,28 Milliarden USD über der Schätzung, das bereinigte EPS von 3,35 USD schlug den Konsens von 3,14 USD deutlich.

Was den Markt belastete: Bedenken über niedrigere GAAP-Gewinne, Restrukturierungskosten und die noch laufende Integration der milliardenschweren Ansys-Übernahme. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 75 genügte das als Anlass für Gewinnmitnahmen.

Parallel gab Synopsys eine Kooperationsvereinbarung mit dem aktivistischen Investor Elliott Investment Management bekannt, die zur Ernennung eines Elliott-Partners in den Vorstand führte. Die Analystenmeinungen gehen auseinander:

  • J.P. Morgan bekräftigte „Overweight“ mit Kursziel 650 USD
  • Morgan Stanley hob das Ziel von 480 auf 525 USD an, beließ aber das Rating bei „Equal-weight“

Die Fundamentaldaten sind solide. Kurzfristig überwiegen allerdings Bewertungsbedenken und strukturelle Fragen rund um die Integration.

Tyson Foods: Führungswechsel trifft auf Rindfleisch-Krise

Tyson Foods gab um 5,2 % auf 53,86 € nach. Zwei Belastungsfaktoren wirkten gleichzeitig: die Ankündigung eines CEO-Wechsels und die anhaltenden strukturellen Probleme im Rindfleischgeschäft.

CEO Donnie King wird das Unternehmen im Oktober verlassen. Jeff Schomburger übernimmt die Führung. Der Zeitpunkt ist ungünstig. Das Rindfleischsegment kämpft mit schrumpfenden US-Rinderbeständen und hohen Futterkosten, was im zweiten Quartal zu einem operativen Verlust in dieser Sparte führte.

Die Segmente Geflügel und Fertiggerichte liefern zwar starke Ergebnisse. Sie können die Verluste im Rindfleischgeschäft aber nicht vollständig kompensieren. Solange weder der Führungswechsel abgeschlossen noch die Rohstoffkostensituation geklärt ist, bleibt das Risikoprofil erhöht. Die Aktie notiert mittlerweile rund 8 % unter ihrem Anfang Mai markierten Jahreshoch.

The Trade Desk: Abwärtsspirale ohne Boden

Kaum eine S&P-500-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten so viel Vertrauen eingebüßt wie The Trade Desk. Gestern ging es erneut um 5,0 % auf 18,22 € nach unten — ausgelöst durch ein neues „Sell“-Rating mit einem Kursziel, das 50 % unter dem Vortagesschluss liegt.

Die Probleme sind struktureller Natur. Mehrere digitale Werbegiganten bedrohen den Marktanteil, während KI-gestützte Medieneinkaufstools die Gebührenstruktur unter Druck setzen. Publicis Groupe, eine der größten Agentur-Holdinggesellschaften weltweit, riet ihren Kunden bereits im März von der Nutzung der Plattform ab. Ein unabhängiges Audit hatte ergeben, dass The Trade Desk Gebühren über vertragliche Grenzen hinaus erhoben und Kunden ohne Zustimmung in Funktionen eingeschrieben habe — Vorwürfe, die das Unternehmen bestreitet.

Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache: Seit Jahresanfang hat die Aktie über 43 % verloren, auf Zwölfmonatssicht liegt das Minus bei rund 73 %. Mit einem RSI von 36 nähert sich der Titel dem überverkauften Bereich — eine technische Stabilisierung ist möglich, ein fundamentaler Turnaround aber nicht in Sicht.

Earnings-Saison als gnadenloser Schiedsrichter

Der gestrige Handelstag am S&P 500 zeigt ein scharfes Muster: Unternehmen mit überzeugenden Quartalszahlen werden massiv belohnt, strukturelle Schwächen dagegen gnadenlos abgestraft. Die PCE-Inflation kletterte im April auf 3,8 % im Jahresvergleich — ein Dreijahreshoch, das die Fed in ihrer abwartenden Haltung bestärken dürfte.

Eine mögliche 60-tägige Verlängerung des US-iranischen Waffenstillstands könnte die Energiepreise kurzfristig dämpfen und damit konsumnahen Titeln wie Best Buy und Dollar Tree zusätzlichen Rückenwind geben. Für Anleger bleibt die Erkenntnis: In einem Markt auf Rekordniveau entscheidet die Einzeltitelauswahl mehr denn je über Gewinn und Verlust.

Best Buy-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Best Buy-Analyse vom 30. Mai liefert die Antwort:

Die neusten Best Buy-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Best Buy-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 30. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Best Buy: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Best Buy