BioNTech Aktie: Umsatz um 59,4% eingebrochen

BioNTech verfehlt Erwartungen im zweiten Quartal, Analysten senken Kursziele. Trotz Verlusten und gesenkter Prognose bleibt die Krebs-Pipeline als langfristiger Hoffnungsträger.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz bricht um fast 60 Prozent ein
  • Nettoverlust steigt auf 820,8 Millionen Euro
  • Analysten senken Kursziele, raten aber zum Kauf
  • Onkologie-Pipeline zeigt Fortschritte mit neuen Studien

BioNTech hat mit seinen Zahlen zum zweiten Quartal enttäuscht, und die ersten Analysehäuser ziehen die Konsequenzen. Evercore ISI senkte sein Kursziel am Mittwoch vergangener Woche von 135 auf 130 US-Dollar, Morgan Stanley kappte seines am Freitag von 126 auf 119 US-Dollar. Beide Häuser halten trotz der Reduktion an ihrer Kaufempfehlung fest – Evercore bei „Outperform“, Morgan Stanley bei „Overweight“. Die Botschaft der Wall Street ist damit eindeutig: Das Geschäftsjahr fällt schwächer aus als erwartet, das langfristige Potenzial der Onkologie-Pipeline bleibt aber intakt.

Umsatz bricht ein, Verlust wächst

Der Umsatz des zweiten Quartals lag bei 105,6 Millionen Euro und damit 59,4 Prozent unter dem Vorjahreswert von 260,8 Millionen Euro. Ursache sind eine schwächere Nachfrage nach dem COVID-19-Impfstoff sowie zeitliche Verschiebungen bei Meilensteinzahlungen aus Partnerschaften. Für das Gesamtjahr senkte das Unternehmen entsprechend seine Prognose. Der Nettoverlust stieg im Quartal auf 820,8 Millionen Euro nach 386,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, der bereinigte Verlust auf 562,3 Millionen Euro nach 348,8 Millionen Euro. Über die ersten sechs Monate summiert sich der Nettoverlust auf 1.352,7 Millionen Euro, mehr als anderthalbmal so hoch wie die 802,4 Millionen Euro der Vorjahresperiode.

Getrieben wurde der Kostenanstieg auch durch höhere Vertriebs- und Verwaltungsaufwendungen von 197,8 Millionen Euro gegenüber 137,4 Millionen Euro im Vorjahr – bedingt durch Vorlaunch-Aktivitäten, die Integration von CureVac und den Ausbau der ERP-Infrastruktur. Die bereinigten Forschungs- und Entwicklungskosten kletterten auf 477,1 Millionen Euro von 509,1 Millionen Euro im Vorjahresvergleich nur moderat, während die operativen Sonderaufwendungen durch die Neupriorisierung der Pipeline belasteten. Trotz der roten Zahlen verfügt BioNTech weiterhin über eine Barreserve von 16,6 Milliarden Euro – ein Puffer, den das Unternehmen für den Umbau seiner Pipeline und für laufende Aktienrückkäufe nutzt. Im zweiten Quartal erwarb BioNTech unter seinem bis Mai 2027 laufenden Rückkaufprogramm über 1,69 Millionen American Depositary Shares zu einem Durchschnittspreis von 89,50 US-Dollar, insgesamt für 151,6 Millionen US-Dollar.

Pipeline und Zulassung als Gegengewicht

Parallel zu den enttäuschenden Zahlen meldete BioNTech Fortschritte in der Onkologie. Das Unternehmen führt derzeit 14 pivotale Studien mit mehr als 17 erwarteten Datenablesungen bis weit in die kommenden Jahre. 2026 wurden sechs neue pivotale Studien gestartet, fünf davon für den gemeinsam mit Bristol Myers Squibb entwickelten bispezifischen Antikörper Pumitamig gegen PD-L1 und VEGF-A, eine für den B7-H3-gerichteten Antikörper-Wirkstoff-Konjugat-Kandidaten Elfetabart Drozuntecan. In Kombination mit Chemotherapie zeigte Pumitamig bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs in der Erstlinientherapie einen dritten in sich konsistenten globalen Datensatz über verschiedene PD-L1-Expressionsniveaus hinweg.

Zusätzlich erteilte die Europäische Kommission die Zulassung für die an die Variante XFG angepasste COVID-19-Impfstoffformel für die Saison 2026/2027, die BioNTech gemeinsam mit Pfizer entwickelt hat. Die Vorbereitungen für die Markteinführung laufen bereits. Abseits der etablierten Analysehäuser stufte auch der auf quantitative Kennzahlen spezialisierte Marktbeobachter Cestrian Capital Research die Aktie von „Do Nothing“ auf „Accumulate“ hoch – als Begründung dienten die umfangreiche Pipeline und die hohe Liquiditätsausstattung.

Aktie erholt sich von Jahrestief

An der Börse hat sich die Stimmung zuletzt leicht gebessert. Die Aktie schloss am Freitag bei 80,90 Euro und legte an diesem Tag um 2,34 Prozent zu. Zum 52-Wochen-Hoch von 105,80 Euro aus dem Januar fehlen dem Papier aber weiterhin 23,53 Prozent, und auch zum 200-Tage-Durchschnitt liegt der Kurs mit 3,83 Prozent im Rückstand. Der Führungswechsel an der Unternehmensspitze – Guido Oelkers, zuvor neun Jahre CEO bei Sobi, übernimmt spätestens zum 1. Februar 2027 von Prof. Ugur Sahin – dürfte für Investoren mittelfristig ein weiterer Faktor sein, an dem sich die Neubewertung der Aktie orientiert.

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