Bloom Energy Aktie: 166% Umsatzwachstum trotz Klage

Bloom Energy übertrifft im zweiten Quartal die Erwartungen und erhält höhere Kursziele, während eine Sammelklage zur Scandium-Versorgung anhängig bleibt.

Die Kernpunkte:
  • Umsatz im zweiten Quartal um 166 Prozent gestiegen
  • Jahresziel auf 3,9 bis 4,2 Milliarden Dollar angehoben
  • Aufnahme in den S&P 500 sorgt für Kaufdruck
  • Sammelklage wegen chinesischem Scandium bleibt anhängig

Wer sich die Kursbewegungen der vergangenen Wochen ansieht, könnte annehmen, bei Bloom Energy laufe gerade ausschließlich Positives zusammen. S&P-500-Aufnahme, Rekordquartal, Analysten-Anhebungen – die Erfolgsmeldungen reihen sich.

Und doch liegt seit Anfang Juli eine Klage im Raum, die genau diese Erzählung infrage stellt. Für mich ist das der eigentlich interessante Punkt an dieser Aktie: Der Markt scheint die Vorwürfe schlicht zu ignorieren – und das wirft die Frage auf, ob das gerechtfertigt ist.

Die Vorwürfe und ihre bisherige Wirkung

Am 8. Juli veröffentlichte Hunterbrook Media einen Bericht mit dem Titel „Bloom’s Big Lie“. Die Kernbehauptung: Bloom Energy sei entgegen eigener Darstellung auf chinesisches Scandium angewiesen, das über Zwischenhändler in Thailand, Japan und Südkorea sowie über direkte Lieferungen ins Delaware-Werk in die Lieferkette gelange.

Die Aktie reagierte damals mit einem Rückgang um 5,7 Prozent auf 254,29 Dollar. Ende Juli folgte in Kalifornien eine Sammelklage, die dem Unternehmen vorwirft, die Abhängigkeit von chinesischem Scandium nicht ausreichend offengelegt zu haben. Der Klagezeitraum reicht vom 27. Februar 2025 bis zum 8. Juli 2026, die Frist für Hauptkläger läuft bis zum 28. September.

Bemerkenswert ist, wie wenig von diesem Vorwurf im aktuellen Kursbild übrig geblieben ist. Die Aktie notiert aktuell bei 237,00 Euro, nach einem Tagesplus von 6,8 Prozent. Der Kurs liegt damit rund 21 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 196,06 Euro – ein Zeichen dafür, wie sehr sich das kurzfristige Momentum von der Debatte um die Lieferkette gelöst hat.

Die Gegenkräfte: Zahlen, Index, Kursziele

Dass der Markt die Klage bislang wegsteckt, hat handfeste Gründe. Am 28. Juli legte Bloom Energy Zahlen vor, die selbst optimistische Erwartungen übertrafen: Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 166 Prozent auf 1,065 Milliarden Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 0,78 Dollar deutlich über dem Konsens von 0,40 Dollar.

Das Unternehmen hob daraufhin die Jahresprognose an, auf einen Umsatzkorridor von 3,9 bis 4,2 Milliarden Dollar. Wer solche Wachstumsraten liefert, kauft sich bei Anlegern Nachsicht – so lässt sich die aktuelle Gelassenheit gegenüber der Klage wohl erklären.

Hinzu kommt die vor gut einer Woche verkündete Aufnahme in den S&P 500, die seither ein Kursplus von 9,0 Prozent begleitet hat und bis zuletzt für mechanischen Kaufdruck durch Indexfonds sorgt.

Clear Street hob am 8. September das Kursziel auf 330 Dollar an, UBS folgte einen Tag zuvor mit 325 Dollar und bekräftigte die Kaufempfehlung explizit mit Verweis auf den Indexeinzug als Kurstreiber. Beide Anhebungen fallen damit klar in die aktuelle Woche und spiegeln, wie sehr die Wall Street den Ausblick derzeit über die juristischen Risiken stellt.

Unterm Strich: Zwei Narrative, ein Kurs

Für mich zeigt sich hier ein Muster, das bei stark wachsenden Technologiewerten nicht neu ist: Operative Dynamik schlägt regulatorisches beziehungsweise juristisches Risiko – solange die Zahlen liefern.

Die Skandium-Vorwürfe sind nicht aus der Welt, die Klagefrist Ende September bleibt ein realer Termin, an dem sich zeigen wird, wie viele institutionelle Anleger sich der Sammelklage anschließen. Bis dahin dürfte der Markt weiter auf Wachstum und Indexeffekte setzen.

Ich halte es für verfehlt, die Lieferketten-Frage als erledigt zu betrachten, nur weil der Kurs sie ignoriert. Gleichzeitig spricht die fundamentale Dynamik – verdreifachter Umsatz, angehobene Prognose, zwei frische Kurszielanhebungen binnen einer Woche – dafür, dass die Rally nicht allein auf Indexmechanik beruht.

Wer in dieser Aktie engagiert ist, sollte den 28. September im Kalender markieren: Erst dann zeigt sich, ob die juristische Seite der Geschichte tatsächlich folgenlos bleibt oder ob sie dem Kurs noch nachträglich einen Dämpfer verpasst.

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