BioNTech Aktie: 613 Millionen von Bristol Myers Squibb erwartet

BioNTech reduziert Umsatzerwartung für 2026 deutlich und plant Chefposten-Wechsel. Analysten reagieren mit gemischten Kurszielanpassungen.

Die Kernpunkte:
  • Umsatzprognose für 2026 gesenkt
  • Guido Oelkers wird neuer Vorstandschef
  • Onkologie-Studien rücken in den Fokus
  • Aktie notiert unter 200-Tage-Linie

BioNTech hat am 4. August seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt – und musste zugleich die Jahresprognose deutlich zurücknehmen. Kurz zuvor hatte der Aufsichtsrat bereits den Wechsel an der Unternehmensspitze eingeleitet. Beide Ereignisse zusammen prägen aktuell das Bild des Mainzer Impfstoff- und Onkologiekonzerns.

Umsatz bricht ein, Prognose sinkt

Im zweiten Quartal erzielte BioNTech Erlöse von 105,6 Millionen Euro, nach 260,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Für das erste Halbjahr summierten sich die Umsätze auf 223,7 Millionen Euro gegenüber 443,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Als Hauptursache nannte das Unternehmen die schwächere Nachfrage nach seinen COVID-19-Impfstoffen. Gleichzeitig stiegen die Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Quartal auf 551,0 Millionen Euro von 509,1 Millionen Euro im Vorjahr, für das Halbjahr auf 1.108,0 Millionen Euro nach 1.034,7 Millionen Euro.

Als Konsequenz senkte BioNTech die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 von zuvor 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro auf nun 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Die Guidance für die bereinigten Forschungs- und Entwicklungsausgaben wurde dagegen auf 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro angehoben, während die Prognose für die bereinigten Vertriebs- und Verwaltungskosten mit 700 bis 800 Millionen Euro bestätigt blieb. Das Unternehmen erwartet den Großteil der Jahresumsätze erst im zweiten Halbjahr: Allein im dritten Quartal soll eine Kollaborationszahlung von Bristol Myers Squibb über 613 Millionen Euro verbucht werden.

Finanziell verfügt BioNTech weiterhin über einen komfortablen Puffer: Zum Quartalsende hielt der Konzern 16,6 Milliarden Euro an Zahlungsmitteln und Wertpapieren. Parallel lief das Aktienrückkaufprogramm weiter – im zweiten Quartal wurden American Depositary Shares im Wert von 151,6 Millionen US-Dollar aus dem bis zu einer Milliarde US-Dollar umfassenden Programm zurückgekauft.

Führungswechsel: Oelkers löst Sahin ab

Bereits am 3. August hatte der Aufsichtsrat verkündet, dass Guido Oelkers in den Vorstand berufen wird und dort spätestens zum 1. Februar 2027 als Vorstandsvorsitzender die Nachfolge von Prof. Ugur Sahin antritt. Oelkers war zuletzt Vorstandsvorsitzender von Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), wo er den Umsatz über einen Zeitraum von neun Jahren mehr als vervierfacht und die Profitabilität deutlich gesteigert haben soll. Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der BioNTech seinen Fokus zunehmend von der Impfstoffsparte auf die Onkologie verlagert: Im laufenden Jahr wurden sechs neue zulassungsrelevante Studien gestartet, fünf davon für den Wirkstoff Pumitamig und eine für das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Elfetabart Drozuntecan. Insgesamt laufen derzeit 14 solcher Studien im onkologischen Pipeline-Portfolio. Im Impfstoffgeschäft erhielt der an das XFG-Virusvariante angepasste COVID-19-Impfstoff von BioNTech und Pfizer im Juli die Zulassung der Europäischen Kommission, nachdem der Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen hatte.

Analysten reagieren gemischt auf die Zahlen

Nach der Vorlage der Quartalszahlen justierten mehrere Häuser ihre Kursziele. Morgan Stanley senkte sein Kursziel am 7. August von 119 auf zuvor 126 US-Dollar, behielt die Einstufung „Overweight“ aber bei. Citi reduzierte sein Kursziel am 4. August von 130 auf 125 US-Dollar und bestätigte die Kaufempfehlung. Andere Analysehäuser bewegten sich in ähnlicher Bandbreite zwischen leicht gesenkten und leicht angehobenen Kurszielen, tendenziell aber mit weiterhin positiver Grundhaltung zum Titel.

Aktie unter dem langfristigen Durchschnitt

Vorbörslich notierte die BioNTech-Aktie am Montag bei 80,60 Euro, ein minimales Minus von 0,37 Prozent. Damit liegt der Kurs weiterhin rund 23,82 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro, das im Januar erreicht wurde. Zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand aktuell 4,14 Prozent nach unten – ein Hinweis darauf, dass sich der Titel trotz der jüngsten Stabilisierung noch nicht aus seinem mittelfristigen Abwärtstrend gelöst hat. Anleger richten den Blick nun auf das dritte Quartal, in dem die erwartete BMS-Zahlung sowie der schrittweise Führungswechsel unter Guido Oelkers zeigen sollen, ob BioNTech seinen strategischen Schwenk hin zur Onkologie erfolgreich gestalten kann.

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