Bestes Quartal, halber Kurs: Warum Rekorde an der Börse nicht mehr reichen

SanDisk meldet starkes Wachstum, während Preisabkühlung, Krypto-Hack und hohe Tech-Investitionen Aktien belasten.

Die Kernpunkte:
  • SanDisk-Umsatz steigt um 378 Prozent
  • Kioxia erwartet langsameres Preiswachstum
  • Binance-Hack belastet Kryptobörsen-Aktien
  • Big Tech senkt Aktionärsrückflüsse deutlich

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

der Markt bezahlt nicht mehr für Rekorde, sondern dafür, wie lange sie halten. Das zeigt sich heute an mehreren Stellen zugleich. SanDisk legt das beste Quartal seiner Geschichte vor und verliert trotzdem zweistellig. Der größte Krypto-Diebstahl aller Zeiten trifft weniger den Bitcoin als die Aktien der Kryptobörsen.

Bei den Tech-Riesen wird zudem sichtbar, wie viel Geld in Rechenzentren fließt statt zu den Aktionären. Für Ihr Depot zählt damit weniger die letzte Erfolgsmeldung als die Frage, ob sie sich wiederholen lässt.

Speicherchips: Rekord gemeldet, Tempo verloren

SanDisk liefert glänzende Zahlen, doch die Börse schaut bereits auf das Ende der Preisrallye. Der Umsatz im ersten Geschäftsquartal 2027 stieg auf 11,03 Milliarden Dollar. Das sind 378 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch beim Gewinn je Aktie ohne Sondereffekte übertraf SanDisk die Erwartungen deutlich.

Warum fällt die Aktie dann? Den Auslöser liefert der japanische Wettbewerber Kioxia. Dessen Durchschnittspreise waren im Sommerquartal noch um rund 25 Prozent gestiegen, jetzt soll es nur noch im niedrigen einstelligen Bereich aufwärtsgehen. Zudem schrumpfte bei SanDisk der Bestand an Kundenbestellungen leicht.

SanDisk notiert im Verlauf rund 12 Prozent tiefer, seit dem Hoch vom 22. Juni hat sich der Kurs halbiert. Die Analysten bleiben dennoch bei Kaufen, auch wenn Bank of America ihr Kursziel senkt. Am wenigsten verwundbar ist Micron, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 12 auf Basis der letzten zwölf Monate. Diese Kennzahl zeigt, wie viele Jahresgewinne der Börsenwert kostet.

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Wie verlässlich Aktien nach Quartalszahlen tatsächlich reagieren, ist Thema des Live-Webinars „Quartals-Rally-Trading“. Bernd Wünsche hat über 500 Unternehmen aus S&P 500 und Nasdaq 100 über acht Quartale hinweg ausgewertet, getrennt nach Umsatz und Gewinn. Nur 88 Unternehmen lieferten in jedem dieser Quartale bessere Werte als von Analysten erwartet, darunter Apple, Netflix, AMD und Seagate – aus derselben Speicherchip-Branche, die heute bei SanDisk für Bewegung sorgt. Gefiltert auf Aktien, die danach auch mindestens sechsmal im Kurs sprangen, blieben 11 Dauer-Rally-Aktien übrig. Am Beispiel Seagate zeigt Wünsche, wie aus einer Gewinnüberraschung von 3,11 statt 2,84 Dollar ein Kurssprung von gut 10 Prozent wurde – ein Muster, das sich ein Quartal später nahezu identisch wiederholte. Am Sonntag, den 01.11.2026, um 18:00 Uhr erklärt er live, wie Anleger dieses Muster für Sofort-Trades rund um Quartalszahlen nutzen können. Jetzt kostenlos zum Webinar anmelden

Binance: Der Coin hält, die Börsenaktien fallen

Der größte Krypto-Diebstahl aller Zeiten trifft vor allem die Aktien der Kryptobörsen, nicht den Bitcoin selbst. Gestern Abend deutscher Zeit räumten Hacker die aktiven digitalen Geldbörsen von Binance leer. Der Schaden liegt bei rund 6,3 Milliarden Dollar. Die Analysefirmen TRM Labs und Chainalysis ordnen den Angriff der nordkoreanischen Einheit TraderTraitor zu.

Muss sich sorgen, wer Bitcoin hält? Der Hack ist für Bitcoin-Halter beherrschbar, weil Binance ihn aus eigenen Mitteln bezahlt. Auszahlungen sollen bis Sonntag wieder laufen. Bitcoin hält sich bei gut 77.000 Dollar, obwohl Anleger, die auf Kredit auf steigende Kurse gesetzt hatten, zwangsweise verkaufen mussten. Das Tagestief lag bei rund 76.400 Dollar.

Coinbase dagegen notiert rund 11 Prozent tiefer und liegt nur wenige Euro über dem Februar-Tief, auch Circle verliert. Die Quartalszahlen helfen nicht: Der Umsatz fiel um 35 Prozent, und der ausgewiesene Gewinn besteht fast vollständig aus Bewertungsgewinnen auf eigene Kryptobestände.

Barclays rät zum Untergewichten, die Aktie also eher zu meiden. Für Aktionäre der Kryptobörsen zeigt der Hack, wie dünn das Geschäft ohne solche Bewertungsgewinne geworden ist.

Chipaktien: Sippenhaft für die KI-Lieferanten

Intels Warnung vor einer PC-Flaute bis mindestens Mitte 2027 hat heute den gesamten Halbleitersektor mitgerissen. Dabei haben die meisten Nachbarn damit nichts zu tun. AMD liegt rund 8 Prozent tiefer, bleibt seit Jahresbeginn aber 143 Prozent im Plus.

Hat das KI-Geschäft damit ein Problem? Das Gegenargument liefert ausgerechnet Amazon. Der Konzern plant für 2026 rund 220 Milliarden Dollar Investitionen, für 2027 sogar „deutlich mehr“. Nvidia zeigte im Rechenzentrum zuletzt 117 Prozent Wachstum.

In Frankfurt trifft es Infineon: Die Aktie liegt knapp 6 Prozent im Minus und weit unter dem Juni-Hoch. Am Dienstag, dem 10. November, legt Infineon Quartalszahlen vor. Sie werden zeigen, ob das mittlere Kursziel der Analysten noch tragfähig ist. Wer zwischen PC-Zulieferer und KI-Lieferant unterscheidet, findet bei Nvidia und AMD die bessere Seite der Trennlinie.

Big Tech: Rechenzentren statt Rückkäufe

Die Tech-Riesen stecken ihr Geld in Rechenzentren statt in Ausschüttungen. Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Oracle gaben in den ersten neun Monaten nur 9,3 Prozent ihres operativen Cashflows über Dividenden und Rückkäufe zurück. Gemeint ist das Geld, das das laufende Geschäft einbringt. Im Vorjahr waren es noch 27,4 Prozent.

Was bleibt da für die Aktionäre? Wenig: Die Investitionen verdoppelten sich, und unterm Strich floss bei der Gruppe mehr Geld hinaus, als das Geschäft einbrachte. Alphabet und Meta kauften 2026 keine einzige Aktie zurück. Alphabet verlor gestern 12 Prozent und erlebte den schlechtesten Tag seit dem Börsengang 2004, obwohl der Umsatz kräftig wuchs.

Microsoft ist die Ausnahme. Der Konzern erwirtschaftet weiter einen positiven Cashflow, hat seine Investitionsprognose gesenkt und liegt seit Jahresbeginn 13 Prozent im Plus. Wer Big Tech hält, besitzt im Moment keine Geldmaschine mehr, sondern eine Wette auf 2027. Microsoft finanziert diese Wette als einziger Konzern der Gruppe aus der laufenden Kasse.

Der globale Kompass

Die Börse fragt nicht mehr, ob ein Rekord gelingt, sondern ob er hält. Bei den Speicherchips zählt das Tempo der Preise, bei Coinbase das Geschäft ohne Bewertungsgewinne, bei Big Tech das Geld, das tatsächlich übrig bleibt.

Das Wochenende gehört der Krypto-Stimmung: Binance will am Sonntag die Auszahlungen öffnen und am Montag die Reserven nachweisen. Hält Bitcoin dann die Marke von rund 76.400 Dollar, war der Hack ein Ereignis für Börsenaktien, nicht für den Coin.

Am Dienstag wählen die USA ihr Parlament, und Bayer legt Quartalszahlen vor. SanDisk-Aktionäre merken sich den Aktiensplit im Verhältnis acht zu eins, der Handel auf neuer Basis beginnt am Freitag, dem 20. November.

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