Interviewmit Dieter Jaworski

BioNTech Aktie: 14 Krebsstudien geben BioNTech Wert und lassen die Rechnung offen

Comirnaty und mRNA-Technik geben Halt; der größere Bewertungsanteil hängt von noch ausstehenden Krebsstudiendaten ab.

Die Kernpunkte:
  • 14 zulassungsrelevante Studien Anfang August
  • BNT122-01 als Einzeltherapie nicht fortgeführt
  • Komitee meldete keine Sicherheitsbedenken
  • Fertigungssicherheit nach Standortschließungen offen

Ein unabhängiges Überwachungskomitee empfahl, BioNTechs Darmkrebsstudie BNT122-01 als Einzelbehandlung nicht fortzuführen: Zwischen den Behandlungsgruppen hatte sich ein Ungleichgewicht beim Gesamtüberleben gezeigt. Wie viel Wert lässt sich den übrigen Krebsprogrammen zuschreiben, bevor ihre Wirksamkeit belegt ist? Dieter Jaworski blickt auf das, was die Bewertung bereits voraussetzt.

BioNTech (US09075V1026) — Schlusskurse 13.04.2026 bis 09.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 09.10.2026.

BioNTech (US09075V1026) — Schlusskurse 13.04.2026 bis 09.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 09.10.2026.

Felix Baarz: Ihr fairer Wert liegt praktisch beim Analysten-Konsens. Warum braucht es Ihre Einschätzung, wenn Sie beim Ergebnis kaum abweichen?

Dieter Jaworski: Die Nähe zum Konsens macht meine Aufgabe härter: Ich muss zeigen, wo die gemeinsame Zahl brechen kann. Mein faires Niveau liegt bei rund 121 Euro. Dafür zählen die Erlöse aus Comirnaty und die geschützte mRNA-Technik; der größere Wertanteil hängt für mich an künftigen Krebsmedikamenten. Genau dort ist BioNTech noch beweispflichtig. Stimmung im Biotechnologiesektor hilft dieser Rechnung keinen Millimeter.

Felix Baarz: Worauf stützen Sie diesen künftigen Wert konkret, nachdem BNT122-01 als Einzelbehandlung aufgegeben wurde?

Dieter Jaworski: BioNTech hatte Anfang August 14 zulassungsrelevante Studien am Laufen. Das ist für die Bewertung wichtig, weil die Forschung nicht allein an BNT122 hängt: Der Antikörper Pumitamig etwa wird mit Bristol Myers Squibb entwickelt, wobei die Partner die Entwicklungskosten grundsätzlich teilen.

Auch die Patente auf mRNA-Technik und die Erfahrung mit Zulassungsbehörden haben Substanz. Aber: Eine Studienzahl ist kein Wirksamkeitsnachweis. Für ein zugelassenes Krebsprodukt muss BioNTech den klinischen Vergleich erst gewinnen.

Felix Baarz: Sie sagen: „Eine Studienzahl ist kein Wirksamkeitsnachweis.“ Warum führen Sie die 14 Studien dann als Stütze Ihres fairen Werts an?

Dieter Jaworski: Weil mehrere unterschiedliche Behandlungsansätze mehr Möglichkeiten eröffnen, den Wert klinisch zu belegen. Sie machen den Befund bei BNT122-01 nicht harmlos.

Dort empfahl das Überwachungskomitee nach einem Ungleichgewicht beim Gesamtüberleben, die Behandlung allein nicht weiterzuführen; Sicherheitsbedenken meldete es nicht. Diesen Weg rechne ich vorerst nicht als Erfolg ein. Wie viel die übrigen Programme wert sind, entscheiden ihre eigenen Daten.

Felix Baarz: BioNTech schließt deutsche Standorte und eine Anlage in Singapur. Gefährdet das die verlässliche Herstellung von Behandlungen für einzelne Patienten?

Dieter Jaworski: Die Schließungen nehmen Spielraum. Bei Behandlungen nach Maß muss jede Lieferung sitzen. Ob BioNTech das mit der verbleibenden Fertigung zuverlässig schafft, ist offen.

Felix Baarz: Die Initiative der US-Gesundheitsbehörde NIH für personalisierte Krebsimpfstoffe ist für Dezember 2026 angekündigt. Was müsste geschehen, damit Ihre Rechnung trotz dieser Unterstützung kippt?

Dieter Jaworski: Wenn die erwarteten fortgeschrittenen Studiendaten keine überzeugende Wirksamkeit zeigen, streiche ich einen erheblichen Teil des angesetzten Zukunftswerts. So schlicht ist das.

Die NIH-Initiative kann Forschung beschleunigen, aber sie verschafft BioNTech weder eine Zulassung noch einen Vorsprung gegenüber anderen Entwicklern. Und falls das Problem bei BNT122 über diese Einzelbehandlung hinausweist, wäre meine Einschätzung der mRNA-Krebsprogramme zu großzügig.

Felix Baarz: Sie führen 14 zulassungsrelevante Studien an. Trägt diese Breite Ihr Urteil über BioNTechs Bewertung?

Dieter Jaworski: Ja, allerdings nur als Möglichkeit mit erheblichem Beweisbedarf. Comirnaty und die vorhandene Technik geben der Bewertung Halt; für den größeren Krebsanteil fehlen noch belastbare Ergebnisse. Ich halte BioNTech deshalb für werthaltig, doch meine Einschätzung hängt stärker an den kommenden Studiendaten, als die bloße Zahl der Programme vermuten lässt.

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