Bitcoin: Wichtige Marke wackelt

Bitcoin gerät wegen Inflations- und Zinssorgen unter Druck. 95 der 100 größten Kryptowährungen verlieren, ETFs verbuchen 120 Millionen Dollar Abflüsse.

Die Kernpunkte:
  • Bitcoin fällt unter 78.000 Dollar
  • 76.270 Dollar gelten als Unterstützung
  • Zinsanstiegswahrscheinlichkeit steigt auf 70 Prozent
  • Bitcoin-ETFs verlieren 120 Millionen Dollar

Der Kryptomarkt startet mit spürbarem Gegenwind in den Freitag. Bitcoin rutschte in der Nacht unter die Marke von 78.000 Dollar und notiert nun nur noch knapp oberhalb einer Zone, die Händler als entscheidend einstufen. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf rund 3 bis 5 Prozent — drei Wochen mit Kursgewinnen sind damit erstmal beendet.

Der Auslöser liegt außerhalb der Kryptowelt. Die militärische Eskalation zwischen den USA und dem Iran hat Anleger in eine risikoscheue Haltung gedrängt, während die Ölpreise diese Woche zweistellig zulegten. Steigende Energiepreise schüren Inflationssorgen — und genau das bringt Bitcoin unter Druck, weil es die Wahrscheinlichkeit einer strafferen Geldpolitik erhöht.

Zinsfutures preisen Straffung ein

Die Verschiebung an den Zinserwartungen ist deutlich. Vor zwei Wochen lag die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Federal Reserve bei rund 50 Prozent, mittlerweile signalisieren Zinsfutures bereits 70 Prozent. Die Fed tagt am 15. und 16. September, die Bank of Japan zieht mit einem eigenen Zinsentscheid nach.

Bevor es soweit ist, blicken Märkte an diesem Freitag auf die US-Verbraucherpreise für August. Erwartet wird eine Gesamtinflation von 3,4 Prozent, die Kernrate soll bei 2,4 Prozent liegen. Ein Ausreißer nach oben dürfte die Zinserwartungen weiter verschärfen — ein Szenario, das Kryptowerten historisch selten gut bekommt.

Die Schwäche zieht sich durch fast den gesamten Markt: Von den 100 größten Kryptowährungen notierten zuletzt 95 im Minus. Besonders hart traf es Zcash mit einem zweistelligen Tagesverlust, während Ether sich vergleichsweise robust hielt. Auch institutionelle Anleger zeigen Nerven — US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt Nettoabflüsse in Höhe von 120 Millionen Dollar.

Die Verteidigungslinie bei 76.270 Dollar

Bitget-Analyst Lewis Huang bezeichnete die Marke von 76.270 Dollar als wichtige technische Unterstützungszone vor den Inflationsdaten. Seit Beginn der Rallye im August ist der Kurs nicht mehr darunter gefallen — aktuell trennen Bitcoin nur noch wenige Hundert Dollar von dieser Schwelle. Ein Bruch könnte nach Einschätzung von Marktbeobachtern zusätzliche Verkäufe auslösen, weil dann automatisierte Stopp-Orders greifen würden.

Parallel zur Marktnervosität sorgt Strategy-CEO Phong Le mit einer Rechtfertigung für Aufsehen. Das Unternehmen hatte zwischen Ende Juni und Mitte August rund 6.900 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von etwa 62.200 Dollar verkauft, um Ende August dann wieder knapp 4.600 Bitcoin für 370 Millionen Dollar zu erwerben — bei einem deutlich höheren Durchschnittspreis von rund 80.300 Dollar.

Le erklärte, es sei keine verunglückte Kurswette gewesen, sondern bilanzielle Optimierung: In der Verkaufsphase habe man die Nettoverschuldung von etwa 7 Milliarden Dollar auf null zurückgeführt, was günstigere Finanzierungsbedingungen für den späteren Rückkauf ermöglicht habe.

Am Nachmittag entscheidet sich, ob die Inflationsdaten die Nervosität weiter anheizen oder für Entspannung sorgen. Hält die Unterstützung bei 76.270 Dollar, bleibt der Aufwärtstrend seit August intakt — bricht sie, dürfte der Verkaufsdruck kurzfristig zunehmen.

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