Bitcoin: Handel im Winterschlaf

Das Handelsvolumen bei Bitcoin-Perpetuals fällt auf den niedrigsten Stand seit 2023, während offene Positionen erhöht bleiben. Die US-Inflationsdaten könnten die nächste Kursbewegung auslösen.

Die Kernpunkte:
  • Handelsvolumen auf Mehrjahrestief gefallen
  • Offene Positionen überdurchschnittlich hoch
  • Strategy verkauft weitere Bitcoin-Bestände
  • US-Inflationsdaten als nächster Kursimpuls

Der Bitcoin-Markt hält den Atem an. Vor der Veröffentlichung der US-Inflationsdaten für Juli ist die Handelsaktivität bei Bitcoin-Perpetuals auf den niedrigsten Stand seit 2023 gefallen. Nur an fünf Prozent aller Handelstage seit Januar 2021 lag das Volumen niedriger — ein Zustand, den Marktbeobachter mittlerweile als „Winterschlaf“ bezeichnen.

Konkret: Das 30-Tage-Durchschnittsvolumen für BTC/USDT-Perpetuals auf Binance und Bybit sank bis zum 10. August auf 10,8 Milliarden Dollar. Auch der Spotmarkt zeigt Ermüdung. Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen fiel binnen einer Woche um 18 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar, der niedrigste Wert seit Februar 2024. Die Sieben-Tage-Volatilität rutschte auf 0,6 Prozent — das schwächste Niveau seit Weihnachten 2025.

Ruhiger Chart, riskante Hebel

Die Flaute beim Volumen täuscht allerdings über ein Detail hinweg: Das offene Interesse bei Bitcoin-Perpetuals liegt mit durchschnittlich rund 300.000 BTC deutlich über dem Jahresschnitt von 288.000 BTC. Diese Kombination aus hohem Hebel und schwachem Handel gilt als Nährboden für plötzliche, liquidationsgetriebene Ausschläge in beide Richtungen — sobald ein Auslöser die Ruhe beendet.

Bitcoin selbst pendelte zuletzt in einer engen Spanne zwischen 63.700 und 64.900 Dollar und bleibt damit rund 50 Prozent unter dem Rekordhoch vom Oktober 2025. Seit sechs Monaten bewegt sich der Kurs zwischen etwa 60.000 und 80.000 Dollar — ein Seitwärtsmarkt, der sich laut Marktbeobachtern deutlich von den Bärenmärkten 2014, 2018 und 2022 unterscheidet. Damals fielen die Tiefs immer weiter, während aktuelle Onchain-Daten darauf hindeuten, dass Coins zunehmend in die Hände langfristiger Halter wandern.

Zusätzlichen Druck erzeugt Strategy: Das Unternehmen verkaufte erneut 1.690 Bitcoin, den dritten Verkauf in diesem Monat, zu einem Preis von 63.957 Dollar — deutlich unter der eigenen Kostenbasis von 75.419 Dollar je Coin. Die Erlöse dienen der Finanzierung von Vorzugsdividenden und Aktienrückkäufen bei der STRC-Aktie. Parallel dazu verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs am 10. August einen Nettoabfluss von rund 145 Millionen Dollar — nach sieben Tagen mit Zuflüssen der erste Rückschlag seit einer Rekordwoche mit 853 Millionen Dollar Zufluss.

Der Blick auf die Inflationszahl

Die Marktteilnehmer richten den Blick nun auf den US-Verbraucherpreisindex für Juli. Ökonomen erwarten einen Rückgang von 3,5 auf 3,4 Prozent im Jahresvergleich, die Kerninflation soll auf 2,5 Prozent sinken. Die Terminmärkte preisen kurz vor der Veröffentlichung eine nahezu ausgeglichene Wahrscheinlichkeit zwischen einer Zinspause und einer Erhöhung im September ein — ein ungewöhnlich unentschiedenes Bild für einen so wichtigen Termin.

Ein schwacher Wert unter 3,0 Prozent dürfte Bitcoin und andere Risikoassets beflügeln, ein Ausreißer über 3,6 Prozent könnte die Erwartungen an eine Zinserhöhung neu befeuern und Kursdruck erzeugen. Nach dem CPI-Termin richtet sich der Blick bereits auf die nächsten Fixpunkte: das Notenbanker-Treffen in Jackson Hole Ende August und die Fed-Sitzung Mitte September. Bis dahin dürfte die aktuelle Ruhephase kaum von Dauer sein — die hohe Hebelwirkung im Markt sorgt dafür, dass die nächste Bewegung heftiger ausfallen könnte als der ruhige Chart vermuten lässt.

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