BioNTech Aktie: Förtsch prüft Klage gegen Aufsichtsrat

Bernd Förtsch stellt BioNTechs Aufsichtsrat umfassenden Fragenkatalog und prüft rechtliche Schritte gegen den geplanten Spin-off.

Die Kernpunkte:
  • Förtsch droht mit rechtlichen Schritten
  • Spin-off von mRNA-Technologien geplant
  • Umsatz von BioNTech massiv eingebrochen
  • Führungswechsel bringt Unsicherheit für Aktie

Bernd Förtsch macht Druck. Der Gründer von Börsenmedien AG hat BioNTech einen umfangreichen Fragenkatalog vorgelegt — und prüft nach eigenen Angaben rechtliche Schritte gegen den Aufsichtsrat.

Im Kern geht es um den geplanten Spin-off vom 10. März 2026. BioNTech überträgt mRNA-Technologien und verwandte Rechte an eine neue Gesellschaft, die von den scheidenden Gründern Ugur Sahin und Özlem Türeci geführt wird. Im Gegenzug erhält BioNTech eine Minderheitsbeteiligung sowie Meilenstein- und Lizenzzahlungen. Förtsch sieht darin ein Governance-Problem: „Die Art und Weise, wie jetzt eine neue Gesellschaft gegründet und der Transfer von Know-how und Personal eingeleitet wird, wirft aus meiner Sicht ernste Governance-Fragen auf.“

Umsatzeinbruch als Kulisse

Der Zeitpunkt ist heikel. BioNTechs Umsatz fiel von rund 17,3 Milliarden Euro im Jahr 2022 auf knapp 2,9 Milliarden Euro in 2025. Für 2026 erwartet das Unternehmen noch zwei bis 2,3 Milliarden Euro. Parallel plant BioNTech den Rückzug aus Standorten in Idar-Oberstein, Marburg, Tübingen und Singapur — mit möglichen Auswirkungen auf rund 2.000 Stellen. Die COVID-19-Impfstoffproduktion in Deutschland endet; Pfizer übernimmt die Fertigung.

Förtsch wertet den Spin-off vor diesem Hintergrund als Restrukturierungsfall. Ein bindendes Abkommen zwischen BioNTech und der neuen Gesellschaft soll bis Ende Juni unterzeichnet werden. Sahin und Türeci wechseln dann bis Jahresende, sobald ihre laufenden Verträge enden. Die Suche nach Nachfolgern hat begonnen.

Onkologie als Fundament

Leerink-Partners-Analystin Daina Graybosch bezeichnete den Abgang als „logischen Schritt für ein Unternehmen, das auf mehrere Produktlaunches zusteuert“. Sie warnte aber auch: Der Führungswechsel „bringt erhebliche Unsicherheit in eine Aktie, die unter Druck steht, ihr Onkologie-Portfolio zu liefern“.

BioNTech hält trotz allem an seiner Strategie fest. Das Unternehmen plant bis Jahresende 15 laufende Phase-3-Studien in der Krebsforschung sowie mehrere Datenpräsentationen in wichtigen Tumorindikationen. Die Liquidität ist komfortabel: Zum 31. März 2026 verfügte BioNTech über rund 16,8 Milliarden Euro an Barmitteln und Wertpapieren.

Die Aktie notiert aktuell bei 80,70 Euro — rund 24 Prozent unter dem Jahreshoch von 105,80 Euro vom Januar. Auf Jahressicht liegt das Minus bei gut elf Prozent. Mit dem Ablauf der Frist für das bindende Abkommen Ende Juni rückt die nächste Bewährungsprobe für den Aufsichtsrat näher — und Förtsch hat angekündigt, die Antworten genau zu prüfen.

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