BioNTech Aktie: ASCO-Daten zu Pumitamig in Chicago

BioNTech präsentiert auf der ASCO-Tagung vielversprechende Krebsdaten, während der Markt auf klare Zulassungsperspektiven wartet.

Die Kernpunkte:
  • Späte klinische Daten auf ASCO
  • Pumitamig als Hoffnungsträger
  • Hohe Liquidität trotz Verlusten
  • Kursziel der Analysten optimistisch

BioNTech geht mit seiner Onkologie-Pipeline in eine wichtige Woche. Auf der ASCO-Jahrestagung in Chicago zeigt der Mainzer Impfstoffspezialist gebündelt späte klinische Daten aus mehreren Krebsprogrammen. Der Kernkonflikt ist klar: Die Pipeline ist breit, die Börse wartet aber noch auf belastbare Zulassungsperspektiven und künftige Umsätze jenseits von COVID-19.

Die Aktie reagierte am Freitag freundlich und schloss bei 82,35 Euro, ein Plus von 2,68 Prozent. Trotz der Erholung liegt der Kurs weiter unter der 200-Tage-Linie und rund 19 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.

Pumitamig rückt ins Zentrum

Der wichtigste Datensatz kommt von Pumitamig, BioNTechs führendem bispezifischen Antikörper. Eine Zwischenanalyse aus dem Dosisoptimierungsteil der Phase-2/3-Studie ROSETTA Lung-02 zeigte ermutigende Anti-Tumor-Aktivität bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs in der Erstlinie.

Besonders relevant ist die Breite der untersuchten Patientengruppe. Die Daten umfassen sowohl Plattenepithel- als auch Nicht-Plattenepithel-Tumoren, über alle PD-L1-Expressionsniveaus hinweg und ohne behandelbare genomische Veränderungen. Damit adressiert BioNTech ein großes, hart umkämpftes Feld.

Die Ergebnisse fließen in eine laufende zulassungsrelevante Phase-3-Studie ein. Dort tritt Pumitamig plus Chemotherapie direkt gegen den etablierten Erstlinienstandard Keytruda von Merck an. Für BioNTech ist das mehr als ein weiterer Datenpunkt: Es ist der Test, ob die eigene Plattform klinisch mit den Marktführern mithalten kann.

Gotistobart und ADCs verbreitern das Bild

Neben Pumitamig zeigt BioNTech Daten zu Gotistobart bei stark vorbehandeltem, platinresistentem Eierstockkrebs. Die Phase-2-Daten deuten auf dauerhafte Anti-Tumor-Aktivität, klinisch relevantes Gesamtüberleben und ein handhabbares Sicherheitsprofil hin.

Gotistobart zielt auf CTLA-4 und soll regulatorische T-Zellen abbauen. Das macht den Wirkstoff strategisch interessant, weil BioNTech nicht nur einzelne Substanzen vorantreibt, sondern Kombinationen über mehrere Plattformen hinweg testen will. Dazu gehören auch Antikörper-Wirkstoff-Konjugate.

Bis Jahresende erwartet BioNTech 15 aktive Phase-3-Studien. Im laufenden Jahr sind sieben späte Onkologie-Datenpakete vorgesehen, darunter auch der geplante US-Zulassungsantrag für Trastuzumab Pamirtecan.

Hohe Kasse, hoher Forschungsdruck

Finanziell bleibt BioNTech gut ausgestattet, operativ steigt aber der Druck. Der Umsatz fiel im ersten Quartal auf 138,0 Millionen Dollar, während sich der Nettoverlust auf 622,3 Millionen Dollar ausweitete. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung lagen bei 651,6 Millionen Dollar.

Der Rückgang hängt vor allem mit niedrigeren COVID-19-Impfstoffumsätzen zusammen. Das erklärt, warum die Onkologie nicht nur eine wissenschaftliche Option ist, sondern der zentrale Hebel für die nächste Unternehmensphase.

Für das Gesamtjahr hält BioNTech an einer Umsatzprognose von 2,3 bis 2,6 Milliarden Dollar fest. Die Liquidität bleibt mit 19,6 Milliarden Dollar sehr komfortabel. Hinzu kommt ein geplantes Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1,0 Milliarden Dollar über zwölf Monate.

Auf der Kostenseite zieht das Unternehmen die Struktur zusammen. Produktionsausstiege in Idar-Oberstein, Marburg, Singapur und bei CureVac-Standorten betreffen rund 1.860 Stellen und sollen bis 2029 jährliche Einsparungen von etwa 584,9 Millionen Dollar bringen.

Bewertung hängt an klinischer Umsetzung

Die Analysten bleiben überwiegend konstruktiv, trotz der schwachen Kursentwicklung. Im Schnitt sehen 17 Analysten ein Kursziel von 125,45 Dollar, was deutlich über dem zuletzt genannten US-Kursniveau liegt.

Die Spanne der Einschätzungen ist allerdings groß. Canaccord Genuity senkte das Kursziel von 171 auf 158 Dollar, bleibt aber positiv. Leerink liegt mit 94 Dollar deutlich vorsichtiger.

Bis zum 2. Juni liefert die ASCO-Tagung weitere Einblicke in BioNTechs Onkologie-Strategie. Der nächste Kurstreiber dürfte weniger die Breite der Pipeline sein, sondern die Frage, ob aus den Daten belastbare zulassungsrelevante Evidenz entsteht. Genau dort entscheidet sich, ob der Bewertungsabschlag zur klinischen Ambition kleiner wird.

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