Bloom Energy Aktie: 196,3 Millionen Nettogewinn trotz Scandium-Klage

Bloom Energy meldet Rekordumsatz und Gewinn, sieht sich jedoch wegen angeblicher China-Abhängigkeit bei Scandium mit Sammelklagen konfrontiert.

Die Kernpunkte:
  • Rekordumsatz von 1,065 Milliarden Dollar
  • Sammelklagen wegen Scandium-Vorwürfen eingereicht
  • Brookfield erhöht Finanzierungsrahmen auf 25 Milliarden
  • Mizuho stuft Aktie trotz Kurszielsenkung hoch

Selten lagen bei einem Unternehmen operative Glanzleistung und juristisches Ungemach so dicht beieinander wie derzeit bei Bloom Energy. Wer nur auf die Geschäftszahlen schaut, sieht einen Wachstumsstar. Wer die Schlagzeilen der vergangenen Wochen verfolgt, sieht ein Unternehmen, das sich gegen den Vorwurf verteidigen muss, seine Kunden und Investoren über die Herkunft eines kritischen Rohstoffs getäuscht zu haben. Für mich ist genau dieser Widerspruch die eigentliche Geschichte hinter der Aktie.

Zahlen, die für sich sprechen

Am 28. Juli legte Bloom Energy Quartalszahlen vor, die selbst hartgesottene Wachstumsinvestoren aufhorchen ließen. Der Umsatz kletterte auf einen Rekordwert von 1,065 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 165,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Produktumsatz legte sogar um 215,4 Prozent auf 935,4 Millionen US-Dollar zu. Bemerkenswerter als das reine Wachstum ist für mich die Profitabilität: Die GAAP-Bruttomarge sprang von 26,7 auf 33,4 Prozent, das operative Ergebnis drehte von einem Verlust von 3,5 Millionen auf einen Gewinn von 182,2 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich blieb ein Nettogewinn von 196,3 Millionen US-Dollar beziehungsweise 0,62 US-Dollar je Aktie – im Vorjahr stand hier noch ein Verlust von 0,18 US-Dollar je Aktie.

Auch der operative Cashflow von 226 Millionen US-Dollar und ein freier Cashflow von 175 Millionen US-Dollar untermauern, dass es sich nicht um ein bilanzielles Strohfeuer handelt. Mit 2,7 Milliarden US-Dollar Kassenbestand hat das Unternehmen zudem einen Puffer, der im Ernstfall auch juristische Auseinandersetzungen verkraften dürfte. Das Management traute sich sogar, die Jahresprognose anzuheben: Der Umsatz soll nun zwischen 3,9 und 4,2 Milliarden US-Dollar liegen, die non-GAAP-Bruttomarge bei rund 34 Prozent, das operative Ergebnis zwischen 800 und 900 Millionen US-Dollar. Wer solche Zahlen liefert, verdient zunächst einmal Respekt.

Der Schatten der Scandium-Affäre

Und doch: Am 8. Juli veröffentlichte Hunterbrook Media einen Bericht mit dem Titel „Bloom’s Big Lie“, der dem Unternehmen vorwirft, den Rohstoff Scandium über Umwege aus China zu beziehen – über direkte Lieferungen nach Delaware sowie über Zwischenhändler in Thailand, Japan und Südkorea. Die Aktie verlor daraufhin nach Medienberichten binnen kurzer Zeit fast sechs Prozent. Der Vorwurf trifft einen wunden Punkt, weil Bloom Energy seine Lieferkette bislang als unabhängig von China dargestellt haben soll.

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Am 4. August reichten mehrere Kanzleien – darunter Robbins LLP, DJS Law Group, Kaplan Fox und Wolf Haldenstein – Sammelklagen ein, die einen Zeitraum vom 27. Februar 2025 bis zum 8. Juli 2026 abdecken. Die Kläger werfen dem Unternehmen vor, die Abhängigkeit von chinesischem Scandium nicht ausreichend offengelegt zu haben. Die Frist für Anleger, sich als Hauptkläger zu melden, läuft bis zum 28. September. Aus meiner Sicht wiegt hier weniger die unmittelbare finanzielle Belastung als der Reputationsschaden: Wenn Kunden im Bereich kritischer Infrastruktur an der Verlässlichkeit der Lieferkettenangaben zweifeln, kann das langfristig teurer werden als jeder Vergleichsbetrag.

Brookfield und die Wall Street als Kontergewicht

Auf der anderen Seite steht ein Partner, der offenbar keine Zweifel hegt. Bereits am 30. Juni erhöhte Brookfield Asset Management sein Finanzierungsrahmenwerk für Stromprojekte im Umfeld von KI-Infrastruktur von ursprünglich 5 auf 25 Milliarden US-Dollar – eine Verfünffachung seit Oktober 2025. Das ist ein starkes Vertrauenssignal von einem Kapitalgeber, der sich seine Partner sorgfältig aussucht.

Auch die Wall Street reagierte differenziert statt panisch: Mizuho Securities stufte die Aktie am 30. Juli von „Neutral“ auf „Outperform“ hoch, senkte das Kursziel zwar von 285 auf 242 US-Dollar, begründete die Hochstufung aber mit stärkerer operativer Ausführung, zunehmender Margenexpansion und der Einschätzung, der jüngste Kursrückgang biete einen attraktiven Einstiegspunkt.

Der deutsche Handel spiegelt diese Zerrissenheit: Nach einem Rekordlauf mit einer Jahresperformance von 164,89 Prozent schloss die Aktie gestern bei 198,80 Euro, ein Minus von 2,07 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch fehlen inzwischen 35,56 Prozent, während der Kurs seinen 200-Tage-Durchschnitt weiterhin um 25,91 Prozent übertrifft – ein Hinweis darauf, dass der langfristige Aufwärtstrend trotz der Turbulenzen intakt bleibt.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich zwei Bloom-Energy-Geschichten, die parallel laufen: ein operativ exzellentes Unternehmen mit einem hungrigen Großkunden im Rücken, und ein Unternehmen, das sich erst noch von schweren Transparenzvorwürfen reinwaschen muss. Die Zahlen sprechen eindeutig für die Bullen, die Klagen mahnen zur Vorsicht. Für mich überwiegt aktuell das operative Momentum – doch wer hier investiert ist, sollte den Ausgang der Sammelklage im September aufmerksam verfolgen, denn er dürfte darüber entscheiden, ob die Bewertung wieder Richtung altes Hoch klettern kann oder der Vertrauensbruch nachhaltig auf dem Kurs lastet.

Anzeige

Bloom Energy-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Bloom Energy-Analyse vom 7. August liefert die Antwort:

Die neusten Bloom Energy-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Bloom Energy-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 7. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Bloom Energy: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Bloom Energy