Bloom Energy Aktie: Oracle setzt auf 2,45 Gigawatt
Bloom Energy profitiert vom KI-Infrastrukturprojekt von Oracle, während Optionskäufe und eine Sammelklage zusätzliche Unsicherheit für Anleger schaffen.

- Aktie steigt binnen Jahresfrist 216 Prozent
- Fonds kauft erneut KI-nahe Optionen
- Oracle plant 2,45 Gigawatt Brennstoffzellen
- Sammelklage wegen chinesischem Scandium
Es gibt Momente, in denen eine Aktie zum Spiegel eines ganzen Marktzustands wird. Bloom Energy ist dieser Tage so ein Fall. Am Freitag sprang das Papier um 6,5 Prozent nach oben, auf Wochensicht steht ein Plus von 9 Prozent, und wer sich das Jahr insgesamt ansieht, findet ein Kursplus von 216 Prozent seit Januar. Der Treiber dieser jüngsten Bewegung trägt einen Namen, der Anlegern eigentlich als Warnung dienen sollte: Leopold Aschenbrenner.
Der Gründer des Hedgefonds Situational Awareness hatte im Juli einen der spektakulärsten Einbrüche der jüngeren Fondsgeschichte hingelegt. Sein Portfolio schrumpfte von über 45 Milliarden Dollar auf rund 10 Milliarden Dollar, ein Verlust von mehr als drei Vierteln des verwalteten Vermögens innerhalb eines Monats.
Citadel übernahm notleidende Positionen im Ausverkauf, JPMorgan kappte die Kreditlinie, und die US-Börsenaufsicht SEC schickte Vorladungen an mehrere Banken wegen der zugrundeliegenden Kreditgeschäfte. Ein Debakel, das eigentlich zur Vorsicht mahnen sollte.
Der gleiche Trade, ein zweites Mal
Doch Aschenbrenner ist zurück im Markt – und zwar mit demselben Rezept, das ihn erst in die Bredouille gebracht hatte. Über einen neuen Broker, Clear Street, kaufte Situational Awareness laut Berichten von CNBC und der Financial Times in der vergangenen Woche erneut Optionen auf eine vertraute Riege von KI-nahen Werten: AMD, SK Hynix, SanDisk, CoreWeave, Intel – und Bloom Energy.
Der Nomura-Stratege Charlie McElligott bezifferte die Prämie eines „mysteriösen Käufers“ auf 315 Millionen Dollar, das daraus resultierende Delta auf 1,1 Milliarden Dollar.
Diesmal setzt der Fonds auf voll bezahlte Flex-Optionen statt auf Hebelpositionen, der maximale Verlust ist auf die gezahlte Prämie begrenzt. Eine Lehre aus dem Crash, könnte man sagen – oder schlicht der nächste Versuch, verlorenes Terrain zurückzuerobern.
Für Bloom Energy hat dieser Wiedereinstieg unmittelbare Kursfolgen: Allein am Freitag legte die Aktie um 7 Prozent zu, in einer Zweitagesbetrachtung mit AMD, CoreWeave und den DRAM-Werten sogar um 17,5 Prozent. Das ist eine Bewegung, die nichts mit dem operativen Geschäft von Bloom Energy zu tun hat, sondern mit der Positionierung eines einzelnen, hochspekulativen Marktteilnehmers. Wer die Aktie hält, sollte sich diesen Unterschied bewusst machen.
Zwischen Rechenzentren und Gerichtssaal
Abseits der Optionsspekulation bleibt Bloom Energy operativ im Zentrum des KI-Infrastrukturbooms verankert. Oracle setzt für seinen gewaltigen Rechenzentrumscampus Project Jupiter, Teil des Stargate-Vorhabens mit OpenAI und mit einem Investitionsvolumen von bis zu 165 Milliarden Dollar, weiterhin auf 2,45 Gigawatt an Brennstoffzellen von Bloom Energy.
Zwar sucht Oracle parallel bis zu 2 Gigawatt an erneuerbaren Energien in New Mexico, um das Ziel einer vollständig kohlenstofffreien Stromversorgung bis 2031 zu erreichen – die Brennstoffzellen selbst laufen jedoch weiter mit Erdgas.
Oracle argumentiert, die Bloom-Technologie erzeuge über 90 Prozent weniger Stickoxide als Gasturbinen, ein Punkt, den Julia Robin von Oracle Cloud Infrastructure gegenüber der Santa Fe New Mexican betonte.
Gleichzeitig lastet auf dem Unternehmen eine Sammelklage, die Anleger nicht ignorieren sollten. Die Kanzleien Robbins LLP und Levi & Korsinsky vertreten Käufer, die zwischen dem 27. Februar 2025 und dem 8. Juli 2026 Bloom-Energy-Aktien erwarben.
Der Vorwurf: Das Unternehmen habe seine Abhängigkeit von chinesischem Scandium verschleiert. Am 8. Juli war die Aktie um 5,7 Prozent auf 254,29 Dollar eingebrochen – just an dem Tag, an dem die beanstandeten Informationen offenbar ans Licht kamen. Die Frist, sich als Hauptkläger zu melden, läuft am 28. September ab.
Ein Kurs zwischen zwei Kräften
Damit steht Bloom Energy an einem ungewöhnlichen Schnittpunkt: Auf der einen Seite die strukturelle Nachfrage aus der KI-Infrastruktur, verkörpert durch Oracle und Stargate. Auf der anderen Seite ein Spekulant, der nach einem Rekordverlust erneut mit voller Wucht auf genau diese Werte setzt, und eine ungeklärte Klage über die Lieferkette des Unternehmens.
Der Relative-Stärke-Index von 64,5 und ein Abstand von 21 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt zeigen: Der Markt preist bereits viel Optimismus ein. Die Frage, die sich Anleger stellen müssen, ist nicht, ob Bloom Energy von der KI-Welle profitiert – sondern wie viel dieses Kurses bereits von einem einzelnen, wiederholt gescheiterten Trader getrieben wird.
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