Bitcoin: Binance-Hack bremst kaum
Bitcoin notiert rund fünf Prozent unter dem Donnerstagshoch; ETF-Abflüsse und schwache Marktstimmung belasteten bereits vor dem Binance-Angriff.

- Binance fährt Auszahlungen schrittweise wieder hoch
- Rund 90 bis 95 Prozent ersetzt
- US-Spot-ETFs verzeichneten hohe Tagesabflüsse
- Bitfinex sieht Unterstützung bei 75.000 Dollar
Der größte Kryptodiebstahl der Geschichte erschüttert die Branche, doch Bitcoin reagiert erstaunlich gelassen. Rund 77.700 Dollar kostet die Kryptowährung am Sonntag, etwa 5 Prozent unter dem Donnerstagshoch vor dem Angriff. Die Schwäche hat andere Gründe als der Hack.
Binance startet Auszahlungen in Etappen
Die Börse hat nach dem Diebstahl von mehr als 6 Milliarden Dollar die Abhebungen gestoppt und fährt sie nun schrittweise wieder hoch. Zuerst kommen die Coins an die Reihe, die Kunden in der Vorwoche am häufigsten abgezogen haben. Bitcoin, Ether, BNB, Solana, XRP und Dogecoin gehören zur ersten Phase. Weitere Token und Netzwerke folgen nach Sicherheits- und Stabilitätschecks.
Binance hat nach eigenen Angaben bereits rund 90 bis 95 Prozent der gestohlenen Token ersetzt. Die restlichen Werte sind weniger liquide und brauchen länger in der Beschaffung. Kunden sollen keine Verluste tragen. Die Co-Chefs verweisen auf Kryptobestände aus dem laufenden Geschäft und auf die Jahreserlöse als Puffer.
Die US-Bundespolizei FBI macht die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor verantwortlich. Dieselbe Gruppe steht hinter dem Bybit-Raub von 1,5 Milliarden Dollar im Jahr 2025. Die Täter wandeln die Beute laut FBI vor allem in Ether um und dürften sie über Dezentralisierte-Finanz-Plattformen und Tauschdienste waschen.
Ermittler prüfen unter anderem den Laptop eines Softwareentwicklers als möglichen Einfallsweg. Hinweise auf kompromittierte private Schlüssel gibt es bislang nicht.
Stimmung kippt schon vor dem Hack
Bitcoin verlor im Oktober etwa 7,3 Prozent und schloss nahe 77.558 Dollar. Der Fear-and-Greed-Index fiel binnen vier Wochen von 70 auf 36, von Gier zu Furcht.
Auch institutionelle Anleger zogen sich zurück. US-Spot-ETFs verzeichneten am 30. Oktober Abflüsse von 643,3 Millionen Dollar, den größten Tagesabfluss des Monats. Zuvor hatte es vier Tage in Folge Zuflüsse gegeben.
Im Terminmarkt stieg das offene Interesse auf ein Fünfwochenhoch von 686.000 Bitcoin. Bei den Liquidationen entfielen 79 Prozent auf Long-Positionen. Das spricht für viele überhebelte Wetten auf steigende Kurse.
Marken im Chart
Die Analysten von Bitfinex sehen bei 75.000 Dollar eine wichtige Unterstützung. Für eine nachhaltige Erholung müsste Bitcoin die Marke von 80.000 Dollar zurückerobern. Der Monatstiefstand lag im Oktober bei 76.314 Dollar.
Michael Saylor, Chef von Strategy, stellt sich hinter Binances Entschädigungszusage und erwartet langfristig mehr Sicherheit in der Branche. Kurzfristig hängt der Kurs vom Verlauf der Wiederöffnung ab: Läuft die Auszahlung in den kommenden Tagen ohne Störungen, dürfte der Druck von der Börse weichen. Fällt Bitcoin unter 75.000 Dollar, rückt dagegen das Oktobertief wieder in Reichweite.
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