Bitcoin: Hacker spielen auf Zeit
Nach dem Milliardenraub bei Binance fiel Bitcoin zeitweise unter 77.000 Dollar; Ermittler verfolgen eingefrorene und verschleierte Gelder.

- Bitcoin zeitweise unter 77.000 Dollar
- Binance deckt Nutzerverluste aus eigenen Mitteln
- Rund drei Milliarden Dollar eingefroren
- Hacker verschieben Gelder über Tron-Adressen
Der Binance-Hack beschäftigt den Markt weiter. Bitcoin rutschte am Freitag zeitweise unter 77.000 Dollar, nachdem Angreifer rund 6,3 Milliarden Dollar von der weltgrößten Kryptobörse abgezogen hatten. Es ist der größte Krypto-Diebstahl aller Zeiten, mehr als viermal so groß wie der Bybit-Hack Anfang 2025.
Verkaufsdruck trifft den ganzen Markt
Der Angriff dauerte nach Marktdaten nur etwa 20 Minuten. Betroffen waren mehrere Blockchains, darunter Stablecoins, Ether und knapp 18.000 Bitcoin im Wert von rund 1,45 Milliarden Dollar. Binance setzte Ein- und Auszahlungen aus und sicherte zu, alle Nutzerverluste aus eigenen Mitteln zu decken.
Bitcoin verlor zeitweise gut 5 Prozent, das Tagestief lag bei 76.537 Dollar. Auf Monatssicht steht ein Minus von fast 7 Prozent. Der saisonale „Uptober“-Effekt blieb damit das zweite Jahr in Folge aus. Hinzu kommen hartnäckige Inflationssorgen und eine schwächere Risikobereitschaft an den Tech-Märkten.
Die Stimmung kippte spürbar. Der Fear-and-Greed-Index fiel auf 36 und damit in den Angstbereich, vor einer Woche stand er noch bei 47. Rund 1,63 Milliarden Dollar an Positionen wurden binnen 24 Stunden liquidiert, überwiegend Long-Wetten. Die Kryptoweite Marktkapitalisierung sank auf 2,58 Billionen Dollar.
Die US-Spot-ETFs zeigten sich vergleichsweise robust. Die Zuflüsse schrumpften zwar auf 17 Millionen Dollar, blieben aber positiv. Ether-Fonds meldeten dagegen Abflüsse von 106 Millionen Dollar.
Wettlauf gegen die Geldwäsche
Ermittler sprechen von einem „Katz-und-Maus-Spiel“. Die Analysefirmen TRM Labs und Chainalysis ordnen den Angriff der nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor zu. Rund 3 Milliarden Dollar sind nach Binance-Angaben eingefroren, vor allem Stablecoins von Circle und Tether.
Die Hacker reagierten schnell. Sie verkauften Tether an Market Maker und liehen sich Ether gegen den Stablecoin, der sich kaum einfrieren lässt. Chainalysis beobachtet zudem neue Verschleierungsmuster: Automatisiert schicken die Täter Gelder zwischen Adressen hin und her, viele davon auf der Tron-Blockchain.
Für die Umwandlung in Bargeld setzen sie laut den Ermittlern zunehmend auf professionelle, chinesische Geldwäschenetzwerke. Je weiter das Geld wandert, desto geringer die Chance auf Beschlagnahmung. Für Bitcoin bleibt entscheidend, ob die gestohlenen Coins auf den Markt drängen. Werden sie in größerem Stil verkauft, droht zusätzlicher Druck auf einen Kurs, der rund 50 Prozent unter dem Rekord vom Oktober 2025 notiert.
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