Bloom Energy Aktie: 40 Tonnen Scandium-Abhängigkeit belastet
Bloom Energy verzeichnet starkes Umsatzwachstum, doch Kurs fällt wegen Rohstoffrisiken und Sammelklagen. Analysten sehen Potenzial durch KI-Rechenzentren.

- Umsatzplus von 165 Prozent
- Sieben Verlusttage in Folge
- Sammelklagen wegen Scandium-Angaben
- KI-Rechenzentren als Wachstumstreiber
Nach einer beeindruckenden Rallye im bisherigen Jahresverlauf sieht sich der Brennstoffzellen-Spezialist Bloom Energy mit einer deutlichen Kurskorrektur konfrontiert. Trotz massiver Zuwächse beim Umsatz und einer verbesserten Profitabilität im zweiten Quartal 2026 scheinen Sorgen um die Rohstoffversorgung und juristische Auseinandersetzungen die Anlegerstimmung zu belasten.
An der Börse notierte das Papier am Freitag zum Handelsschluss bei 172,80 €. Damit hat sich der Wert deutlich von seinem 52-Wochen-Hoch entfernt, zu dem aktuell ein Abstand von -44 % besteht.
Starke Quartalszahlen treffen auf hohe Bewertung
Die operative Entwicklung von Bloom Energy zeigte zuletzt eine enorme Dynamik. Im zweiten Quartal 2026 konnte das Unternehmen seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 165 % auf 1,06 Milliarden US-Dollar steigern.
Besonders positiv bewerteten Marktbeobachter die Entwicklung der Bruttomarge, die von 26,7 % im Vorjahr auf 33,4 % kletterte. Analysten prognostizieren für das Gesamtjahr 2026 mittlerweile einen Umsatz von 4,13 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von 103 % entsprechen würde.
Dennoch hat die Aktie an Schwung verloren und verzeichnete zuletzt sieben Verlusttage in Folge. Ein Grund hierfür dürfte die ambitionierte Bewertung sein. Mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis (Non-GAAP) von 74 liegt das Unternehmen deutlich über dem Durchschnitt des S&P 500, der bei etwa 20 notiert.
Zudem notiert die Aktie rund -19 % unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, was laut Marktberichten von Invezz auf eine nachlassende technische Dynamik hindeutet.
Rohstoffabhängigkeit und juristische Hürden
Ein zentraler Risikofaktor, der zunehmend in den Fokus rückt, ist die Versorgung mit Scandiumoxid. Für das Jahr 2026 benötigt Bloom Energy schätzungsweise 40 Tonnen dieses Metalls, wovon lediglich etwa 10 bis 12 Tonnen durch Recycling gedeckt werden können. Ein Bericht von Hunterbrook hinterfragte jüngst die starke Abhängigkeit von chinesischen Lieferungen.
Zwar gibt es Bemühungen, alternative Quellen in Australien oder den USA zu erschließen, doch Experten der MMTA zufolge ist eine signifikante Produktion aus diesen Projekten kaum vor dem Jahr 2029 zu erwarten. Während chinesische Preise für Scandium unter 1.000 US-Dollar pro Kilogramm liegen, werden für US-Material Preise von über 3.000 US-Dollar aufgerufen.
Parallel dazu sieht sich das Unternehmen mit rechtlichem Widerstand konfrontiert. Mehrere Anwaltskanzleien, darunter Levi & Korsinsky sowie Glancy Prongay Wolke & Rotter, treiben Sammelklagen wegen des Verdachts auf Wertpapierbetrug voran.
Den Kanzleien zufolge sollen im Zeitraum zwischen Februar 2025 und Juli 2026 falsche Angaben zur Scandium-Beschaffung aus China gemacht worden sein. Aktionäre haben bis zum 28. September 2026 Zeit, sich diesen Klagen anzuschließen.
Ausblick auf den KI-Boom und Netzstabilität
Trotz der aktuellen Kursverluste bleibt das langfristige Potenzial durch den Ausbau von KI-Rechenzentren ein zentrales Thema. Projekte wie der milliardenschwere Brookfield-Deal unterstreichen die Rolle von Bloom Energy bei der Energieversorgung energieintensiver Infrastrukturen.
Da die weltweite Kapazität von Rechenzentren bis 2030 massiv steigen dürfte, bleibt die Nachfrage nach dezentralen Energielösungen hoch. Für das Jahr 2027 erwarten Analysten bereits einen weiteren Umsatzsprung auf 6,77 Milliarden US-Dollar.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob das Unternehmen die Lieferketten-Problematik und die rechtlichen Vorwürfe ausräumen kann, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.
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