Bitcoin: 1,8-Milliarden-Dollar-Flash-Crash

Nach starkem Wochenend-Anstieg erlebt Bitcoin einen Rücksetzer mit massiven Liquidationen. Analysten sehen technische Überhitzung als Auslöser.

Die Kernpunkte:
  • Flash-Crash unter 77.000 USD
  • 1,8 Mrd. USD liquidiert
  • RSI erreicht Siebenjahreshoch
  • Trotzdem 22% Wochenplus

Bitcoin ist nach einer fulminanten Aufwärtsbewegung am vergangenen Wochenende unter Druck geraten. Ein plötzlicher Kursrutsch am Samstag löste eine Kaskade von Liquidationen aus, die den Kryptomarkt innerhalb kurzer Zeit Milliarden kostete. Während der Wert noch am Freitag von massiven politischen Impulsen aus Washington und hohen Zuflüssen in Spot-ETFs profitierte, führten technisch überkaufte Bedingungen nun zu einer spürbaren Korrektur.

Milliarden-Liquidationen nach technischer Überhitzung

Kurz nach 04:00 Uhr UTC rutschte Bitcoin am gestrigen Samstag unter die Marke von 77.000 USD. Nach Daten von Coinglass wurden im Zuge dieses Flash-Crashs innerhalb von 24 Stunden Handelspositionen im Gesamtwert von 1,801 Milliarden USD liquidiert.

Von dieser Welle waren über 286.000 Händler betroffen. Allein innerhalb einer einzigen Stunde kam es zu Zwangsverkäufen in Höhe von 523 Millionen USD, wobei sogenannte Long-Positionen – also Wetten auf steigende Kurse – rund 86 Prozent des Volumens ausmachten.

Medienberichten zufolge hatte der Relative-Stärke-Index (RSI) auf 4-Stunden-Basis zuvor den höchsten Stand seit über sieben Jahren erreicht. Analysten werteten dies als deutliches Warnsignal für eine bevorstehende Konsolidierung, da der Markt als extrem überkauft galt.

Aktuell notiert Bitcoin bei 76.602,00 USD, was einem Rückgang von 2,3 Prozent zum heutigen Sonntag entspricht. Trotz dieses Rücksetzers verzeichnet die Kryptowährung über die vergangenen sieben Tage immer noch ein deutliches Plus von 22 Prozent.

Politischer Rückenwind und institutionelle Nachfrage

Den Grundstein für den vorangegangenen Kursanstieg legte eine Kombination aus finanzpolitischen Signalen und direktem Engagement aus dem Weißen Haus. Am Freitag traf sich Präsident Donald Trump mit Führungskräften der Kryptobranche und forderte den Kongress auf, den sogenannten Clarity Act zu verabschieden.

Flankiert wurde diese Entwicklung durch eine Ankündigung des US-Finanzministers Scott Bessent, die Limits für Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen zu verdoppeln, was den Druck auf Risikoanlagen wie Kryptowährungen erheblich minderte.

Die institutionelle Nachfrage spiegelte sich am Mittwoch auch in den US-Spot-ETFs wider. Diese verzeichneten laut SoSoValue Nettozuflüsse in Höhe von 517,2 Millionen USD – den höchsten Wert innerhalb eines Tages seit Anfang Mai. Dabei dominierte BlackRock das Geschehen und zeichnete für den Großteil des investierten Kapitals verantwortlich.

Parallel dazu legte die US-Börsenaufsicht SEC mit dem Entwurf „Regulation Crypto Assets“ einen neuen Rahmen vor, der Ausnahmeregelungen für Start-ups im Kryptosektor vorsieht.

Sicherheitsrisiken und strategische Kooperationen

Überschattet wurde die positive Stimmung durch Berichte über erhebliche Sicherheitsmängel bei Hardware-Lösungen. Laut einer Analyse von Galaxy Research wurden bei dem Anbieter Coldcard durch eine Schwachstelle in der Zufallsgenerierung von Seed-Phrasen rund 1.719 Bitcoin im Wert von etwa 111 Millionen USD entwendet.

Die Angreifer konnten dabei Muster in der Schlüsselerzeugung ausnutzen. Bereits am 7. August hatte zudem BTCPay Server eine kritische Sicherheitslücke eingeräumt, die zu Vermögensverlusten bei Nutzern führte.

Auf der unternehmerischen Seite setzt sich der Trend zur Nutzung von Bitcoin als Reservewährung fort. Die Gesellschaft Metaplanet kündigte am 18. August an, 2.100 Bitcoin in die Nasdaq-notierte Super League einzubringen, um eine Treasury-Plattform namens Superplanet zu schaffen. Dies würde das Unternehmen zu einem der größten börsennotierten Bitcoin-Halter weltweit machen.

Anleger blicken nun auf den 28. August, wenn Fed-Chef Kevin Warsh seine Rede in Jackson Hole hält. Davon erhofft sich der Markt richtungsweisende Signale für die Zinspolitik im September, was die kurzfristige Volatilität bei Bitcoin weiter beeinflussen dürfte. Zudem steht am 26. August die Veröffentlichung der zweiten Schätzung für das US-Bruttoinlandsprodukt des zweiten Quartals an.

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