BioNTech Aktie: 16 Lungenkrebs-Studien im Fokus

Trotz Prognosesenkung und Studienende gewinnt BioNTechs Aktie. Liquidität, Onkologie-Pipeline und neue Studiendaten prägen den weiteren Blick.

Die Kernpunkte:
  • Aktie legt monatlich elf Prozent zu
  • Darmkrebs-Studie wegen Sicherheitsbedenken beendet
  • 16 laufende Studien zu Lungenkrebs
  • Bilanz weist 16,6 Milliarden Euro aus

Wer sich die Schlagzeilen der vergangenen Wochen ansieht, könnte an BioNTech verzweifeln: gekürzte Prognose, gestoppte Krebsstudie, ein Wechsel an der Konzernspitze. Und doch steht die Aktie am Freitag bei 89,55 Euro – ein Plus von 11 Prozent auf Monatssicht und 10 Prozent seit Jahresbeginn. Für mich ist genau diese Diskrepanz die eigentliche Geschichte.

Ein Datenpaket, das die Substanz zeigt

Die Terminierung der Phase-2-Studie zu autogene cevumeran in der adjuvanten Behandlung von Darmkrebs war ein Rückschlag – ein unabhängiges Sicherheitsgremium hatte ein zahlenmäßiges Ungleichgewicht beim Gesamtüberleben festgestellt und eine Fortführung für aussichtslos erklärt. Das ist ernst zu nehmen, betrifft aber ein einzelnes Programm in einem breiten Onkologie-Portfolio. Bezeichnend finde ich, dass der Kurs seither dennoch zugelegt hat.

Parallel dazu bereitet BioNTech seinen Auftritt auf der Weltkonferenz für Lungenkrebs in Seoul vor, die vom 12. bis 15. September stattfindet. Dort sollen erstmals globale Daten zur Kombination von pumitamig mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat elfetabart drozuntecan bei kleinzelligem und nicht-kleinzelligem Lungenkrebs präsentiert werden – aus einer laufenden Phase-1/2-Studie.

Das Unternehmen führt nach eigenen Angaben 16 laufende Lungenkrebs-Studien, darunter fünf in Phase 3. Diese Breite relativiert für mich den Rückschlag im Darmkrebs-Programm erheblich: BioNTech spielt in der Onkologie nicht auf eine, sondern auf viele Karten.

Kurskorrekturen bei Analysten – kein Grund zur Panik

Anfang August hatte BioNTech die Umsatzprognose für 2026 von 2,0 bis 2,3 Milliarden auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro gesenkt, begründet mit schwächerer globaler Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen und verschobenen Meilensteinzahlungen.

Die Reaktion der Analysten fiel gemischt, aber verhalten aus: Morgan Stanley senkte am 7. August das Kursziel auf 119 US-Dollar, bestätigte aber die Overweight-Einstufung. Canaccord reduzierte sein Kursziel Ende August auf 136 US-Dollar. Beide Anpassungen sind moderat und keine Abkehr von der grundsätzlich positiven Haltung gegenüber der Aktie.

Für mich ist entscheidend, wie das Unternehmen mit der schwächeren Nachfrage umgeht. Die Zahlen zum zweiten Quartal zeigen einen Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro bei Erlösen von nur 105,6 Millionen Euro – deutlich weniger als im Vorjahr.

Gleichzeitig sitzt BioNTech auf liquiden Mitteln von 16,6 Milliarden Euro und hat ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,0 Milliarde US-Dollar aufgelegt. Diese Kombination aus schwachen Kurzfristzahlen und robuster Bilanz spricht für mich für ein Unternehmen, das sich einen Umbau finanziell leisten kann, ohne unter Druck zu geraten.

Was der Chart über die Stimmung verrät

Der Blick auf die technischen Marken untermauert diesen Eindruck. Mit 89,55 Euro liegt die Aktie rund 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro vom Januar, aber 31 Prozent über ihrem Tief von 68,35 Euro vom März. Sie notiert zudem über ihrem 50-Tage- und ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Das liest sich für mich wie eine Aktie, die eine schwierige Phase hinter sich lässt, ohne dass der Markt bereits wieder Euphorie einpreist – ein Zustand, der mir ehrlicher vorkommt als ein überhitzter Chart.

Die FDA-Zulassung des angepassten COVID-19-Impfstoffs COMIRNATY XFG für die Saison 2026/2027 Ende August liefert zumindest im bestehenden Kerngeschäft eine gewisse Stabilität, auch wenn das Marktumfeld für Impfstoffe insgesamt schwächer geworden ist.

Entscheidender dürfte jedoch sein, wie sich die im Sommer angekündigte Führungswechsel-Entscheidung auswirkt: Guido Oelkers übernimmt spätestens zum 1. Februar 2027 als Vorstandsvorsitzender, nachdem er zuvor Sobi geleitet hat.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente, die für eine geordnete Übergangsphase sprechen, statt für eine Krise. Die gesenkte Prognose und der Studienabbruch sind reale Belastungen, aber sie treffen auf ein Unternehmen mit enormer Liquidität, einem breiten onkologischen Pipeline-Fächer und einem Aktienkurs, der die schlechten Nachrichten offenbar schon verarbeitet hat. Die kommenden Wochen um die Lungenkrebs-Daten aus Seoul dürften zeigen, ob dieses Vertrauen berechtigt ist.

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