Bitcoin: Fed hält den Schlüssel

Bitcoin erreicht Fünfwochenhoch, während der Angstindex Skepsis signalisiert. Die anstehende Fed-Entscheidung gilt als Schlüsselfaktor für die weitere Kursentwicklung.

Die Kernpunkte:
  • Kursanstieg auf Fünfwochenhoch
  • Angstindex zeigt anhaltende Skepsis
  • Fed-Entscheidung als entscheidender Faktor
  • Whale-Käufe und ETF-Zuflüsse stützen

Bitcoin klettert auf ein Fünfwochenhoch, allerdings zeigt der Angstindex weiterhin tiefe Skepsis. Diese Kluft zwischen Kurs und Stimmung ist derzeit das auffälligste Signal am Kryptomarkt. Am 28. Juli entscheidet die Fed unter dem neuen Chef Kevin Warsh über die Zinsrichtung – und genau davon hängt ab, welche von zwei konkurrierenden Boden-Theorien sich durchsetzt.

Whale-Käufe und ETF-Wende treiben die Erholung

Anfang Juli fiel Bitcoin auf 57.950 Dollar, den tiefsten Stand seit 21 Monaten. Innerhalb weniger Tage schoss der Kurs auf über 65.000 Dollar zurück.

Ausschlaggebend war die US-Inflation, die überraschend auf 3,5 Prozent fiel statt der erwarteten 3,8 Prozent. Whale-Wallets nutzten die Schwäche und kauften rund 270.000 BTC im Wert von 16,7 Milliarden Dollar.

Parallel dazu beendeten Spot-Bitcoin-ETFs eine wochenlange Abflussserie. In den vergangenen fünf Handelstagen flossen netto 727 Millionen Dollar in die Fonds, angeführt von BlackRocks IBIT. Der Fear-and-Greed-Index verharrt trotz der Erholung bei rund 28 Punkten – ein Zeichen, dass viele Anleger dem Aufschwung noch nicht trauen.

Zuletzt bremste der eskalierende Konflikt zwischen den USA und dem Iran die Stimmung. Nach Angriffen am zwölften Tag in Folge und einer neuen Front der Huthi-Milizen im Roten Meer rutschte Bitcoin zuletzt um 1,4 Prozent auf rund 65.100 Dollar zurück.

Zwei Theorien, ein Boden

Vermögensverwalter Grayscale stellte in einer aktuellen Analyse zwei gegensätzliche Erklärungsmodelle gegenüber. Die „Vier-Jahres-Zyklus“-Theorie erwartet den Bärenmarkt-Boden erst im September oder Oktober – historisch fielen die Kurse nach dem Zyklushoch im Schnitt um rund 80 Prozent, was Bitcoin bis in die Nähe von 50.000 Dollar drücken könnte.

Grayscale-Forschungschef Zach Pandl hält dagegen: Bitcoin verhalte sich zunehmend wie Gold oder eine zinssensible Tech-Aktie. Kippt die Fed ihre restriktive Haltung, könnte der Boden bereits erreicht sein.

Die Nominierung des geldpolitisch strengen Warsh als Fed-Chef hatte im Frühsommer genau jene Realzins-Sorgen ausgelöst, die Bitcoin unter 58.000 Dollar drückten.

Regulatorik als zweiter Hebel

Ein neuer Entwurf des Clarity Act, der diese Woche in Washington kursierte, enthält erstmals eine Ethik-Klausel. Sie soll Präsidenten und hohe Beamte bis 2029 von Interessenkonflikten mit Kryptowerten ausschließen.

Der Kompromiss folgte auf Offenlegungen, wonach Donald Trump im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Dollar aus Krypto-Beteiligungen verdient hatte.

Ein weiteres Signal für den Wandel der Branche: Die Derivatebörse BitMEX kündigte an, ihren Betrieb im September einzustellen und Kunden zur Auszahlung ihrer Guthaben bis zum 23. September aufzufordern.

Standard Chartered hält trotz allem an einem Jahresendziel von 100.000 Dollar fest und wertet jüngste Verkäufe von Großinvestor Strategy als Marktrauschen, nicht als fundamentales Warnsignal. Wettmärkte wie Polymarket sind skeptischer und preisen einen Jahresschlusskurs zwischen 70.000 und 75.000 Dollar ein.

Kurzfristig entscheidet sich vieles am Widerstand bei 67.400 Dollar. Ein Ausbruch darüber könnte weitere fünf bis sechs Prozent freisetzen, ein Rückfall unter 66.000 Dollar würde die laufende Erholung dagegen infrage stellen.

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