BioNTech Aktie: Moderna prüft Werke
BioNTech plant Abstoßung von drei deutschen Produktionsstätten. Der US-Konzern Moderna zeigt Interesse an den Standorten.

- Verkauf von Werken in drei Städten
- Moderna als potenzieller Erwerber
- Konzern fokussiert sich auf Krebsforschung
- Aktienrückkaufprogramm in Milliardenhöhe
BioNTech verhandelt offenbar vertraulich über den Verkauf mehrerer deutscher Produktionsstätten. Die Werke stehen ohnehin vor der Schließung. Als möglicher Käufer wird der US-Impfstoffhersteller Moderna gehandelt.
Konkret geht es um die Standorte Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen. BioNTech will diese Werke bis Ende 2027 aufgeben. Der Rückzug ist Teil einer größeren Umstrukturierung, mit der das Unternehmen seine globale Produktionskapazität an die gesunkene Nachfrage nach COVID-19-Impfstoffen anpassen will.
Moderna prüft bestehende Infrastruktur
Moderna-Chef Stéphane Bancel machte deutlich, warum bestehende Anlagen attraktiv sind. Neue Werke zu bauen dauert lange und kostet viel. Eine Übernahme bestehender Kapazitäten könnte die Betriebsbereitschaft deutlich beschleunigen — vorausgesetzt, eine passende Vereinbarung mit der deutschen Regierung kommt zustande.
Zusätzlich zu den drei Werken schließt BioNTech die Berliner Tochter JPT Peptide bis Jahresende. Das Unternehmen hatte JPT Peptide 2009 übernommen, die Einheit arbeitet mittlerweile aber nicht mehr profitabel. BioNTech sucht deshalb einen neuen Peptid-Lieferanten. Zusammen mit dem Rückzug aus Singapur sind durch die Schließungen bis zu 1.860 Stellen betroffen.
Der Umbau zum Onkologie-Konzern
Die Verkaufsgespräche fügen sich in eine größere Geschichte ein. BioNTech wandelt sich vom COVID-Impfstoffhersteller zu einem breit aufgestellten Onkologie-Unternehmen. Die Zahlen aus dem ersten Quartal 2026 zeigen, wie tief dieser Umbruch bereits in der Bilanz sichtbar ist.
Der Umsatz fiel von 182,8 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 118,1 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 531,9 Millionen Euro. Finanziell steht der Konzern trotzdem solide da: Liquide Mittel und Wertpapiere summieren sich auf 16,8 Milliarden Euro.
Das Geld fließt zunehmend in die Krebsforschung. Bis Ende 2026 will BioNTech 15 Phase-3-Studien parallel laufen haben, mehrere späte Datenauswertungen zu verschiedenen Krebsarten sind für dieses Jahr angekündigt. Parallel läuft seit dem 8. Juni 2026 ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu einer Milliarde US-Dollar, das bis zum 6. Mai 2027 laufen soll.
Die Aktie zwischen Rekordtief und Erholung
Der Kurs spiegelt diese Übergangsphase wider. Am Freitag schloss die BioNTech-Aktie bei 84,30 Euro, nach einem Plus von knapp 10 Prozent auf Monatssicht. Damit liegt der Titel rund 23 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 68,35 Euro vom 10. März, aber weiterhin gut 20 Prozent unter dem Jahreshoch von 105,80 Euro vom 22. Januar.
Der Kurs notiert derzeit über dem 50-Tage-Durchschnitt von 80,01 Euro, aber knapp unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 85,35 Euro. Die annualisierte Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt bei rund 31 Prozent — ein Wert, der die Unsicherheit rund um den Konzernumbau widerspiegelt.
Ob die Gespräche mit Moderna tatsächlich zu einem Verkauf führen, ist offen. Für BioNTech wäre ein Deal ein doppelter Effekt: Er würde Kosten aus den auslaufenden Werken herausnehmen und gleichzeitig Kapital für die Onkologie-Pipeline freisetzen, auf die der Konzern seine Zukunft ausrichtet.
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