BioNTech Aktie: Guido Oelkers übernimmt 2027

BioNTech verzeichnet im zweiten Quartal 2026 einen deutlichen Umsatz- und Gewinnrückgang, senkt die Jahresprognose und kündigt einen Vorstandswechsel an.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz bricht um 59 Prozent ein
  • Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro
  • Jahresprognose deutlich gesenkt
  • Guido Oelkers wird neuer Vorstandschef

BioNTech hat am Dienstag Zahlen vorgelegt, die den Wandel des Mainzer Biotechnologiekonzerns unterstreichen. Der Umsatz brach im zweiten Quartal 2026 auf 105,6 Millionen Euro ein, nach 260,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum – ein Rückgang um 59,4 Prozent. Als Grund nannte das Unternehmen die schwächere globale Nachfrage nach Corona-Impfstoffen, insbesondere weil Deutschland in der Impfsaison 2026 vorhandene Bestände aufbraucht, statt neue Bestellungen aufzugeben.

Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 820,8 Millionen Euro, nach 386,6 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Für das erste Halbjahr summiert sich der Verlust auf 1.352,7 Millionen Euro, verglichen mit 802,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 2,22 Euro, unverwässert bei 3,24 Euro Verlust je Aktie. Als Reaktion fiel die Aktie im vorbörslichen US-Handel um 3,54 Prozent auf 88,98 US-Dollar, nach einem vorherigen Schlusskurs von 92,25 US-Dollar.

Prognose gekappt, Kriegskasse bleibt prall gefüllt

Parallel zu den Zahlen korrigierte BioNTech den Ausblick für das Gesamtjahr nach unten: Statt der bisher avisierten 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro rechnet der Konzern nun mit Erlösen von 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Auch die bereinigte Forschungs- und Entwicklungsguidance sank auf 2,0 bis 2,3 Milliarden Euro, während die bereinigten Vertriebs- und Verwaltungskosten unverändert bei 700 bis 800 Millionen Euro verortet werden.

Trotz der roten Zahlen verfügt BioNTech über eine massive Liquiditätsreserve: Zum Quartalsende lagen 16,6 Milliarden Euro in der Kasse. Das Unternehmen verweist auf mehr als 17 zulassungsrelevante Studienergebnisse, die bis 2030 und darüber hinaus erwartet werden – ein Hinweis darauf, dass der Konzern seinen Umbau vom Impfstoffhersteller zum Onkologie-Spezialisten mit voller Finanzkraft fortsetzt. Für die zweite Jahreshälfte erwartet BioNTech den Großteil des Jahresumsatzes, unter anderem durch eine Kollaborationszahlung von Bristol Myers Squibb in Höhe von 613 Millionen Euro, die im dritten Quartal fließen soll. Im Rahmen des bis zu einer Milliarde US-Dollar schweren Aktienrückkaufprogramms kaufte BioNTech im zweiten Quartal bereits ADS im Wert von 151,6 Millionen US-Dollar zurück.

Wechsel an der Konzernspitze

Neben den Zahlen sorgte am Montag eine Personalie für Aufsehen: Der Aufsichtsrat beruft Guido Oelkers zum neuen Vorstandsvorsitzenden. Er tritt das Amt spätestens zum 1. Februar 2027 an und löst Prof. Ugur Sahin ab, der das Unternehmen seit der Gründung geprägt hat. Oelkers war zuletzt Vorstandsvorsitzender von Swedish Orphan Biovitrum („Sobi“), wo er den Umsatz über neun Geschäftsjahre – von 2017 bis 2026 – mehr als vervierfachte. Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der BioNTech operativ zwischen schrumpfendem Impfstoffgeschäft und wachsenden Hoffnungen auf die Onkologie-Pipeline navigiert.

Regulatorischer Erfolg, juristische Baustelle

Auf der regulatorischen Seite gab es zuletzt positive Nachrichten: Die Europäische Kommission erteilte Pfizer und BioNTech Ende Juli die Marktzulassung für die an die Variante XFG angepasste Corona-Impfstoffformel der Saison 2026/2027. Die Zulassung gilt in allen 27 EU-Mitgliedstaaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen und deckt Personen ab sechs Monaten ab.

Gleichzeitig sieht sich der Konzern juristischem Gegenwind ausgesetzt: Arbutus Biopharma und Genevant Sciences reichten im Juli beim Federal Court of Canada Klage gegen Pfizer, BioNTech und verbundene Gesellschaften ein, weil sie eine Verletzung eines kanadischen Patents durch Comirnaty geltend machen. Zusätzlich verklagten beide Firmen die Unternehmen vor dem Einheitlichen Patentgericht wegen zweier europäischer Patente. BioNTech erklärte, man sehe starke Verteidigungsmöglichkeiten gegen die Vorwürfe und werde sich in den Verfahren entschieden zur Wehr setzen.

Aktie unter dem gleitenden Durchschnitt

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Umsatzeinbruch, Sparkurs und Führungswechsel in einem angeschlagenen Kursbild wider. Am Donnerstag schloss die Aktie bei 79,05 Euro, ein Minus von 0,94 Prozent. Damit notiert das Papier rund 6 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt von 84,17 Euro und liegt gut ein Viertel unter dem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro, das im Januar markiert wurde. Der nächste wichtige Termin für Anleger ist der 3. November, wenn BioNTech die Zahlen zum dritten Quartal und ein Unternehmensupdate vorlegt – dann dürfte sich zeigen, ob die erwartete Zahlung von Bristol Myers Squibb und die angepeilte Erholung im zweiten Halbjahr tatsächlich greifen.

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