BioNTech Aktie: Guidance 2026 auf 1,6–1,9 Milliarden gekürzt

BioNTech verzeichnet im zweiten Quartal einen deutlich höheren Nettoverlust als prognostiziert und senkt die Jahresprognose. Die Onkologie-Pipeline gilt als zentraler Hoffnungsträger.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz bricht auf 105,6 Millionen Euro ein
  • Nettoverlust mehr als verdoppelt
  • Jahresprognose deutlich gesenkt
  • Hoffnung auf Krebs-Pipeline

BioNTech hat am Dienstag Quartalszahlen vorgelegt, die schlechter ausfielen als von Analysten erwartet. Der Mainzer Biotech-Konzern kämpft mit einer stark rückläufigen Nachfrage nach seinem COVID-19-Impfstoff, während die milliardenschwere Onkologie-Pipeline noch keine nennenswerten Erlöse liefert. Der Umsatz brach im zweiten Quartal auf 105,6 Millionen Euro ein, nach 260,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Der Nettoverlust hat sich auf 820,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Je Aktie bedeutet das einen Verlust von 3,24 Euro – deutlich mehr, als Analysten mit durchschnittlich 2,08 Euro erwartet hatten.

Auch der Blick aufs erste Halbjahr fällt trüb aus: Der Verlust summierte sich auf 1.352,7 Millionen Euro, nachdem die COVID-19-Erlöse von 286,3 Millionen auf 118,8 Millionen Euro einbrachen. Die hohen Forschungsausgaben für die wachsende Krebs-Pipeline belasten das Ergebnis zusätzlich – Kosten, die sich erst mittelfristig amortisieren dürften.

Gesenkte Prognose und Sparprogramm

Angesichts der schwächeren Nachfrage kappte das Management die Jahresprognose für 2026 deutlich. Der Umsatz soll nun bei 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro liegen, nachdem BioNTech zuvor 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro in Aussicht gestellt hatte. Parallel dazu schließt der Konzern drei Standorte in Deutschland; der Betrieb in Singapur soll bis zum ersten Quartal 2027 auslaufen.

Trotz der Einschnitte bleibt die Kapitaldecke robust – ein Polster, das dem Konzern Zeit für den Umbau der Pipeline verschafft. Zum Quartalsende verfügte BioNTech über 16,6 Milliarden Euro Cash. Im ersten Halbjahr kaufte der Konzern zudem eigene Aktien im Wert von 131,8 Millionen Euro zurück. Zugleich sicherte sich das Unternehmen die EU-Zulassung für eine an die aktuelle Virusvariante angepasste Version seines COVID-19-Impfstoffs.

Führungswechsel an der Konzernspitze

Personell steht BioNTech vor einem weiteren Umbruch. Guido Oelkers, zuvor bei Sobi tätig, übernimmt zum 1. Februar 2027 den Vorstandsvorsitz. Der Wechsel fällt in eine Phase, in der sich der Konzern von einem Impfstoffhersteller zu einem Onkologie-Unternehmen wandeln will.

Onkologie-Pipeline als Hoffnungsträger

Die Hoffnung der Anleger ruht auf der wachsenden Krebs-Pipeline. BioNTech führt inzwischen 14 pivotale Studien, sechs davon erst in diesem Jahr gestartet. Bis 2030 sollen insgesamt 17 Studienauslesen vorliegen.

Erste Ergebnisse stimmen zuversichtlich. Der bispezifische Antikörper Pumitamig erreichte bei Lungenkrebs-Patienten eine bestätigte Ansprechrate von 62,5 Prozent. Der Antikörper Gotistobart senkte in einer Vergleichsstudie das Risiko eines Krankheitsfortschritts gegenüber der Chemotherapie Docetaxel um 54 Prozent.

Analysten uneins über die Aktie

Am Markt gehen die Einschätzungen auseinander. Jefferies-Analyst Akash Tewari bestätigte trotz der verpassten Erwartungen bei Umsatz und Ergebnis pro Aktie sein Kaufvotum und beließ das Kursziel bei 138 US-Dollar. Das langfristige Potenzial hänge maßgeblich von der Krebs-Strategie ab, drei richtungsweisende Studiendaten würden für die zweite Jahreshälfte erwartet.

Bernstein sieht das nüchterner und stufte die Aktie auf Market-Perform mit einem Kursziel von 96 US-Dollar ein.

Die Aktie spiegelt die Skepsis wider. Vorbörslich notiert das Papier bei 78,95 Euro und liegt damit rund ein Viertel unter dem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro aus dem Januar. Auch zum 200-Tage-Durchschnitt fehlen der Aktie gut sechs Prozent – ein Zeichen dafür, dass der Markt den Umbau des Konzerns noch mit Vorsicht begleitet.

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