BioNTech Aktie: Arbutus und Genevant weiten Klagen aus

BioNTech-Aktie gibt nach starker Rally nach. Anleger richten den Blick auf die Onkologie-Pipeline und die September-Daten in Seoul.

Die Kernpunkte:
  • Kursrückgang nach starker Rally
  • Patentstreit mit Arbutus und Genevant
  • Onkologie-Pipeline als entscheidender Faktor
  • September-Daten in Seoul erwartet

BioNTech hat einen fulminanten Sommer hinter sich. Nach der Personalie Guido Oelkers, den enttäuschenden Q2-Zahlen samt gesenkter Prognose und der Herabstufung durch Wall Street Zen ist die Aktie in allen drei Fällen kräftig gestiegen statt gefallen – ein Muster, das für sich genommen schon bemerkenswert ist.

Am gestrigen Montag knickte der Kurs um 3,0 Prozent auf 96,85 Euro ein, nach einem fulminanten Sprung in der Vorwoche. Für mich ist das schlicht eine Verschnaufpause nach einer heißgelaufenen Rally – keine Trendwende.

Ein Rechtsstreit mit langem Vorlauf, kein neuer Schock

Wer jetzt auf die Klagen von Arbutus Biopharma und Genevant Sciences schaut, sollte die Relationen wahren. Mitte Juli haben beide Unternehmen drei weitere internationale Klagen eingereicht – vor dem Bundesgericht in Kanada sowie zwei Verfahren vor dem Einheitlichen Patentgericht –, mit denen sie ihre Lipid-Nanopartikel-Technologie (LNP) gegen Pfizer und BioNTech durchsetzen wollen.

Neu ist das Muster nicht: Arbutus und Genevant führen diesen Streit bereits seit Jahren, die jüngsten Schritte sind eine Erweiterung einer seit Längerem laufenden Kampagne, kein plötzlich aufgetauchtes Risiko.

Wer BioNTech seit der Pandemie begleitet, kennt diese Auseinandersetzung – sie gehört zum Geschäft eines mRNA-Pioniers dazu, so unangenehm juristische Unsicherheit für Anleger auch bleibt. Unterm Strich sehe ich hier eher einen Kostenfaktor als eine existenzielle Bedrohung für das Geschäftsmodell.

Viel entscheidender für die Bewertung der Aktie bleibt die Onkologie-Pipeline. Anfang August kündigte BioNTech an, beim IASLC-Weltkongress zu Lungenkrebs (WCLC) in Seoul vom 12. bis 15. September neue klinische Daten zu präsentieren – zu Pumitamig (BNT327/BMS986545), zu Gotistobart (BNT316/ONC-392) sowie zu mRNA-basierten Immuntherapien. Das ist der Termin, auf den der Markt aus meiner Sicht wirklich schaut, nicht die Anwaltsschriftsätze aus Kanada und Den Haag.

Warum die Zahlen zweitrangig wirken

Die Geschäftszahlen selbst geben wenig Anlass zur Euphorie: Der Umsatz brach im zweiten Quartal auf 105,6 Millionen Euro ein, verglichen mit 260,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal, getrieben vom Nachfrageeinbruch bei COVID-19-Impfstoffen.

BioNTech senkte daraufhin die Jahresprognose auf 1.600 bis 1.900 Millionen Euro, nachdem zuvor bis zu 2.300 Millionen Euro in Aussicht standen. Dass der Kurs trotzdem seit dieser Meldung um rund 22,6 Prozent zugelegt hat, zeigt: Der Markt preist längst nicht mehr das schrumpfende Impfstoffgeschäft, sondern die Onkologie-Wette ein.

Diese Wette bekam Mitte August zusätzlichen Rückenwind, als Moderna und Merck positive Phase-3-Daten zu einem personalisierten Melanom-Impfstoff meldeten – BioNTech war an dieser Studie nicht beteiligt, profitierte aber, weil das Unternehmen mit Autogene cevumeran (BNT122) eine nahezu identische Therapie entwickelt, die individuelle mRNA-Impfstoffe mit patientenspezifischen Tumormutationen kombiniert. Genau dieser Sektor-Rückenwind erklärt den kräftigen Anstieg, dessen Konsolidierung wir gestern gesehen haben.

Mein Fazit

Technisch ist die Aktie mit einem RSI von 71 klar überkauft, notiert 18 Prozent über dem 50-Tage- und 15 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt. Ein Rücksetzer wie gestern überrascht mich daher nicht – im Gegenteil, er wirkt fast überfällig nach der Rally der vergangenen Wochen.

Der Patentstreit mit Arbutus und Genevant ist ein Belastungsfaktor, den Anleger im Blick behalten sollten, aber kein Grund für Panik: Er läuft seit Jahren, ohne das operative Geschäft bislang spürbar zu beeinträchtigen. Die eigentliche Nagelprobe für die Bewertung kommt erst mit den Seoul-Daten im September.

Bis dahin überwiegen für mich die Chancen der Onkologie-Story die juristischen Nebengeräusche – auch wenn kurzfristige Volatilität, wie die annualisierten 66 Prozent zeigen, das ständige Begleitgeräusch dieser Aktie bleiben dürfte.

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