BioNTech Aktie: Canaccord senkt Kursziel auf 136 Dollar
BioNTech verzeichnet sinkende Erlöse und hohe Verluste, während die Krebsforschung voranschreitet und Canaccord das Kursziel reduziert.

- Canaccord reduziert BioNTech-Kursziel auf 136 US-Dollar
- Zweites Quartal mit 820,8 Millionen Euro Verlust
- Krebsstudien liefern Chancen trotz jüngster Rückschläge
- Guido Oelkers übernimmt 2027 die Konzernführung
Ein gesenktes Kursziel ist selten eine Schlagzeile für sich – meistens ein Nachklapp zu etwas Größerem. Bei BioNTech aber lohnt der Blick auf die Kleinigkeit, weil sie ein Muster offenlegt: Canaccord senkte am 31. August das Kursziel für BioNTech von 142 auf 136 US-Dollar.
Kein Erdbeben, aber ein Fingerzeig darauf, wie Analysten gerade neu kalibrieren, was dieses Unternehmen eigentlich wert ist – ein Impfstoffhersteller, der sich in Windeseile zum Onkologie-Konzern umbauen will, und dabei einen Rückschlag nach dem anderen wegsteckt.
Diese Neubewertung fällt in eine Phase, in der BioNTech drei Dinge gleichzeitig jonglieren muss: das schrumpfende Kerngeschäft mit COVID-Impfstoffen, eine ambitionierte, aber holprige Pipeline in der Krebstherapie, und einen anstehenden Führungswechsel. Guido Oelkers übernimmt zum 1. Februar 2027 als CEO – ein Datum, das noch in der Zukunft liegt, aber schon jetzt die Frage aufwirft, mit welchem Unternehmen er dort ankommen wird.
Die Onkologie-Wette wackelt, wird aber nicht aufgegeben
Wer BioNTech verstehen will, muss verstehen, dass der Konzern sich selbst neu erfindet. Die Zeiten, in denen der Umsatz fast ausschließlich aus Impfdosen kam, sind vorbei – und die Zahlen zeigen die Kehrseite dieses Übergangs schonungslos: Im zweiten Quartal fielen die Erlöse auf 105,6 Millionen Euro, nach 260,8 Millionen im Vorjahreszeitraum, bei einem Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro. Das Management hat die Jahresprognose entsprechend gekappt.
Gleichzeitig läuft im Hintergrund ein zweiter Handlungsstrang, der für die langfristige Substanz des Unternehmens entscheidender ist als jede Quartalszahl: die Krebs-Pipeline. Assets wie pumitamig und gotistobart sollen zeigen, dass BioNTech mehr kann als mRNA-Impfstoffe gegen Viren.
Im September präsentiert das Unternehmen auf der IASLC-Weltkonferenz für Lungenkrebs in Seoul neue Daten – unter anderem zur Kombination von pumitamig mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat elfetabart drozuntecan bei fortgeschrittenem Lungenkrebs, sowie aktualisierte Überlebensdaten aus der Phase-3-Studie PRESERVE-003.
Doch parallel zu diesen Hoffnungsträgern gab es zuletzt auch Rückschläge – vor gut einer Woche stoppte BioNTech eine Phase-2-Studie zu autogene cevumeran bei Darmkrebs, nachdem ein unabhängiges Sicherheitsgremium eine Ungleichverteilung beim Gesamtüberleben zwischen den Behandlungsarmen festgestellt hatte. Eine zweite laufende Studie zu demselben Wirkstoff bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist davon nicht betroffen.
Warum das Kursziel als Seismograph taugt
Genau in dieser Gemengelage aus Rückschlägen und Hoffnungsträgern muss man die Canaccord-Anpassung lesen. Sie ist kein Urteil über das Geschäftsmodell an sich, sondern eine Feinjustierung angesichts der Risiken, die eine Transformation dieser Größenordnung zwangsläufig mit sich bringt.
Wer aus einem Impfstoffhersteller einen Onkologie-Konzern machen will, muss Rückschläge einkalkulieren – die Frage ist nur, wie viele der Markt verträgt, bevor er das Vertrauen in die Strategie verliert.
An der Börse zeigt sich diese Nervosität in der Kursbewegung: Der Titel schloss am Montag bei 89,10 Euro, nach einem Minus von 0,5 Prozent am Vortag. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 11 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 9,5 Prozent.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 105,80 Euro, erreicht im Januar, trennt die Aktie weiterhin ein deutlicher Abstand von 16 Prozent – ein Zeichen dafür, dass der Markt die Transformationsgeschichte noch nicht vollständig goutiert hat.
Zugleich lastet auf dem Unternehmen juristischer Gegenwind: Arbutus und Genevant reichten im Juli Klagen gegen Pfizer und BioNTech vor dem Federal Court of Canada sowie dem Einheitlichen Patentgericht ein, mit dem Vorwurf, Comirnaty verletze ihre Patente auf Lipid-Nanopartikel-Technologie. Diese Verfahren sind derzeit anhängig und ein weiterer Unsicherheitsfaktor, den Analysten in ihre Modelle einpreisen müssen.
Was bleibt, ist ein Unternehmen im Umbruch, dessen Aktienkurs mit einer annualisierten Volatilität von 70 Prozent genau das widerspiegelt, was es gerade ist: eine Wette auf eine ungewisse, aber ambitionierte Zukunft.
BioNTech-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue BioNTech-Analyse vom 8. September liefert die Antwort:
Die neusten BioNTech-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für BioNTech-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 8. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
BioNTech: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...




