BioNTech Aktie: Streit um Sahin-Firma eskaliert
Ungeklärte Rechte an mRNA-Patenten gefährden den BioNTech-Deal; zugleich zeigen Studiendaten unterschiedliche Signale aus der Onkologie-Pipeline.

- Patentaufteilung zwischen BioNTech und Arife offen
- Verhandlungen könnten ohne Einigung enden
- BNT122-01-Studie wurde im August gestoppt
- Gotistobart zeigte längeres medianes Überleben
Der geplante Neustart der BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci gerät ins Stocken. Der Aufbau ihrer neuen Firma Arife sollte eigentlich in geordneten Bahnen verlaufen – stattdessen droht der Deal mit BioNTech zu scheitern. Kein Wunder, dass Beobachter aufhorchen: Es geht um nichts weniger als die Aufteilung wertvoller mRNA-Patente.
Patentstreit bremst Ausgründung
Arife, mit Sitz in Mainz und als europäische Aktiengesellschaft eingetragen, sollte einen Teil der frühen Krebsforschung von BioNTech übernehmen. Vorgesehen war ein Modell, bei dem BioNTech bestimmte Rechte und mRNA-Technologien einbringt und im Gegenzug eine Minderheitsbeteiligung sowie Lizenzeinnahmen erhält.
Genau an diesem Punkt hakt es: Die Bewertung und Aufteilung der Patente zwischen beiden Seiten ist bislang nicht unterschrieben, ein Abbruch der Verhandlungen gilt als möglich.
Personell ist Arife schon weiter fortgeschritten. Als Finanzchef ist Michael Maximilian Kring vorgesehen, der diese Funktion bereits von 2009 bis 2014 bei BioNTech innehatte. Sahin und Türeci bleiben über ihre Aktienbeteiligung von rund 16 Prozent ohnehin eng an BioNTech gebunden – der Ausgang der Verhandlungen dürfte trotzdem darüber entscheiden, wie unabhängig das neue Projekt tatsächlich agieren kann.
Pipeline liefert gemischte Signale
Während der Streit um Arife schwelt, bleibt die Onkologie-Pipeline für die Aktie der wichtigere Faktor. Ende August stoppte BioNTech eine Phase-2-Studie zum personalisierten Krebsimpfstoff BNT122-01 gegen Darmkrebs, nachdem ein unabhängiges Gremium ein Ungleichgewicht beim Gesamtüberleben festgestellt hatte. Türeci betonte danach, mRNA bleibe eine Säule der Onkologie-Strategie.
Deutlich positiver fällt das Bild bei Gotistobart aus: In einer Phase-3-Teilstudie bei Lungenkrebs lag das mediane Gesamtüberleben bei 18,5 Monaten gegenüber 10,0 Monaten unter der Vergleichstherapie. Zentraler Wert der Pipeline bleibt jedoch Pumitamig, das Bristol-Myers Squibb bereits 2025 mit einer Milliarden-Vorabzahlung lizenziert hat – bei Erfolg winken zusätzliche Meilensteinzahlungen in Milliardenhöhe.
Trotz des Rückschlags bei BNT122-01 bewerten Analysten die Aktie mehrheitlich mit Buy, das mittlere Kursziel liegt bei rund 127 US-Dollar. Konkurrenzdruck kommt derweil von Moderna und Merck & Co., die zuletzt positive Daten zu einem eigenen personalisierten mRNA-Krebsimpfstoff präsentierten.
Für die Aktie zählt kurzfristig weniger die Zukunft von Arife als die Frage, wie belastbar die Onkologie-Pipeline mit ihren mehr als 25 klinischen Studien bleibt. Der Ausgang der Patentverhandlungen dürfte aber zeigen, wie viel Substanz BioNTech an das neue Gründerprojekt abgibt.
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