Bitcoin: Wale kaufen trotz Angst
Trotz geopolitischer Spannungen und fallender Kurse akkumulieren Großinvestoren über 270.000 Bitcoin. Ein Bodenindikator signalisiert Erholungspotenzial.

- Großinvestoren kaufen 270.000 Bitcoin
- Angstindex fällt auf 26 Punkte
- Citi senkt Bitcoin-Kursziel auf 82.000 Dollar
- Miner-Stress und Mt.-Gox-Transfers belasten
Der Fear-and-Greed-Index für Kryptowährungen ist auf 26 Punkte gefallen – ein Niveau, das extreme Angst im Markt signalisiert. Parallel dazu haben Großinvestoren binnen zwei Wochen mehr als 270.000 Bitcoin aufgekauft. Wenn Panik und Akkumulation gleichzeitig auftreten, lohnt ein genauerer Blick auf die Gemengelage.
Iran-Schock trifft ohnehin nervösen Markt
Am Nachmittag des 8. Juli sorgte ein geopolitischer Schock für zusätzlichen Druck. US-Präsident Donald Trump erklärte den Waffenstillstand mit dem Iran für beendet, nachdem beide Seiten Luftschläge ausgetauscht hatten. Der Ölpreis zog daraufhin an, Bitcoin fiel auf rund 62.000 Dollar zurück, ein Minus von gut zwei Prozent gegenüber dem Vortag.
Solana traf es mit einem Rückgang von rund 5,2 Prozent deutlich härter – typisch für Altcoins in Risk-off-Phasen. Ethereum hielt sich mit einem Minus von etwa zwei Prozent im Gleichschritt mit Bitcoin. Um 20 Uhr MESZ veröffentlicht die US-Notenbank zudem die Protokolle ihrer Juni-Sitzung, und steigende Energiepreise nähren Inflationssorgen – genau das Gegenteil dessen, was der Markt für eine Erholung bräuchte.
Bodenindikator trifft auf gesenktes Kursziel
Ein technischer Indikator nährt derweil die Debatte um einen möglichen Boden. Der realisierte Gewinn-Verlust-Indikator fiel auf minus 0,35, den tiefsten Stand seit 43 Monaten. Zuletzt notierte er im Dezember 2022 so niedrig, kurz nach dem Zusammenbruch der Kryptobörse FTX. In den Jahren 2015, 2019 und 2022 markierten ähnliche Werte jeweils einen Zyklusboden vor größeren Erholungen.
Citi zeichnet dagegen ein vorsichtigeres Bild. Die Bank senkte ihr Zwölf-Monats-Kursziel von 112.000 auf 82.000 Dollar und strich die erwarteten ETF-Zuflüsse komplett aus ihrer Berechnung.
Miner-Stress und Mt.-Gox-Abgabe im Hintergrund
Zwei strukturelle Risikofaktoren bleiben unabhängig vom Tagesgeschehen aktiv. Die Mt.-Gox-Insolvenzmasse überwies am 6. Juli rund 47.228 Bitcoin an die Handelsplattform Bitstamp – ein weiterer Schritt der laufenden Gläubigererstattung, der potenzielles Verkaufsangebot schafft. Parallel dazu arbeiten knapp 20 Prozent der Bitcoin-Miner derzeit mit Verlust, ein historisch seltenes Niveau, das in früheren Zyklen oft nahe an Bodenbildungen auftrat.
Bei den Spot-ETFs zeigt sich ein ähnlich zwiespältiges Bild. Im Juni verzeichneten die Produkte Nettoabflüsse von 4,5 Milliarden Dollar, den schwächsten Monat seit ihrem Start Anfang 2024. Am Dienstag schrumpfte das Nettoplus wieder auf 22 Millionen Dollar, nach 266 Millionen Dollar am Montag – der iShares Bitcoin Trust hielt dabei die Zuflüsse, während der Fidelity-Fonds Mittel verlor.
Technisch hält der 20-Tage-EMA bei rund 62.450 Dollar als nächste Unterstützung. Ein nachhaltiger Schlusskurs darunter würde die Erholung aus dem Junitief infrage stellen. Die FOMC-Protokolle um 20 Uhr MESZ liefern heute Abend die erste konkrete Antwort darauf, ob die Fed die Arbeitsmarktschwäche oder den neuen Ölpreisschub stärker gewichtet.
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