Bitcoin: Hayes-Warnung?

ETF-Abflüsse und gehebelte Käufe stützen Bitcoin kaum; Hayes und Wintermute verweisen auf Liquidität und ungehebelte Nachfrage.

Die Kernpunkte:
  • Hayes knüpft bessere Aussichten an mehr Liquidität
  • US-Bitcoin-ETFs verzeichneten 398,6 Millionen Dollar Abflüsse
  • Wintermute fordert Spotkäufe für nachhaltige Stärke
  • US-Zwischenwahlen sorgen für zusätzliche Unsicherheit

Arthur Hayes sieht für Bitcoin heute weiter Schwächepotenzial, solange die Fed oder Banken ihre Bilanzen nicht ausweiten. Seine Einschätzung trifft auf anhaltende Abflüsse aus US-Spot-Bitcoin-ETFs und politische Unsicherheit vor den heutigen US-Zwischenwahlen. Für eine belastbare Erholung fehlt damit aus Sicht vorsichtiger Marktbeobachter vor allem eines: frische Nachfrage statt überwiegend gehebelter Käufe.

Hayes knüpft Erholung an mehr Liquidität

Hayes schrieb heute auf X, die US-Dollarliquidität erhole sich. Dennoch könne Bitcoin schwach bleiben, bis die Fed oder Banken ihre Bilanzen ausweiten. Ein konkretes Kursziel oder einen Zeitpunkt für eine mögliche Trendwende nannte er nicht.

Damit unterscheidet Hayes zwischen einer Erholung der Dollarliquidität und einem bereits tragfähigen Umfeld für Bitcoin. Seine Aussage ist keine Prognose eines unmittelbar bevorstehenden geldpolitischen Eingriffs. Sie beschreibt vielmehr eine Voraussetzung, an die er eine bessere Marktperspektive knüpft.

Die heutige Einschätzung fällt vorsichtiger aus als seine Positionierungsempfehlung vom 15. Oktober. Damals hatte Hayes Long-Positionen in Bitcoin und Ethereum empfohlen. Grundlage war seine Erwartung einer umfangreichen Stützungsmaßnahme nach dem Boom bei KI-Rechenzentren. Später erklärte er, dem Markt vorerst fernbleiben zu wollen.

ETF-Anleger ziehen weiter Kapital ab

Wie zurückhaltend die Nachfrage derzeit ausfällt, zeigen die jüngsten Fondsbewegungen. Laut Farside Investors verloren US-Spot-Bitcoin-ETFs gestern netto 398,6 Mio. US-Dollar. BlackRocks IBIT verzeichnete Abflüsse von 405,3 Mio. US-Dollar, während Fidelitys FBTC Zuflüsse von 6,7 Mio. US-Dollar erhielt.

Die gegenläufigen Bewegungen einzelner Produkte änderten somit nichts am Kapitalabzug aus der Produktgruppe. Die ETF-Nachfrage lieferte zuletzt keine breite Unterstützung für Bitcoin. Ein gesicherter ursächlicher Zusammenhang zwischen den Abflüssen und dem Binance-Sicherheitsvorfall lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Auch Wintermute beurteilt die Qualität der jüngsten Gegenbewegungen skeptisch. Käufe nach dem Rückgang kamen dem Handelshaus zufolge vor allem aus gehebelten Perpetual-Kontrakten. Spotnachfrage oder neues Kapital hätten die Bewegung dagegen nicht getragen.

Wintermute will seine Vorsicht erst aufgeben, wenn Bitcoin 80.000 US-Dollar zurückerobert und diese Marke mit Spot- und ETF-Käufen hält. Beim aktuellen Kurs von 76.945,00 USD ist diese Bedingung noch nicht erfüllt. Entscheidend ist für das Haus also nicht allein ein höherer Preis, sondern auch die Herkunft der Nachfrage.

Zwischenwahlen erhöhen die Unsicherheit

Zusätzlich warten Anleger auf den Ausgang der heutigen US-Zwischenwahlen. Erste Ergebnisse werden zum Beginn des asiatischen Handels am Mittwoch erwartet. Damit steht ein konkreter politischer Termin bevor, während die Einschätzungen seiner Bedeutung für Bitcoin auseinandergehen.

Michaël van de Poppe hält die Angst vor den Zwischenwahlen für übertrieben. Selbst ein demokratischer Sieg werde seiner Einschätzung nach wahrscheinlich keine großen Folgen haben. Die Bitfinex-Analysten erwarten dagegen, dass die Aktienmärkte die Bitcoin-Handelsspanne dieser Woche bestimmen dürften.

Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Unterscheidung: Nachlassende Wahlunsicherheit könnte die Stimmung entlasten. Eine nachhaltige Erholung wäre damit noch nicht belegt. Nach den Einschätzungen von Hayes und Wintermute braucht es dafür zusätzliche Liquidität beziehungsweise sichtbar stärkere ungehebelte Nachfrage. Die jüngsten ETF-Abflüsse liefern dieses Signal bislang nicht.

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