BioNTech Aktie: Rückzug aus Deutschland bis 2027

BioNTech verhandelt über Verkauf von vier deutschen Produktionsstätten. Der Konzern fokussiert sich künftig stärker auf die Entwicklung von Krebstherapien.

Die Kernpunkte:
  • Vier deutsche Werke stehen zum Verkauf
  • Verkauf von JPT Peptide geplant
  • Fokuswechsel zu Krebstherapien
  • Aktie notiert bei 81,35 Euro

BioNTech verhandelt Berichten zufolge vertraulich mit Kaufinteressenten für vier deutsche Produktionsstandorte. Das Unternehmen will sich bis Ende 2027 aus der Fertigung in Deutschland zurückziehen. Betroffen sind Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen.

Zusätzlich plant BioNTech den Verkauf von JPT Peptide bis Jahresende. Die Berliner Tochter stammt aus einer Übernahme von 2009 und schreibt Berichten zufolge keine schwarzen Zahlen mehr.

Der Ausstieg aus der Corona-Fertigung

Die Pläne folgen auf eine Ankündigung, die BioNTech bereits im Zusammenhang mit den Zahlen zum ersten Quartal 2026 gemacht hatte. Das Unternehmen will damit seine globale Produktionskapazität neu ordnen. Wie die freiwerdenden Kapazitäten ersetzt werden sollen, hat BioNTech bisher nicht im Detail erklärt.

Der Hintergrund liegt in der Nachfrageentwicklung beim Corona-Impfstoff Comirnaty, den BioNTech gemeinsam mit Pfizer entwickelt hat. Die Bestellungen sind stark zurückgegangen. Der Umsatz des Konzerns fiel von 19 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf 2,9 Milliarden Euro im Jahr 2025.

Neue Ausrichtung auf Krebstherapien

BioNTech steckt die Erlöse aus der Pandemiezeit inzwischen in mRNA-Krebsimmuntherapien und personalisierte Neoantigen-Therapien. Bis 2030 will sich der Konzern zu einem Unternehmen mit mehreren Produktlinien entwickeln. Das Kapital soll dabei diszipliniert eingesetzt werden.

Der Rückzug aus der deutschen Fertigung passt in dieses Bild. Weniger Produktionsfläche bedeutet weniger fixe Kosten — Geld, das stattdessen in die Onkologie-Pipeline fließen kann.

Aktie unter Druck, Trend uneinheitlich

An der Börse bewegt sich BioNTech aktuell bei 81,35 Euro, ein Minus von 1,09 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Titel liegt damit 23 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro aus dem Januar. Zum Tiefpunkt bei 68,35 Euro im März beträgt der Abstand knapp 19 Prozent.

Auf Monatssicht steht ein Plus von fast 10 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn dagegen ein leichtes Minus. Der RSI von 52,7 signalisiert derzeit weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale. Die annualisierte Volatilität von rund 32 Prozent zeigt: Nervosität bleibt ein ständiger Begleiter der Aktie.

Ob die Käufer für die deutschen Werke bis Ende 2027 tatsächlich feststehen, ist offen. Für die Neuausrichtung des Konzerns dürfte der Fortgang der Onkologie-Pipeline am Ende entscheidender sein als der Ausgang der Standort-Verkäufe.

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