BioNTech Aktie: 500 Millionen Euro sparen

BioNTech präsentiert vielversprechende Krebsdaten auf ASCO und treibt die Ausgliederung der mRNA-Sparte voran. Analysten bewerten die Aussichten unterschiedlich.

Die Kernpunkte:
  • Neue klinische Daten zu Gotistobart vorgestellt
  • Ausgründung der mRNA-Forschung geplant
  • Sparprogramm soll 500 Millionen Euro bringen
  • Aktienrückkauf über eine Milliarde Dollar

Die US-Krebskonferenz ASCO ist gerade zu Ende gegangen – und für BioNTech beginnt jetzt der wohl wichtigste Monat des Jahres. Der Mainzer Konzern treibt den Wandel vom Covid-Impfspezialisten zum onkologischen Mehrproduktunternehmen voran. Gleichzeitig steht eine tiefgreifende Umstrukturierung an: Die mRNA-Forschung soll in eine eigenständige Firma ausgegliedert werden. Die Aktie notiert mit 76,70 Euro nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 72,50 Euro.

Klinische Signale aus Chicago

Auf dem ASCO-Jahrestreffen präsentierte BioNTech zentrale Daten aus der Spätphase-Pipeline. Im Fokus stand gotistobart (BNT316/ONC-392), ein Anti-CTLA-4-Antikörper der nächsten Generation. Die Phase-2-Studie PRESERVE-004 zeigte bei Patientinnen mit platinresistentem Eierstockkrebs anhaltende Antitumoraktivität und klinisch bedeutsame Überlebensraten. Das Präparat wird gemeinsam mit OncoC4 entwickelt und ist Teil einer breiteren Immunmodulator-Strategie.

Parallel dazu präsentierte das Unternehmen aktualisierte Daten zu Trastuzumab Pamirtecan (BNT323) bei rezidivierendem Gebärmutterkrebs. Das Ziel bleibt ehrgeizig: Bis Ende 2026 will BioNTech 15 Phase-3-Studien in der Onkologie laufen haben. Derzeit sind es über 25 klinische Prüfungen der Phase 2 und 3.

Spin-off und Sparprogramm

Noch im ersten Halbjahr 2026 soll ein bindender Vertrag für die Ausgründung einer eigenständigen Biotechnologiefirma unterzeichnet werden. Die neuen Gesellschaft, geführt von den Mitgründern Uğur Şahin und Özlem Türeci, konzentriert sich auf mRNA-Innovationen der nächsten Generation. BioNTech hält eine Minderheitsbeteiligung und bringt relevante Rechte und Technologien ein.

Das Ziel: Der Mutterkonzern soll sich voll auf die späten Onkologie-Assets fokussieren können. Begleitet wird die Reorganisation von einem strikten Kosteneffizienzprogramm. Geplante Standortschließungen und operative Anpassungen sollen rund 500 Millionen Euro jährlich einsparen.

Analysten uneins – Milliardenpolster bleibt

Die ASCO-Daten haben unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Jefferies bestätigte am 1. Juni sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 138 Dollar. Die Analysten sehen Differenzierungspotenzial durch neue Kombinationstherapien bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs. Bernstein startete die Coverage dagegen mit „Market Perform“ und einem Kursziel von 96 Dollar – der Zeithorizont bis zu ersten Zulassungen sei unsicher.

Finanziell steht BioNTech solide da. Rund 17,2 Milliarden Euro an Barmitteln und Wertpapieren liegen in der Kasse. Im Mai 2026 autorisierte der Vorstand ein Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Dollar, das bis Mai 2027 läuft.

Ausblick

Für das Gesamtjahr 2026 bestätigt das Management die Umsatzprognose von 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro. Die entscheidenden Daten sollen nun aus den laufenden Spätphasenstudien kommen. Mehrere klinische Ergebnisse stehen bis Jahresende an – sie werden darüber entscheiden, ob BioNTech den angekündigten ersten Onkologie-Produktstart bis 2027 tatsächlich schafft. Die Messlatte liegt hoch.

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