BioNTech Aktie: 54 Prozent weniger Sterberisiko

BioNTech erzielt mit gotistobart starke Studiendaten, während der Halbjahresumsatz sinkt und die Bewertung zwischen Chancen und Risiken bleibt.

Die Kernpunkte:
  • Gotistobart verlängert Überleben bei Lungenkrebs
  • Umsatz im ersten Halbjahr deutlich gesunken
  • 16,6 Milliarden Euro Liquidität verfügbar
  • Insiderverkäufe bewegen den Markt kaum

Ausgerechnet in einer Woche, in der Novartis mit gleich zwei gescheiterten Phase-3-Studien vorführt, wie brutal das Pharmageschäft sein kann, liefert BioNTech den Gegenbeweis dafür, dass Biotech-Wetten auch aufgehen können.

Die Mainzer haben mit ihrem Antikörper gotistobart in der Phase-3-Studie PRESERVE-003 das mediane Gesamtüberleben bei vorbehandeltem, metastasiertem Plattenepithel-Lungenkrebs im Vergleich zur Standard-Chemotherapie nahezu verdoppelt.

In der vorgelagerten Phase 1 sank das Sterberisiko gegenüber Docetaxel um 54 Prozent, das mediane Gesamtüberleben wurde in der Behandlungsgruppe gar nicht erst erreicht, während die Vergleichsgruppe bei 9,95 Monaten lag. Das sind Zahlen, die in der Onkologie selten sind – und die erklären, warum die Aktie trotz eines mauen Kerngeschäfts nicht von der Landkarte verschwindet.

Denn genau darin liegt die Ambivalenz dieser Aktie: Auf der einen Seite steht ein wissenschaftlicher Fortschritt, der laut Reuters als „Zeichen eines möglichen Durchbruchs“ gilt. Auf der anderen Seite bröckelt das operative Geschäft spürbar.

Im ersten Halbjahr 2026 fiel der Umsatz auf 223,7 Millionen Euro, nach 443,6 Millionen im Vorjahreszeitraum – die einstige Covid-Cashcow ist endgültig zur Nebensache geworden. Die Guidance für das Gesamtjahr bewegt sich zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden Euro Umsatz.

Immerhin: Mit einer Liquidität von 16,6 Milliarden Euro zum 30. Juni kann sich BioNTech den teuren Umbau zum Onkologie-Konzern leisten, ohne kurzfristig auf frisches Kapital angewiesen zu sein.

Der CEO verkauft, der Markt zuckt kaum

Bemerkenswert ist, wie gelassen der Markt auf die jüngsten Insiderverkäufe reagiert. Seit dem 3. September hat er damit insgesamt 289.000 Aktien abgegeben, sein verbleibender Bestand von gut 553.000 Aktien sank um 2,64 Prozent. Solche planmäßigen Verkäufe sind bei US-Managern Alltag und lassen sich nicht automatisch als Vertrauensverlust deuten – dennoch fällt auf, dass sie ausgerechnet in eine Phase fallen, in der die Studiendaten eigentlich Rückenwind geben sollten.

Der deutsche Handel bewertet BioNTech an diesem Donnerstagmorgen mit einem Geld-Brief-Kurs von 83,80 zu 84,35 Euro, nachdem die Aktie am Mittwoch mit 83,50 Euro schloss, leicht im Minus.

Auf Monatssicht steht ein Plus von 4,2 Prozent zu Buche, zum bisherigen Jahreshoch von 105,80 Euro im Januar fehlen aber noch gut 21 Prozent. Die Aktie bewegt sich damit in einem Korridor, der weder Euphorie noch Panik widerspiegelt – ein RSI von knapp 44 signalisiert eher Neutralität als Überhitzung.

Bewertungsfrage bleibt offen

Wie immer bei Biotech-Werten mit Pipeline-Fantasie zerfällt die Bewertungsdiskussion in zwei Lager. Auf Basis des Kurs-Umsatz-Verhältnisses wirkt BioNTech mit rund dem 7,9-Fachen des Umsatzes günstiger als der breitere Biotech-Sektor mit etwa 12,5 und auch günstiger als die direkte Vergleichsgruppe mit rund 10,1. Wer stattdessen auf Substanzwert-Modelle blickt, kommt zu einem höheren fairen Wert – ein Hinweis darauf, dass die Aktie je nach Bewertungsmethode als unter- oder überbewertet gilt, je nachdem, wie stark man der Onkologie-Pipeline schon heute Gewicht gibt.

Genau das ist die eigentliche Frage hinter dieser Aktie: Kauft man hier ein Unternehmen, das noch immer von seinem Impfstoff-Erbe zehrt, oder bereits einen Onkologie-Spezialisten im Werden? Die PRESERVE-003-Daten sprechen für Letzteres, die schrumpfenden Umsätze und der wachsende Verlust erinnern an Ersteres.

Bis sich diese beiden Erzählungen angleichen, dürfte die Aktie genau das bleiben, was sie derzeit ist: ein Wert zwischen zwei Welten, dessen Kurs eher von Studienergebnissen als von Quartalszahlen getrieben wird.

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