Biofrontera: Das Biotech-Unternehmen schlägt zurück

Langsam ist es Stoff für einen Wirtschaftskrimi, was Biofrontera unternimmt, um seinen Großaktionär Deutsche Balaton auf Abstand zu halten. Wobei in den letzten Tagen wieder richtig Bewegung in die Auseinandersetzung gekommen ist. Dabei könnte Biofrontera nun mit einem geschickten Schachzug das Glück auf seine Seite gezogen haben.

Das, was zwischen beiden Unternehmen in den vergangenen Monaten vorgefallen ist, würde schon Bände füllen. Wir wollen uns an dieser Stelle möglichst kurz halten und nur einen kurzen chronologischen Überblick geben.

Erster Übernahmeversuch bereits im März

Bereits im März dieses Jahres hatte die Deutsche Balaton ein Übernahmeangebot für insgesamt 6,25 Millionen Aktien der Biofrontera veröffentlicht. Damals sollten die gesuchten Stücke mit einer Barkomponente von einem Euro plus der Lieferung eines Optionsscheins bezahlt werden, der verschiedene Bedingungen erfüllen sollte. Dieses erste Übernahmeangebot wurde von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht („BaFin“) untersagt. Dies hauptsächlich, weil in den Angebotsunterlagen keine zwingend notwendigen Prospektangaben zum offerierten Optionsschein aufgeführt wurden.

Ende Mai startete die Deutsche Balaton AG einen neuen Versuch. Diesmal über die Tochter Deutsche Balaton Biotech AG. Das Angebot blieb dabei gleich: 1,00 Euro Barkomponente pro Aktie plus ein Optionsschein, mit dem unter verschiedenen Bedingungen je eine Biofrontera-Aktie bis 2020 wieder zurückgekauft werden könnte. Seit der Veröffentlichung dieses neuen Angebots am 28. Mai tobt nun zwischen dem Biotech-Unternehmen und der Deutsche-Balaton-Gruppe ein regelrechter Krieg der Anwälte, offenen Briefe und Stellungnahmen.

Biofrontera lehnt Offerte ab

Die Position von Biofrontera ist dabei relativ eindeutig. Aufsichtsrat, Management und auch sämtliche Angestellte lehnen die Übernahmeofferte rundweg ab. Wobei nicht nur darauf verwiesen wird, dass diese finanziell vollkommen unrealistisch wäre. Der wichtigere Punkt, auf den Biofrontera hinweist, ist, dass die Deutsche Balaton AG und ihr faktischer Hauptakteur Herr Wilhelm Zours billig an eine beherrschende Position beim Biotech-Unternehmen kommen wollen, um einerseits das Management nach eigenen Vorstellung zu besetzen und im weiteren wesentlichen strategischen Einfluss zu gewinnen.

Bislang besitzen die Deutsche Balaton bzw. Einzelpersonen und andere Akteure aus dieser Ecke zusammen gut 11 % an Biofrontera. Würden sie mit ihrem Übernahmeangebot Erfolg haben, kämen sie sehr preisgünstig (Stichwort Barkomponente) an dann insgesamt 25 % und damit an eine Sperrminorität.

Was Biofrontera natürlich besonders ärgert: Die Deutsche Balaton würde nach Ansicht des Unternehmens durch das angebotene Optionsmodell preisgünstig die Stimmrechte einheimsen und dann in den nächsten Jahren wichtige strategische Weichenstellungen bestimmen können, ohne ein tatsächliches wirtschaftliches Risiko zu tragen.

Biofrontera klagt nun in Amerika

Nach entsprechend negativen Stellungnahmen von Vorstand und Mitarbeitern zum Wochenbeginn geht das Übernahmeziel nun in die Offensive. Denn man hat gerade in Amerika Klage gegen Herrn Zours, die Deutsche Balaton AG und weitere Beteiligte eingereicht. Hier zahlt sich wohl erstmals wirklich aus, dass die Aktie von Biofrontera sowohl in Deutschland als auch in Amerika notiert ist. Und bekanntlich sind die Wertpapier-Gesetze in den USA deutlich strenger als hierzulande.

Wir wollen hier nicht die ganzen Vorwürfe aufzählen. Diese können Sie gerne in der entsprechenden Pressemitteilung von Biofrontera nachlesen. Ganz kurz gesagt wird Deutsche Balaton et al vorgeworfen, gegen verschiedene Wertpapiergesetze im Rahmen des Übernahmeangebots verstoßen zu haben. Des weiteren klagt man wegen Verleumdungen und böswilligen Einmischungen.

Markt wartet ab

Natürlich hat die biotech-Firma damit nur einen ersten Schritt in seiner weiteren Abwehrstrategie gemacht. Aber womöglich einen sehr wichtigen. Der Markt jedenfalls hält sich derzeit extrem mit einer Bewertung der Vorgänge zurück. Aktuell schwankt die Aktie im Bereich von 5,50 – 6 Euro und liegt dabei auf ihren gleitenden Durchschnitten der letzten 50 bzw. 100 Tage. Wenn wir darauf spekulieren müssten, wer an Ende die Oberhand gewinnt, würden wir auf Biofrontera tippen. Anleger sollten aber derzeit eher die weiteren Vorgänge abwarten.

Aus unserer Sicht: Wer Biofrontera-Aktionär ist, sollte das Übernahmeangebot nicht annehmen.

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