Bitcoin: Wale kaufen, ETFs fliehen
Gegenläufige Signale prägen den Bitcoin-Markt: Großanleger akkumulieren, während ETF-Abflüsse Rekordniveau erreichen.

- Rekordabflüsse bei Bitcoin-ETFs im Juni
- Wale kaufen 270.000 BTC nahe Jahrestief
- Schwache US-Daten stützen Kurserholung
- Fed-Sitzung als nächster Kurstreiber
Zwei Signale, ein Markt: Während institutionelle Anleger im Juni in Rekordtempo aus Bitcoin-ETFs flohen, kauften die größten Wallets der Welt genau in dieser Schwächephase kräftig zu. Diese Gegenläufigkeit prägt die Bitcoin-Erholung der vergangenen Wochen – und sie wirft die Frage auf, wer am Ende recht behält.
Der Kurs fiel Anfang Juli auf 57.950 Dollar, den tiefsten Stand seit 21 Monaten. Bis Samstag erholte sich Bitcoin auf rund 64.700 Dollar und legte damit die stärkste zweiwöchige Rallye des Jahres 2026 hin. Zwischenzeitlich bremste ein neuer Rückschlag: Ein chinesisches KI-Modell namens Kimi K3 übertraf am Freitag etablierte Konkurrenzmodelle in einem viel beachteten Coding-Test und schickte Halbleiter- und Technologiewerte auf Talfahrt. Bitcoin, das zuletzt im Gleichlauf mit Chip-Aktien handelte, geriet kurz mit in den Sog, bevor der Kurs sich wieder Richtung 65.000 Dollar bewegte.
ETF-Fluchtwelle trifft auf Wal-Akkumulation
Der Juni war für die US-Spot-Bitcoin-ETFs der schwärzeste Monat seit ihrem Start im Januar 2024. Netto flossen 4,5 Milliarden Dollar ab, allein BlackRocks IBIT-Produkt verantwortete davon 3,55 Milliarden Dollar. Die kumulierten Zuflüsse für das laufende Jahr drehten dadurch erstmals ins Negative.
Parallel dazu häuften die größten Bitcoin-Wallets rund 270.000 BTC im Gegenwert von 16,7 Milliarden Dollar an – zu Kursen um 59.000 Dollar, nahe dem Jahrestief. Seit Mitte Juli kehren auch die ETF-Zuflüsse zurück, wenn auch in kleineren Schritten von teils unter 100 Millionen Dollar pro Tag. BlackRocks IBIT führt dabei erneut die Liste an.
Fed-Termin und gespaltenes Kursziel-Bild
Den Rückenwind für die jüngste Erholung lieferten schwächere US-Konjunkturdaten. Der Verbraucherpreisindex für Juni fiel auf 3,5 Prozent, deutlich unter den erwarteten 3,8 Prozent, während der Arbeitsmarkt mit nur 57.000 neuen Stellen enttäuschte. Die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung sank daraufhin spürbar. Die Fed-Sitzung am 28. Juli gilt nun als nächster wichtiger Termin für die Richtung des Kurses.
Beim Kursziel gehen die Meinungen der Analysten deutlich auseinander. Citigroup senkte seine 12-Monats-Prognose von 112.000 auf 82.000 Dollar und verweist auf die schwache ETF-Nachfrage. Standard Chartered hält dagegen an einem Jahresziel von 100.000 Dollar fest. Für den kurzfristigen Verlauf im Juli nennt CoinDCX ein Basisziel von 65.600 Dollar, im bullischen Szenario bis zu 70.000 Dollar.
Zusätzliche Unsicherheit kommt aus der Politik: Die Marktwette auf ein Inkrafttreten des US-Krypto-Gesetzes CLARITY Act bis Jahresende ist auf ein Rekordtief von 32 Prozent gefallen, nach einem Höchststand von 82 Prozent im Februar. Die Verhandlungen im Senat stocken an Ethikfragen rund um digitale Vermögenswerte von Amtsträgern, während der Zeitplan vor der Sommerpause eng wird.
Zum Risikobild trägt auch der Nahost-Konflikt bei: Anhaltende US-Angriffe auf iranische Ziele und die faktisch blockierte Straße von Hormus drücken zeitweise auf die Risikobereitschaft an den Märkten – ein Faktor, der auch Bitcoin nicht unberührt lässt.
Bis zur Fed-Entscheidung am 28. Juli dürfte der Markt zwischen diesen Kräften pendeln: der Rückkehr institutioneller ETF-Käufer auf der einen, der bereits erfolgten Wal-Akkumulation auf der anderen Seite.
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