BioNTech Aktie: UBS hebt Kursziel auf 135 Dollar

BioNTech präsentiert vielversprechende Zwischenergebnisse für Pumitamig bei Lungenkrebs. Analysten zeigen sich optimistisch, der Aktienkurs bleibt jedoch schwach.

Die Kernpunkte:
  • Hohe Ansprechraten bei Lungenkrebsstudien
  • Drei Phase-3-Studien zu Pumitamig laufen
  • Onkologie-Pipeline umfasst über 25 Studien
  • UBS stuft BioNTech auf „Buy“ hoch

BioNTech liefert auf dem Krebskongress ASCO Daten, die den Umbau des Konzerns greifbarer machen. Im Zentrum steht Pumitamig, ein bispezifischer Wirkstoff gegen PD-L1 und VEGF-A. Die Zahlen aus Lungenkrebsstudien fallen stark aus. Der Aktienkurs reagiert dennoch schwach.

Die BioNTech-Aktie notiert aktuell bei 78,80 Euro, ein Tagesminus von 4,31 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Rückgang von 20,32 Prozent. Der Markt honoriert die klinische Dynamik also noch nicht klar.

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Pumitamig rückt nach vorn

BioNTech und Bristol Myers Squibb haben am 30. Mai 2026 Zwischendaten aus der globalen Studie ROSETTA Lung-02 vorgestellt. Getestet wird Pumitamig plus Chemotherapie bei zuvor unbehandeltem fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs.

In der auswertbaren Gruppe standen 40 Patienten unter Beobachtung. Die mediane Nachbeobachtung lag bei 9,0 Monaten. Bei nicht-plattenepithelialem NSCLC erreichte die Kombination eine bestätigte objektive Ansprechrate von 57,1 Prozent.

Bei plattenepithelialem NSCLC lag die bestätigte Ansprechrate bei 68,4 Prozent. Besonders auffällig: Die Krankheitskontrollrate erreichte 100 Prozent. Auch über verschiedene PD-L1-Ausprägungen hinweg blieben die Ergebnisse hoch.

Bei Patienten mit TPS ab 50 Prozent meldeten die Partner sogar eine bestätigte Ansprechrate von 100 Prozent. Die Daten zeigten Aktivität auf beiden getesteten Dosierungen. Am niedrigeren Dosisniveau fielen die Ansprechraten höher aus.

Zur Sicherheit gab es ebenfalls ein wichtiges Signal. BioNTech und Bristol Myers Squibb sprechen von einem beherrschbaren Profil und einer niedrigen Abbruchrate. Das ist relevant, weil neue Kombinationen in der Erstlinie nicht nur wirksam sein müssen.

Drei späte Studien laufen

Pumitamig ist nicht mehr nur ein einzelner Hoffnungsträger. BioNTech und Bristol Myers Squibb bauen ein breites Programm bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs auf. ROSETTA Lung-02 rekrutiert bereits für den späten Teil der Studie.

Daneben laufen zwei weitere globale Phase-3-Studien. ROSETTA Lung-201 vergleicht Pumitamig mit Durvalumab nach gleichzeitiger Chemo- und Strahlentherapie bei nicht operablem Stadium-III-NSCLC. ROSETTA Lung-202 testet Pumitamig gegen Pembrolizumab in der Erstlinie bei fortgeschrittenem PD-L1-hohem NSCLC.

Damit setzt BioNTech auf eine klare Strategie: Pumitamig soll nicht nur in einer Nische bestehen. Der Wirkstoff soll über Krankheitsstadien und Patientengruppen hinweg eine Rolle spielen. Das dürfte spannend werden.

Der Wettbewerb ist allerdings weiter. Summit und Akeso haben mit Ivonescimab bereits entscheidende Daten aus China in diesem Feld vorgelegt. Die US-Studie Harmoni-3 soll noch in diesem Jahr Ergebnisse liefern.

Mehr als nur Lungenkrebs

Der ASCO-Auftritt zeigt auch, wie stark BioNTech die Onkologie-Pipeline verbreitert. In der Phase-2-Studie PRESERVE-004 lieferte Gotistobart plus Pembrolizumab Daten bei stark vorbehandeltem platinresistentem Eierstockkrebs. Gemeldet wurden dauerhafte Antitumor-Aktivität und klinisch relevante Überlebensdaten.

Weitere Präsentationen drehten sich um Antikörper-Wirkstoff-Konjugate gegen HER3, B7H3 und HER2. BioNTech deckt damit mehrere solide Tumorarten ab. Die Onkologie-Pipeline umfasst mehr als 25 klinische Studien in mittleren und späten Phasen.

Davon gelten 13 Programme als zulassungsrelevant. Für einen Konzern, dessen Umsatzbasis nach dem Covid-Impfstoffboom deutlich geschrumpft ist, zählt genau diese Tiefe. Einzelne starke Studiendaten reichen nicht.

Auch UBS bewertet die Lage konstruktiver. Die Bank stufte BioNTech von „Neutral“ auf „Buy“ hoch und hob das Kursziel auf 135 Dollar an. Zuvor lag es bei 117 Dollar.

Analyst David Dai bezeichnete Pumitamig als glaubwürdigen Kandidaten für eine führende Position in seiner Wirkstoffklasse. UBS erwartet für 2026 einen Umsatz von 2,10 Milliarden Euro. Bis 2030 soll der Umsatz auf 4,44 Milliarden Euro steigen.

Für 2030 rechnet UBS außerdem wieder mit Profitabilität. Der erwartete Nettogewinn liegt bei 398 Millionen Euro. Die Rechnung hängt stark daran, ob die Onkologieprogramme klinisch und kommerziell tragen.

Umbau finanziert die Wende

BioNTech flankiert den Pipeline-Schub mit einem harten Kostenprogramm. Der Konzern will seine Produktionsstruktur straffen und Standorte in Idar-Oberstein, Marburg, Singapur sowie CureVac-Standorte verlassen. Bis zu rund 1.860 Stellen könnten betroffen sein.

Die Einsparungen sollen bis 2029 auf etwa 500 Millionen Euro pro Jahr steigen. Das frei werdende Kapital soll die Onkologie-Entwicklung stützen. Parallel bleibt die Bilanz stark.

Zum 31. März 2026 verfügte BioNTech über 16,8 Milliarden Euro an liquiden Mitteln, Zahlungsmitteläquivalenten und Wertpapieren. Vorstand und Aufsichtsrat haben außerdem ein Aktienrückkaufprogramm über bis zu 1,0 Milliarden Dollar für zwölf Monate genehmigt.

Der nächste Prüfstein liegt nicht im Kurschart, sondern in den kommenden Studiendaten. ROSETTA Lung-02 und die beiden weiteren Phase-3-Programme müssen aus frühen Signalen belastbare späte Ergebnisse machen. Genau dort entscheidet sich, ob BioNTechs Krebsstrategie mehr wird als ein überzeugender ASCO-Auftritt.

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