Bitcoin: Der größte Halter pausiert
Der größte institutionelle Bitcoin-Halter Strategy stockt seine Barreserve auf und kauft erstmals seit langem keine neuen Coins.

- Strategy kauft erstmals seit langem keine Bitcoins
- Unternehmen füllt Barreserve mit 225 Millionen Dollar
- Bitcoin-Kurs pendelt um 64.000 Dollar
- On-Chain-Daten deuten auf mögliche Bodenbildung hin
Ausgerechnet der Investor, der wie kein anderer für den Bitcoin-Boom steht, hält sich zurück. Strategy, mit 843.775 BTC der größte institutionelle Halter der Kryptowährung, hat in der Woche zum 19. Juli keinen einzigen Bitcoin gekauft. Stattdessen füllte das Unternehmen seine Barreserve auf — ein ungewöhnlicher Kurswechsel für ein Unternehmen, das jahrelang jede verfügbare Liquidität in BTC gesteckt hat.
Strategy baut Cash-Polster statt Bitcoin-Bestand
Konkret flossen 225 Millionen Dollar in die USD-Reserve, die damit auf 3,225 Milliarden Dollar anwächst. Das Geld soll Dividenden und Zinszahlungen auf bestehende Verbindlichkeiten absichern. In der Vorwoche hatte Strategy zudem 4,8 Millionen eigene Aktien für 466,7 Millionen Dollar verkauft — ebenfalls ohne einen einzigen Bitcoin nachzukaufen.
Anfang Juli war das Unternehmen sogar noch einen Schritt weitergegangen und hatte 3.588 BTC für 216 Millionen Dollar abgestoßen, der größte Einzelverkauf seiner Geschichte. Für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell über Jahre auf kontinuierlichem Bitcoin-Aufbau beruhte, ist die aktuelle Zurückhaltung ein bemerkenswertes Signal.
Zwischen ETF-Comeback und Wale-Abflüssen
Der Bitcoin-Kurs selbst pendelt aktuell um die 64.000-Dollar-Marke, nachdem er am 21. Juli im Zuge einer überraschend milden US-Inflationszahl von 3,5 Prozent kurzzeitig bis auf 66.310 Dollar geklettert war — der höchste Stand seit drei Wochen. Seitdem hat sich der Kurs wieder abgekühlt und bewegt sich in einer Spanne zwischen rund 62.000 und 66.500 Dollar.
Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt fünf Handelstage in Folge Nettozuflüsse von zusammen etwa 727 Millionen Dollar — die längste Serie seit Ende April. Das beendet eine rund achtwöchige Phase, in der insgesamt mehr als acht Milliarden Dollar aus den Produkten abgeflossen waren. Parallel dazu zogen Anleger an einem einzigen Tag 686 Millionen Dollar in Bitcoin von großen Börsen wie Binance, Coinbase und Bybit ab — ein Muster, das Marktbeobachter als Zeichen dafür werten, dass Coins in privaten Wallets geparkt werden statt am Spotmarkt verkauft zu werden.
Der Fear and Greed Index für Kryptowährungen notiert bei 29 und signalisiert damit weiterhin ausgeprägte Vorsicht. Die Analysten-Kursziele für das Jahresende bleiben entsprechend gespalten: Standard Chartered hält an 100.000 Dollar fest, Bernstein sieht sogar 150.000 Dollar, während Citi seinen Ausblick zuletzt auf 82.000 Dollar senkte.
Glassnode sieht erste Bodensignale
Abseits der Kursbewegung liefert die On-Chain-Analyse von Glassnode einen interessanten Kontrapunkt. Das realisierte Verlustvolumen von Anlegern, die ihre Bitcoin seit ein bis zwei Jahren halten, geht nach einem jüngsten Höchststand zurück — historisch oft ein Vorbote für das Ende einer Verkaufswelle. Der übergeordnete Marktindikator von Glassnode liegt zwar weiterhin bei 14 von 100 Punkten und damit tief im „Risk-Off“-Bereich, doch die Teilkomponente zum Anlegerverhalten hat sich innerhalb eines Monats von 15 auf 35 Punkte verbessert.
Der Anteil langfristiger Halter am Gesamtangebot erreichte mit 88,1 Prozent zudem einen Mehrjahreshöchststand. Als nächste wichtige Marke gilt laut Glassnode ein Niveau von rund 69.000 Dollar — die aggregierte Kostenbasis kurzfristiger Halter und zugleich die Nähe zum Allzeithoch aus dem Bullenmarkt 2021.
Die US-Notenbank unter Kevin Warsh trifft am 28. Juli ihre nächste Zinsentscheidung. Für den Bitcoin-Kurs dürfte das der nächste konkrete Prüfstein werden — zusammen mit der Frage, ob sich die 69.000-Dollar-Marke als Sprungbrett oder erneuter Widerstand erweist.
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