Bitcoin: Risiko jenseits von Strategy

JPMorgan-Analysten warnen: Nicht Verkäufe, sondern eigene Banken-Blockchains könnten Bitcoin langfristig schwächen.

Die Kernpunkte:
  • Banken bauen eigene Blockchain-Infrastruktur
  • Tokenisierte Einlagen als Stablecoin-Alternative
  • Clarity Act bleibt in Washington blockiert
  • MARA sichert sich großes Texas-Grundstück

Nicht der aufsehenerregende Verkauf von Bitcoin-Beständen bei Strategy ist die größte Gefahr für den Kurs. Das eigentliche Risiko liegt woanders — in der Art, wie Banken und Institutionen Blockchain-Technologie künftig nutzen wollen. Das ist die zentrale These einer aktuellen JPMorgan-Analyse, die dem Krypto-Markt eine unbequeme Frage stellt.

Wenn Institutionen an Bitcoin vorbeibauen

JPMorgan-Analysten um Nikolaos Panigirtzoglou sehen die strukturelle Bedrohung nicht in einzelnen Verkäufen großer Bitcoin-Halter, sondern in einer Verschiebung der institutionellen Adoption. Banken bauen zunehmend eigene, geschlossene Blockchain-Infrastruktur auf — mit tokenisierten Einlagen als Paradebeispiel. Diese bieten Datenschutz, Geldwäsche-Kontrollen und regulatorische Sicherheit, Eigenschaften, die öffentliche, permissionless Netzwerke wie Ethereum kaum liefern können.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat sich bereits gegen den Einsatz öffentlicher Blockchains für systemrelevante Finanzinfrastruktur ausgesprochen und wirbt stattdessen für permissionierte „unified ledger“. Sollten sich tokenisierte Einlagen breit durchsetzen, könnte das den Bedarf an Stablecoins in institutionellen Zahlungen deutlich verringern — mit Nebenwirkungen für die gesamte Kryptoökosystem-Liquidität, die am Ende auch auf Bitcoin durchschlagen würde.

Selbst der viel diskutierte Clarity Act, das geplante US-Gesetz zur Marktstruktur für digitale Assets, würde dieses Risiko laut JPMorgan nicht automatisch beseitigen. Mehr regulatorische Klarheit könnte paradoxerweise genau jene bankeigenen, tokenisierten Einlagensysteme stärken, die öffentlichen Blockchains Marktanteile streitig machen.

Regulierung bleibt Wackelkandidat

Genau hier setzt die zweite Baustelle an: Der Clarity Act hängt in Washington fest, auch weil der zuständigen Aufsichtsbehörde CFTC vier von fünf Kommissarsposten fehlen. Das Weiße Haus wies diese Woche Vorwürfe der Senats-Demokraten zurück, man verzögere bewusst Nominierungen — und verwies auf ein aktuelles Supreme-Court-Urteil, das Präsident Trump weitreichendere Befugnisse zur Entlassung von Behördenchefs einräumt. Kritiker warnen, ein einzelner Kommissar an der CFTC-Spitze mache Regeln anfälliger für spätere politische Kehrtwenden.

Nicht jede Entwicklung im Sektor läuft gegen Bitcoin. MARA Holdings, einer der größten börsennotierten Bitcoin-Miner, sicherte sich diese Woche ein rund 1.200 Hektar großes Grundstück in Texas mit Zugang zu bis zu zwei Gigawatt Netzkapazität — ein Signal, dass Mining-Unternehmen ihr Geschäftsmodell zunehmend um KI-Rechenzentren erweitern und damit unabhängiger vom reinen Bitcoin-Kurs werden.

Für Bitcoin selbst bleibt laut JPMorgan ein Gegenszenario denkbar: Sollte die Kryptowährung weiterhin primär als digitales Gold und Absicherung gegen Währungsentwertung gehandelt werden, wäre sie von der Frage, wo Tokenisierung und Zahlungsabwicklung stattfinden, deutlich weniger abhängig.

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