Bitcoin: Citi kappt Kursziel
Citigroup kappt Bitcoin-Kursziel auf 82.000 Dollar, während Großanleger für 16,7 Milliarden Dollar zukaufen. ETF-Abflüsse und regulatorische Signale prägen das Bild.

- Citigroup senkt Zwölf-Monats-Prognose auf 82.000 Dollar
- Wale akkumulieren 270.000 Bitcoin binnen zwei Wochen
- US-Bitcoin-ETFs verzeichnen Rekordabflüsse im Juni
- Neue US-Regulierung stärkt private Stablecoin-Anbieter
Ein Kursziel wird um 30.000 Dollar gekappt, während Wale binnen zwei Wochen für 16,7 Milliarden Dollar zukaufen. Bei Bitcoin driften die Signale gerade in völlig entgegengesetzte Richtungen — und genau das macht die aktuelle Gemengelage so unübersichtlich.
Die Kryptowährung notiert wieder über 64.000 Dollar, nachdem sie im Verlauf der Woche zeitweise auf rund 61.000 Dollar zurückgefallen war. Anfang Juli hatte Bitcoin sogar ein 21-Monats-Tief bei 57.950 Dollar markiert. Vom Allzeithoch bei 126.198 Dollar aus dem Oktober 2025 trennen den Kurs damit weiterhin knapp die Hälfte.
ETF-Abflüsse treffen auf Wal-Käufe
Der Juni war für die US-Spot-Bitcoin-ETFs der bislang schlechteste Monat seit ihrem Start im Januar 2024. Netto flossen 4,5 Milliarden Dollar ab, allein BlackRocks IBIT-Fonds war für einen Großteil davon verantwortlich. Zum ersten Mal seit Auflage der Produkte rutschten die kumulierten Zuflüsse für das laufende Jahr damit ins Minus.
Citigroup reagierte und senkte das Zwölf-Monats-Kursziel von 112.000 auf 82.000 Dollar, als Grund nannte die Bank die eingebrochene ETF-Nachfrage. Anfang Juli kehrten die Fondszuflüsse dann wieder ins Positive, nachdem zuvor mehrere Handelstage in Folge Abflüsse verzeichnet worden waren. Ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht mit nur 57.000 statt der erwarteten 115.000 neuen Stellen löste zudem einen Short Squeeze aus, der gehebelte Positionen im Wert von 450 Millionen Dollar aus dem Markt drückte.
Während institutionelle Fonds verkauften, griffen große Wallet-Adressen zu: Innerhalb von zwei Wochen sammelten Wale rund 270.000 BTC im Gegenwert von 16,7 Milliarden Dollar ein, größtenteils nahe dem Tief. Unter den börsennotierten Haltern zeigte sich ein ähnliches Bild wie bei den Fonds — Strategy verkaufte einen Teil seiner Bestände zur Deckung von Dividendenkosten und wurde damit erstmals seit 2022 zum Nettoverkäufer, während Metaplanet seinen Bestand weiter aufstockte.
Regulierung liefert Rückenwind
Auf der politischen Seite kamen zuletzt zwei Entwicklungen hinzu, die der Branche in die Karten spielen. Ein vierjähriges Verbot einer digitalen Zentralbankwährung trat automatisch in Kraft, nachdem eine entsprechende Vorlage ohne Unterschrift oder Veto von Präsident Trump zum Gesetz wurde — die Federal Reserve darf demnach bis Ende 2030 keinen digitalen Dollar ausgeben. Das nimmt privaten Stablecoin-Anbietern einen möglichen staatlichen Konkurrenten vom Tisch.
Parallel erhielt Circle, Emittent des USDC-Stablecoins, von der US-Bankenaufsicht OCC die Genehmigung für eine national beaufsichtigte Trust-Bank-Lizenz. Damit kann das Unternehmen Krypto-Verwahrdienste unter direkter Bundesaufsicht anbieten — ein weiteres Signal für die zunehmende Einbindung der Kryptobranche ins traditionelle Bankensystem.
Technisch bleibt der Bereich zwischen 64.200 und 64.700 Dollar die entscheidende Hürde. Ein Tagesschluss oberhalb von 63.800 Dollar würde nach charttechnischer Lesart den seit Ende 2025 laufenden Abwärtstrend brechen, während die Unterstützungszone bei 63.100 bis 63.450 Dollar hält.
Bei den Kurszielen für den weiteren Jahresverlauf gehen die Meinungen deutlich auseinander: Citigroups reduziertes Ziel liegt bei 82.000 Dollar, Standard Chartered hält an 100.000 Dollar zum Jahresende fest, kurzfristige Prognosen für Juli bewegen sich zwischen 65.600 und rund 70.000 Dollar. Diese Streuung spiegelt genau die Unsicherheit wider, die derzeit zwischen Fondsverkäufen und Wal-Käufen herrscht.
Der nächste konkrete Termin, an dem sich die Richtung entscheiden dürfte, ist die Fed-Sitzung am 28. und 29. Juli. Die Marktteilnehmer geben einer unveränderten Zinspolitik aktuell rund 70 Prozent Wahrscheinlichkeit — jede Abweichung davon dürfte den Kurs in die eine oder andere Richtung aus der aktuellen Konsolidierungszone drücken.
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