Bitcoin: Warnsignale trotz Bullenmarkt

Trotz bestätigtem Aufwärtstrend deuten steigende Gewinnmitnahmen und sinkende Nachfrage auf nachlassende Dynamik bei Bitcoin hin.

Die Kernpunkte:
  • Bull Score Index erreicht 90 Punkte
  • Trader-Gewinnmarge steigt auf 33 Prozent
  • Halter realisieren 25.700 BTC an Gewinnen
  • Spot-Nachfrage sinkt binnen 30 Tagen

Der Oktober gilt unter Bitcoin-Anlegern seit Jahren als Glücksmonat. Zwischen 2012 und 2025 schloss die Kryptowährung den zehnten Monat auffällig oft im Plus ab, der Begriff „Uptober“ hat sich entsprechend fest etabliert. Ausgerechnet jetzt mehren sich jedoch Signale, dass die laufende Rally an Substanz verliert.

CryptoQuant-Research-Chef Julio Moreno sieht den Bullenmarkt zwar formal bestätigt — der Schlusskurs oberhalb der 365-Tage-Durchschnittslinie in der vergangenen Woche gilt als klassisches Signal für einen neuen Aufwärtszyklus.

Der hauseigene Bull Score Index steht bei 90 von 100 Punkten, ein Wert, der eigentlich für ungebrochenen Optimismus spricht. Allerdings zeigen mehrere Kennzahlen laut Moreno bereits Ermüdungserscheinungen, nachdem Bitcoin ein Acht-Monats-Hoch von 87.400 Dollar erreicht hatte.

Gewinnmitnahmen erreichen Rekordniveau

Die unrealisierte Gewinnmarge kurzfristiger Trader kletterte auf 33 Prozent, den höchsten Stand seit Dezember 2024. Historisch betrachtet animieren solche Margen Anleger dazu, Kursgewinne zu realisieren, weil schlicht mehr Luft nach oben verlockt. Am 22. September sicherten Bitcoin-Halter nach Angaben von CryptoQuant 25.700 BTC an Gewinnen — der größte Tageswert des laufenden Jahres.

Auch der Altcoin-Markt sendet Verkaufssignale. Die Zahl der Einzahlungstransaktionen auf Börsen stieg binnen einer Woche auf 76.000, das höchste Niveau seit Mitte Oktober 2025 — damals nur elf Tage nach dem vorherigen Allzeithoch. Parallel dazu wuchs die Zahl der Adressen, die Altcoins auf Handelsplätze bewegen, auf 51.000. Wer Coins auf Börsen verschiebt, verfolgt in der Regel die Absicht zu verkaufen.

Nachfrage kühlt spürbar ab

Hinzu kommt eine schwächelnde Nachfrageseite. Die Spot-Nachfrage schrumpfte laut Moreno binnen 30 Tagen um 170.000 BTC, während das Wachstum der spekulativen Terminmarkt-Nachfrage von 164.000 BTC am 14. September auf nur noch 16.000 BTC zum Monatsende einbrach. Ohne frisches Kapital tun sich Rallys naturgemäß schwer, die aktuelle Dynamik fortzusetzen.

Für den Fall einer Korrektur nennt Moreno konkrete Haltemarken: Die 365-Tage-Durchschnittslinie bei rund 80.000 Dollar dürfte als erste Unterstützung dienen, gefolgt vom 200-Tage-Durchschnitt nahe 71.000 Dollar und dem onchain-realisierten Preis der Trader bei etwa 67.000 Dollar. Ein Rücksetzer auf diese Marken wertet er als gesunde Konsolidierung innerhalb eines jungen Bullenmarktes — solange die Unterstützungen halten.

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