Bloom Energy Aktie: Bewertungsrisiko

Bloom Energy erreicht nach Großaufträgen für KI-Rechenzentren ein Allzeithoch, doch Analysten sind über die extreme Bewertung gespalten. Die Quartalszahlen Ende Februar werden zum Stresstest.

Die Kernpunkte:
  • Mega-Deal mit AEP über 2,65 Milliarden US-Dollar
  • Aktie notiert auf 52-Wochen-Hoch nach 550% Plus
  • Bewertungskennzahlen deutlich über Branchendurchschnitt
  • Quartalszahlen am 26. Februar als nächster Prüfstein

Bloom Energy ist an der Börse in Rekordtempo unterwegs. Nach einer Serie großer Aufträge rund um die Stromversorgung von Rechenzentren hat der Brennstoffzellen-Spezialist ein neues Allzeithoch markiert. Doch während die Story vom Profiteur des KI-Booms gut klingt, stellt sich eine andere Frage: Wie lange lässt sich die extreme Bewertung rechtfertigen?

Mega-Deal mit AEP treibt Kurs

Auslöser der jüngsten Rally ist ein Großauftrag von American Electric Power (AEP). Dessen nicht regulierte Sparte nimmt für 2,65 Milliarden US-Dollar zusätzliche Festoxid-Brennstoffzellen von Bloom Energy ab. Dabei handelt es sich um die Ausübung einer Option über 900 Megawatt – zusätzlich zu einem ursprünglichen Vertrag über 100 Megawatt aus dem Jahr 2024.

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Der Auftrag ist an ein Rechenzentrumsprojekt im US-Bundesstaat Wyoming gekoppelt, das durch einen 20-jährigen Abnahmevertrag mit einem Kunden hoher Bonität unterlegt ist. Morgan Stanley schätzt, dass allein dieses Projekt in den kommenden Jahren rund 3 Milliarden US-Dollar Umsatz für Bloom bringen könnte.

An der Börse haben die Zahlen sofort Wirkung gezeigt. Die Aktie legte zuletzt zweistellig zu und kletterte am Freitag auf 149,50 US-Dollar – zugleich ein neues 52-Wochen-Hoch. Auf Sicht von zwölf Monaten summiert sich das Plus auf über 550 Prozent.

Kennzahlen mit Extremwerten

Die Kursrally hat auch die technischen Indikatoren in bisher kaum erreichte Bereiche getrieben:

  • 30-Tage-Performance: +128 %
  • Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt: rund +150 %
  • RSI (14 Tage): 92,1

Der Kurs notiert damit deutlich über den gängigen Durchschnittslinien. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von knapp 96 % unterstreicht, wie heftig die Schwankungen zuletzt ausfielen.

Analysten uneins über fairen Wert

Auf der Bewertungsseite zeigt sich ein gespaltenes Bild. Einige Häuser sehen in den jüngsten Abschlüssen und Großaufträgen Rückenwind und haben ihre Kursziele angehoben:

  • Clear Street erhöhte das Kursziel von 58 auf 68 US-Dollar und blieb bei „Hold“.
  • Susquehanna bestätigte „Buy“ mit Kursziel 157 US-Dollar.
  • Evercore ISI hält an „Outperform“ mit 152 US-Dollar fest und bezeichnet Bloom als Favoriten für den schnellen Ausbau sauberer Energie.

Der Konsens ist allerdings deutlich vorsichtiger. Der durchschnittliche Zielkurs von 22 Analysten liegt bei 106,20 US-Dollar und damit rund ein Viertel unter dem aktuellen Niveau. Jefferies bleibt klar skeptisch mit einem Kursziel von 53 US-Dollar. Die Bank of America hob ihr Ziel zwar von 26 auf 39 US-Dollar an, hält aber an einer Verkaufsempfehlung fest und warnt, der Markt preise faktisch „fünf Jahre Perfektion“ ein.

Bewertung weit über Branchenschnitt

Die Bewertungskennzahlen spiegeln diese Skepsis wider. Auf Basis der erwarteten Gewinne handelt die Aktie aktuell zu einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 200. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 18,1 – deutlich entfernt vom Durchschnitt der Elektroindustrie, der bei rund 2,17 liegt.

Hinzu kommt ein sehr unruhiger Kursverlauf: In den vergangenen zwölf Monaten verzeichnete die Aktie 76 Handelstage mit Bewegungen von mehr als fünf Prozent. Für Investoren bedeutet das: hohes Chance-Risiko-Profil, aber auch eine ungewöhnlich hohe Abhängigkeit von Nachrichtenfluss und Stimmungsumschwüngen.

Pipeline und Wachstumstreiber

Operativ hat Bloom Energy in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe strategischer Schritte gesetzt, die die aktuelle Bewertung zumindest teilweise erklären:

  • Rahmenvereinbarung über 5 Milliarden US-Dollar mit Brookfield Asset Management zur Ausstattung von KI-Rechenzentren
  • Kreditlinie über 600 Millionen US-Dollar mit Wells Fargo (Ende Dezember 2025 angekündigt)
  • Bereits rund 1,4 Gigawatt Energy-Server-Systeme weltweit installiert

Die Zahlen zum dritten Quartal 2025 zeigen einen klaren Wachstumssprung: Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 57 Prozent auf 519 Millionen US-Dollar. Aus einem Nettoverlust von 9,7 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal wurde ein Nettogewinn von 7,8 Millionen US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2025 erwartet die Wall Street rund 1,9 Milliarden US-Dollar Umsatz, für 2026 werden 2,46 Milliarden US-Dollar prognostiziert.

KI-Rechenzentren als Storytreiber

Den wichtigsten strukturellen Rückenwind liefert der globale Ausbau von KI-Rechenzentren. Bloom positioniert seine Festoxid-Brennstoffzellen als dauerverfügbare, netzunabhängige Stromlösung, die öffentliche Netze entlasten soll. CEO K.R. Sridhar bezeichnete das Unternehmen jüngst als „bevorzugten Onsite-Anbieter“ für Brookfields Infrastrukturportfolio im Billionenbereich.

Die Erwartungen an das künftige Ergebniswachstum wurden entsprechend hochgeschraubt. Für das vierte Quartal 2025 wird ein Gewinn je Aktie (EPS) von 0,15 US-Dollar erwartet. Für das Geschäftsjahr 2026 liegen die Schätzungen bei 0,47 US-Dollar je Aktie. Das entspräche einem Gewinnsprung von rund 683 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – ein Maßstab dafür, wie stark Investoren die jüngsten Mega-Deals bereits in die Zukunftsrechnung einpreisen.

Ausblick: Zahlen als Belastungsprobe

Am 26. Februar will Bloom Energy die Zahlen zum vierten Quartal 2025 vorlegen. Dann wird sich zeigen, ob Umsatzdynamik, Margenentwicklung und Ausblick mit den hochgesteckten Prognosen Schritt halten. Angesichts der extremen Bewertung dürfte jede Abweichung von den Erwartungen – nach oben wie nach unten – eine spürbare Reaktion im Kurs nach sich ziehen und damit die Tragfähigkeit der aktuellen Rally auf den Prüfstand stellen.

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